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Der Burschenschafterturm

Der Burschenschafterturm im Jahre 2000
Der Burschenschafterturm im Jahre 2000
Der Burschenschafterturm im Jahre 1915
Der Burschenschafterturm im Jahre 1915

Unter dem Eindruck der zahlreichen Feldzüge Napoleons gegen Österreich entstand der Plan, Linz zu einer befestigten Stadt zur Verteidigung der Westgrenze der Monarchie auszubauen.

In den Jahren 1828 bis 1837 wurden unter Leitung von Erzherzog Maximilian von Österreich-Este 32 befestigte Wehrtürme rund um Linz erbaut; davon sind heute nur noch 9 Türme erhalten. Der Burschenschafterturm liegt am rechten Donauufer an der Straße Linz-Passau, etwa 3 km vom Linzer Hauptplatz in Richtung Passau.

1915 beschlossen die Burschenschaften der deutschen Hochschulen der österreichisch-ungarischen Monarchie die Errichtung eines Ehrenmales für die gefallenen Burschenschafter. 1917 wurde der stark verwahrloste Wehrturm durch Dr. Karl Beurle, Abgeordneter zum Reichsrat, erworben und mit Hilfe von Spenden die Instandsetzung begonnen. Dr. Beurle hat mit Recht die Wahl des Standortes Linz nachdrücklich vertreten, da Linz für die Burschenschaft stets eine hohe Bedeutung hatte. In Linz formulierte der Burschenschafter Georg von Schönerer sein politisches Programm. Hier wurde im Mai 1889 die Einigung der deutsch-österreichischen Burschenschaft erzielt, der "Linzer Delegierten-Convent" geschaffen. Bis 1893 fanden in Linz Burschentage statt, anlässlich des fünften, am 20. Mai 1893, wurde eine Ehrentafel an dem Hause angebracht, in dem der Dichter August Daniel von Binzer ("Wir hatten gebauet..." und "Frei ist der Bursch...") die letzten Lebensjahre zugebracht hat. Die Erinnerungstafel ist noch heute an dem Haus an der Promenade zu sehen. 1907 wurde in Linz die Burschenschaft der Ostmark gegründet.

Der 1. Weltkrieg, die Zerschlagung der Monarchie und die nachfolgende Inflation setzten den weiteren Ausbauplänen vorerst ein Ende. Ab 1926 begann die Wiederinstandsetzung und Ausgestaltung, die im Oktober 1932 ihren festlichen Abschluß in einer würdigen Eröffnungsfeier fand. 1945 wurde der Turm als "deutsches Eigentum" beschlagnahmt und erst 1957 gelang nach einem komplizierten Gerichtsverfahren die Rückgabe in den Besitz der früheren grundbücherlichen Eigentümerin, der Vereinigung Alter Burschenschafter (VAB) Wien, die den Burschenschafterturm 1989 in das Eigentum der VAB Oberösterreich zu Linz übertragen hat. In den Jahren 1957 bis 1977 wurde die äußere Instandsetzung - der Turm war in der Zwischenzeit unter Denkmalschutz gestellt worden - und die Innenausgestaltung neu in Angriff genommen und wurden in drei Geschossen Gedenkräume der Deutschen Burschenschaft eingerichtet.

Gedenkraum für die im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallenen Burschenschafter

Gedenkraum im Burschenschafterturm
Gedenkraum im Burschenschafterturm

Ein Fresko mit der Darstellung des Sturmes von kriegsfreiwilligen Studentenregimentern auf Langemark im November 1914 erinnert an die Gefallenen des 1. Weltkrieges. Zur Erinnerung an die Gefallenen, Vermissten und Vertriebenen des 2. Weltkrieges wurde eine Marmortafel angebracht mit einem von Verbandsbruder Bruno Westermeier verfaßten Gedenkspruch: "Gefallen - vermisst - an Wunden gestorben - vertrieben - erschlagen - in Lagern verdorben - für Heimat und Volk - weil sie Deutsche waren - so haben ihr Leben vieltausend gegeben".

