Bundestagspräsident Karl Carstens über die Deutsche Burschenschaft

Grußwort als Präsident des Deutschen Bundestages an die Teilnehmer der Berliner Tagung im Januar 1978:

Allen Teilnehmern und Gästen an der 26. Berliner Tagung der Deutschen Burschenschaft übersende ich meine besten Grüße. Ich freue mich, dass Sie auch in diesem Jahr wieder Berlin zu Ihrem Tagungsort gewählt haben und so Ihre Verbundenheit mit der deutschen Hauptstadt zum Ausdruck bringen.

In einer Zeit schnellen Wandels und neuer Lebensformen werden an alle Staatsbürger Anforderungen gestellt, die besonders für unsere junge Generation schwierige Fragen aufwerfen. Die Bewältigung dieser Probleme erfordert das Verständnis aller Verantwortlichen in Wissenschaft und Wirtschaft, in Politik und Verwaltung. Neben der materiellen und sozialen Unsicherheit unserer jungen Mitbürger müssen wir ihre geistig-seelischen Problemstellungen erkennen. Bei der Suche nach Orientierung und dem Bestreben, feste Maßstäbe und verbindliche Grundüberzeugungen zu finden, sind wir zur Hilfe aufgerufen. Nur durch unsere Bereitschaft, mehr Verantwortung zu übernehmen, können wir verhindern, dass die heute beobachtete Unsicherheit in Resignation oder maßlose Aggression umschlagen kann.

Ich begrüße es, dass sich die Deutsche Burschenschaft dieser Verpflichtung bewusst ist und die Sorge um den jungen Menschen in den Mittelpunkt der Berliner Tagung gestellt hat. Ich wünsche der Tagung der deutschen Burschenschaften in Berlin einen erfolgreichen Verlauf.

Aus seinem Schreiben vom 3. Mai 1990 an den Schriftleiter der
Burschenschaftlichen Blätter, Dr. Walter Egeler:

Dass die 175. Wiederkehr des Jenaer Gründungstages der Burschenschaft auf so konkretem Wege zur deutschen Einheit begangen werden kann, wird Sie zu Recht mit besonderem Stolz erfüllen. Ich behalte die beharrliche Verfolgung dieses Zieles durch Ihren Korporationsverband in Zeiten, als dies höchst unpopulär und ich Bundespräsident war, in wacher und anerkennender Erinnerung. Die Anwesenheit von Mitgliedern der jüngst wiedergegründeten Jenensia Jena belegt die uns alle beglückenden Entwicklungen symbolträchtig und eindrucksvoll.

Grußwort als Bundespräsident zum Burschentag 1983 in Bonn:

Den Teilnehmern des Deutschen Burschentages 1983 übermittle ich meine herzlichen Grüße. Ich freue mich, dass der Burschentag erstmals in Bonn stattfindet. Die Gründung der Deutschen Burschenschaft geht auf die Zeit der Freiheitskriege zu Anfang des 19. Jahrhunderts zurück, ihre Farben schwarz-rot-gold sind zu den Farben der Freiheit und damit zu den Farben der Bundesrepublik Deutschland, zu unseren Farben geworden.

In dieser freiheitlichen Tradition, in der Tradition des Hambacher Festes und der Frankfurter Paulskirche, der Sie sich verpflichtet fühlten, steht auch das Ziel der deutschen Einheit. Wir streben einen Zustand des Friedens in Europa an, in dem das deutsche Volk in freier Selbstbestimmung seine Einheit wiedererlangt. Dieses Ziel ist nicht schnell zu erreichen. Aber wir halten daran fest.

Heute kommt es darauf an, die errungenen Freiheiten in unserem Lande zu schützen, den Frieden zu wahren, die europäische Zusammenarbeit zu entwickeln und das Bewusstsein der nationalen Einheit zu pflegen. Ich danke der Deutschen Burschenschaft, dass sie sich diesen Zielen verpflichtet fühlt und sie nach Kräften fördert. Dem Deutschen Burschentag wünsche ich einen erfolgreichen Verlauf.

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