50. Stiftungsfest der Dresdener Burschenschaft Salamandria

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03.09.2016


Ein halbes Jahrhundert ist die Dresdener Burschenschaft Salamandria nun alt. Welch freudiger Anlaß, den Lebensbund zu feiern, den unsere Gründungsburschen im Untergrund schwuren und den wir heut' erneuern!

Die Ausrichtung unseres runden Geburtstags war die erste Gelegenheit der jungen Aktivitas sich zu beweisen. Über 120 Gäste aus 25 Verbindungen Deutschlands und Österreichs nahmen an unserem großen Tag teil und für diese unglaubliche Bestätigung in der alteingesessenen Korporationsszene und der Deutschen Burschenschaft möchten wir uns zu Beginn recht herzlich bedanken.
Der "Welpenschutz" war aufgebraucht und wer hätte mit erhobenem Kopf zurück nach Dresden fahren können, wenn es ein Reinfall geworden wäre? Zumal eine so einzigartige Kulisse für die Austragung festgelegt worden war.

Die Rudelsburg, die sonst Symboliken des Kösener-Senioren-Convents-Verbands zieren, trug diese Woche die Farben Deutschlands und unserer lieben Salamandria. Als "DDR"-Gründung und Teil der Rudelsburger Allianz haben die Salamander hier nämlich auch schon lange ihre Wurzeln geschlagen und somit kein Verlangen gespürt, sich in Zurückhaltung zu üben.
Begonnen wurde mit einem rauschenden Begrüßungsabend im Berggaststätte "Himmelreich" mit Blick auf Burg und Tal, in dessen Fortgang weiterer Zuwachs unserer stetig wachsenden Verbindung verkündet werden konnte.

Unserem Sprecher war jedoch an diesem Abend keine feucht-fröhliche Nacht vergönnt, denn er stand am Folgetag vor seiner ersten Tiefpartie, der generell ersten auf das Salamanderband. Gefochten wurde im Herzen der Rudelsburg, dem Rittersaal. Die Partie wurde erfolgreich ausgepaukt und zog, so daß dem am Abend anstehenden Kommers unter Leitung des Paukanten nichts mehr im Weg stand.

Im Anschluß folgten die Salamander und ihre Gäste dem Ruf auf die Burg Saaleck mit festlichem Programm, Jagdhornbläsern und Wildbret. Unser Dank gilt unseren lieben Bundesbrüdern, die die Versammelten mit ihren Vorträgen begleiteten. So wurde zum Beispiel über das Rathenau-Attentat – besser gesagt über die beiden Attentäter, die sich auf Burg Saaleck versteckt hielten – referiert.
Als besondere Einlage zu diesem Stiftungsfest war ein Salutschießen vor der Rudelsburg vorgesehen. Fünf Schüsse sollten es sein – jeder Schuß 10 Jahre der Burschenschaft Salamandria symbolisierend! Jeder dieser fünf Schüsse sollte aus einer Kanone des Königlich-polnischen churfürstlich-sächsischen Artillerieregiments "Aus dem Winkel" unter dem Kommando des Geschützführers Dr. Axel Hirmer abgefeuert werden.
In gelöster Atmosphäre und mit dem Lied auf den Lippen, das uns das ganze Wochenende begleitet hatte – Dort Saaleck, hier die Rudelsburg – begann der Einlaß in den Festsaal. Es sollte ein Kommers voller wertvoller und treffender Redebeiträge werden, mit gutem Bier und musikalischer Untermalung.

Im Zuge der Rede unseres Sprechers wurde die vermeintliche Freiheit, die uns nach der innerdeutschen Wende zuteil wurde, analysiert. Schon 1966 traten die Salamander im kommunistisch besetzten Dresden für wahre Freiheit ein und ersehnten sie 1989 mit dem Fall der Mauer. 27 Jahre später herrschen immer noch Denkverbote und offener Rechtsbruch durch staatliche Entscheidungsorgane. Die Anwendung politischer Repression ist das Mittel der Wahl, um den wachsenden Unmut aufzuhalten. Anstatt dem Willen des Volkes Gestaltung und Form zu verleihen, wird sein Austausch betrieben und die großen Medienhäuser applaudieren derweil brav oder schäumen wahlweise, wenn der naivste aus ihrer Mitte ruft: "Der Kaiser ist nackt!"

In einer Debatte, in der jedes Wort Gewicht hat und die Deutungshoheit über Worte und Ereignisse erstritten werden muß, waren wir sehr froh, Publizist und Verleger Götz Kubitschek als Festredner gewinnen zu können.
Er lieferte wie gewohnt eine konkrete Bestandsaufnahme der politischen Strömungen unserer Zeit und auch eine Warnung. Kubitschek sprach von Bewegungsmomenten, in denen es sich entscheidet, ob man den schmalen Grat verläßt, strauchelt und in die politische Bedeutungslosigkeit fällt oder den bereits eingeschlagenen Weg fortsetzt, trotz aller Widrigkeiten. Man findet sich in einer Vorstellung der politischen Welt als Theatergraben wieder. Die Bühne ist schmal und abschüssig und wer auf ihr tanzen will, muß es nach ihren Regeln tun, denn das Publikum will sie am Ende fallen sehen. Es ist wichtig sich selbst als Akteur zu begreifen und sich der Verantwortung zu stellen, denn im politischen Raum muß jede Möglichkeit gestaltend wahrgenommen werden, ohne dabei den nachfolgenden Aktiven Steine in den Weg zu legen.

Kubitschek ließ nie ein Gefühl von Hilflosigkeit aufkommen. So gibt es jene, die Brücken bauen und Wege ebnen, ihn verbreitern für die, die folgen werden. Fruchtbarer Boden für die Veränderung des Denkbaren und des Machbaren. Es mag dem geneigten Betrachter erscheinen, daß das neue konservative Lager wie durch ein Prisma fällt und alles möglich wird, alles was opportun und was revolutionär ist, was wohlgefällig und was nötig ist.

Auch andere stiegen ein mit ihren Gastreden, junge Akademiker, die ihre Rolle längst erkannt haben. Sie seien hier als Versatzstücke gewürdigt, mit der perfekten Verzahnung in Bildung, Wissenschaft und Politik. Sie besitzen die nötigen Kapazitäten dafür, die klaffenden Löcher zu schließen, die der Zeitgeist reißt.
Sehr zur Freude unserer Aktivitas wohnten auch noch zwei Gründungsburschen unserer lieben Salamandria dem rauschenden Fest bei und berichteten von den Anfängen des "Salamander-Clubs". Gespickt mit zahlreichen Anekdoten zeichnete unser Altherrensprecher noch einmal den außergewöhnlichen Weg der Salamandria und ihres noch jungen Aktivenbetriebs auf.

Nachdem sich die Chargierten ihren Weg durch die eng gestellten Reihen der Festcorona gebahnt hatten, stachen wir noch gemeinsam den Landesvater. Dieser dauerte zur Freude und Überraschung aufgrund der regen Teilnahme über eine Stunde und gab dem Fest einen würdigen Abschluß.
Wir erlauben uns nach dem Ausklang dieses rauschenden 50. Stiftungsfests der Dresdener Burschenschaft Salamandria zu hoffen, daß man an ihr sehen möge, wohin es mit dem Verband der Deutschen Burschenschaft geht, und zwar nach oben!

Martin Bader (Salamandria Dresden 2015/16)