Gedenkraum für die im Ersten und Zweiten Weltkrieg verlorenen Hochschulen

Als Folge des 1. und 2. Weltkrieges sind 11 deutsche Hochschulen verloren gegangen (1919: Czernowitz, Dorpat, Riga, Straßburg, 1945: Breslau, Brünn, Danzig, Königsberg, Przibram/Pribans, Prag und Tetschen). Für jede dieser Hochschulen wurde ein Keramikwandbild angefertigt, das ein besonders charakteristisches Gebäude der betreffenden Hochschulstadt zeigt. Den Mittelpunkt dieses Raumes bildet eine ca. 2x3 Meter große Wandkarte über die früher und heute (1972) bestehenden deutschen Hochschulen.

Gedenkraum für die Deutsche Burschenschaft

Gedenkraum im Burschenschafterturm
Gedenkraum im Burschenschafterturm
Der Burschenschafterturm im Jahre 1932
Der Burschenschafterturm im Jahre 1932
Der Burschenschafterturm im Jahre 1932
Der Burschenschafterturm im Jahre 1932

Dieser Raum ist ausschließlich der Deutschen Burschenschaft gewidmet. Die Stirnwand zeigt Kopien des Wappens und der Fahne der Urburschenschaft und die Schwarz-Rot-Goldene Burschenschafterfahne, die aus der Fahne der Urburschenschaft entstanden ist. Wandbilder zeigen Ausschnitte aus der Geschichte der Deutschen Burschenschaft, Bilder von ihren Gedenkstätten und von den Hochschulen Mitteldeutschlands, von denen die burschenschaftliche Bewegung ihren Ausgang genommen hat. Von besonderem ideellen Wert ist die Originalfahne mit ca. 150 Burschenbändern der Mitgliedsburschenschaften vom "Einigungsburschentag" 1922 in Salzburg, an dem die Deutsche Burschenschaft und die Burschenschaft der Ostmark den 1919 in Eisenach vollzogenen Zusammenschluß feierlich bekräftigten. Auch der deutschen Burschenschaften in Chile wird in diesem Raum durch eine Urkunde gedacht.

Irrwege und Tragik unseres Volkes in den letzten Jahrzehnten werden widergespiegelt durch die Inschriften, die der Turm im Laufe seiner Geschichte trug: 1932: "Ein Volk, ein Reich", ein Anliegen in der Tradition der deutchen Einheits- und Freiheitsbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen, am 12.03.1938, wird der Burschenschafterturm dem Einfluß des damaligen Eigentümers, der VaB Wien, entzogen. Am 20. April 1939, dem 50. Geburtstag Adolf Hitlers, wurde die Aufschrift um die unhistorische Ergänzung "ein Führer" erweitert. Vom Gau Oberdonau erhielt Hitler damals als Geschenk einen Stahlschnitt , mit dem "Anschlussturm" als Motiv. 1945 wurde jegliche Aufschrift entfernt.

1989/90 und 2001/02 wurde der Burschenschafterturm bzw. dessen Inventar unter großem finanziellen Aufwand mit Hilfe der akademischen Burschenschaften in Österreich und mit Hilfe der Deutschen Burschenschaft und des VVAB/DB restauriert. Bei dieser Gelegenheit wurden auch 30 Portraits wichtiger burschenschaftlicher Persönlichkeiten und von Nobelpreisträgern, die Burschenschafter waren, angebracht.

So stellt sich heute der Turm als Mahnmal für die Gefallenen beider Weltkriege dar, als Museum burschenschaftlicher Geschichte und burschenschaftlichen Gedankengutes und als Erinnerungsstätte daran, daß es über Grenzen und die Einzelstaatlichkeit hinaus ein geistiges Band gibt, welches den gesamten deutschen Volks- und Kulturraum umfaßt.