Stellungnahme zur Hochschulpolitik

Zur aktuellen Hochschulpolitik stellt die Deutsche Burschenschaft fest, daß die zurückliegenden studentischen Proteste zum großen Teil begründet waren und sind. Es muß endlich erkannt werden, daß die Hochschulen und ihre Absolventen den modernen Anforderungen nicht nur unserer Zeit, sondern auch der Zukunft gerecht werden müssen. Hierzu ist es notwendig, den alten Verwaltungsfilz an den Hochschulen zu beseitigen und eine flexiblere Führung der Hochschulen zu ermöglichen. Das geplante Hochschulrahmengesetz mit seinen größeren Spielräumen für die Länder und den danach möglichen "Qualitätskontrollen" an den einzelnen Hochschulen ist hierfür der richtige Ansatz.

Allerdings muß auch der ständigen Überfüllung der deutschen Hochschulen endlich mit dem Prinzip "Klasse statt Masse" entgegengewirkt werden. Diesbezüglich fordert die Deutsche Burschenschaft eine wirkliche Stärkung des Abiturs bis zur Wiederaufwertung als echten Nachweis der Hochschulreife, sodaß dies zur natürlichen Reduzierung der aufgeblähten Studentenzahlen an den deutschen Universitäten beiträgt.

Das Abitur muß allgemeinbildenden Charakter haben. Deutsch, zwei Fremdsprachen, Mathematik, ein naturwissenschaftliches Fach, Geschichte, Sport, Kunst oder Musik, Religion oder Ethik müssen verbindlich zum Abitur gehören. Hierzu sollte das "Kurssystem" zugunsten eines Systems von Pflichtfächern und einer bestimmten Anzahl von Wahlfächern abgeschafft werden (infolge der Reformen würden auch Hauptschul- und Realschulabschluß aufgewertet werden müssen, um einen qualifizierten Einstieg in die Berufsausbildung zu ermöglichen).

Anstatt das Abitur für breitere Schichten durch eine Verminderung der Anforderungen zugänglich zu machen, würden sachgerechte Leistungsanforderungen in Verbindung mit dem beschriebenen Fächerkanon zu einer leistungsmäßigen - und damit natürlichen - Verminderung der Studentenzahlen an den Hochschulen und Universitäten führen.

Dies würde auch die viel diskutierten Studiengebühren erübrigen, deren Verbot die Deutsche Burschenschaft kategorisch fordert! Studiengebühren würden unweigerlich zur sozialen Auslese anstatt zur eigentlich wünschenswerten leistungsmäßigen Verminderung der Studentenzahlen führen. Denn: Finanziell schwächer gestellte Studenten, die parallel zu ihrem Studium noch arbeiten müssen, würden durch Studiengebühren doppelt benachteiligt werden.

Anstatt Studiengebühren fordert die Deutsche Burschenschaft die Vereinfachung der BAFöG-Regelungen, einschließlich des Beantragungsweges. Sie fordert bei der Berechnung des BAFöG-Satzes eine stärkere Berücksichtigung der Geschwister, die sich auch in der Ausbildung befinden. Weiterhin fordert die Deutsche Burschenschaft höhere, an die BAFöG-Sätze angepaßte Steuerfreibeträge für Eltern von Studenten, die kein BAFöG empfangen, um einen sozial gerechten Ausgleich zu schaffen. Auch wäre es für die Zukunft wünschenswert, wenn in die Diskussion um Reformvorhaben auf dem Gebiet des Hochschulwesens die großen studentischen Dachverbände von den Regierenden in Bund und Ländern einbezogen würden.


Quelle:
Karsten Rausch, Berliner Burschenschaft der Märker
Pressereferent der Deutschen Burschenschaft

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