Vizekanzler Erich Mende zur Deutschen Burschenschaft

Aus seiner Ansprache beim Festakt der
Deutschen Burschenschaft am 12. Juni 1965 in Berlin:

150 Jahre umschließen eine Vielfalt deutscher Geschichte mit Höhen und Tiefen, Erfolgen und Rückschlägen, auch in der Geschichte der DB. Aber eines war in diesen anderthalb Jahrhunderten unwandelbar, die geistige Grundlage der Tätigkeit der DB: Jene Begriffe von Freiheit und Vaterland. Es ist kein Zufall, daß maßgebliche Repräsentanten des deutschen Liberalismus auch gleichzeitig gute Burschenschafter waren: Heinrich von Gagern, Johannes Miquel, Gustav Stresemann und der erste Präsident des Bundesverfassungsgerichtes in Karlsruhe, Professor Hermann Hoepker-Aschoff.

Die deutschen Burschenschaften haben sich die Pflege der Tradition zu eigen gemacht. Auch Traditionswerte sollten nicht mit einer Handbewegung in unserer Zeit abgetan werden, und Jean Jaurés hat richtig formuliert, wenn er sagt: "Tradition bewahren, heißt nicht Asche aufheben, sondern eine Flamme am Brennen erhalten." Mögen daher die deutschen Burschenschaften in der Pflege der beiden Begriffe Freiheit und Vaterland und in einer sinnvollen Tradition weiter jenen Idealen dienen, die sie 150 Jahre zum Inhalt ihrer so erfolgreichen studentischen Arbeit gemacht haben.

Dem Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen obliegt es, noch einen besonderen Dank an die deutschen Burschenschaften auszusprechen für die Vielfalt gesamtdeutscher politischer Arbeit in Seminaren, in Zusammenkünften, die insbesondere ja immer hier in Berlin stattzufinden pflegen und in denen dann die Vertreter der drei Parteien des Deutschen Bundestages zu ihnen sprechen können. Auch diese Art, die Repräsentanten der drei Parteien des Deutschen Bundestages zu diesen gesamtdeutschen Seminaren zu laden, zeugt von der staatspolitischen Verantwortung der deutschen Burschenschaften, auch das ist Burschenschaftstradition.


Schluß der Rede bei der 12. Berliner Tagung im Januar 1964:

Es gibt eine Lehre aus der Geschichte der Deutschen Burschenschaft: Die Freiheit ist immer stärker als der Zwang! Selbstvertrauen in die eigene Kraft, in die rechtsstaatliche, freiheitliche Demokratie wird uns zum Ziele der Wiedervereinigung bringen.

Aus seinem Schreiben vom 3. Mai 1990 an den Schriftleiter
der Burschenschaftlichen Blätter, Dr. Walter Egeler:

Daß die 175. Wiederkehr des Jenaer Gründungstages der Burschenschaft auf so konkretem Wege zur deutschen Einheit begangen werden kann, wird Sie zu Recht mit besonderem Stolz erfüllen. Ich behalte die beharrliche Verfolgung dieses Zieles durch Ihren Korporationsverband in Zeiten, als dies höchst unpopulär und ich Bundespräsident war, in wacher und anerkennender Erinnerung. Die Anwesenheit von Mitgliedern der jüngst wiedergegründeten Jenensia Jena belegt die uns alle beglückenden Entwicklungen symbolträchtig und eindrucksvoll.

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