Barbarischer Anschlag auf Burschenschaftsdenkmal und Langemarck-Gedenkstätte

You must either specify a string src or a File object.
Kategorie:


Böse Überraschung vor dem Pfingstwochenende: In der Nacht auf Freitag, den 13. Mai, hatten offenkundig linksextreme Täter das Portal des Burschenschaftsdenkmals auf der Göpelskuppe mit Farbbeuteln beworfen und die Langemarck-Gedenkstätte für die gefallenen Burschenschafter mit Schmierereien geschändet. Das Staatsschutz-Kommissariat 4 der Kriminalpolizeiinspektion Gotha ermittelt wegen politisch motivierter Sachbeschädigung. Die Schändung des Gefallenen-Ehrenmals erfüllt darüber hinaus den Straftatbestand der Störung der Totenruhe.

Nicht nur die infantilen Parolen ("Burschis Boxen" [sic], "Keine Opfer sondern Täter"), die zusammen mit feministischen Symbolen in Großbuchstaben mit rosa Sprühfarbe auf den Wänden, Schriftreliefs und Gedenktafeln von Denkmal und Ehrenhof angebracht worden waren, verweisen eindeutig in das linksextreme Milieu. Am Tatort wurde überdies ein Faltblatt gefunden, das für eine burschenschaftsfeindliche Vortragsveranstaltung wirbt.

Diese fand – kaum zufällig – am Abend vor der Entdeckung der Schmierereien im Eisenacher Wahlkreisbüro der Linken-Landtagsabgeordneten Kati Engel statt, zugleich Stützpunkt des Bündnis gegen Rechtsextremismus Eisenach (RosaLuxx), statt. Mitveranstalter ist das Wahlkreisbüro der Grünen-Abgeordneten Madeleine Henfling; Referent war Rüdiger Bender (Die Grünen). Nicht unwahrscheinlich also, daß die Auftaktveranstaltung der Vortragsreihe – ein zweiter Termin fand am 17. Mai im Seebacher Clubhaus statt –, die unter dem Titel "Rassistisch/Sexistisch/Elitär – Ein kritischer Blick auf die Deutsche Burschenschaft" auch gegen den angeblichen "Sexismus" der Burschenschaft agitierte, linksextreme Chaoten zu diesem Akt des Vandalismus ermuntert hat.

Sowohl die Deutsche Burschenschaft als auch der Denkmalerhaltungsverein Eisenach e.V. (DEV) verurteilten die Tat mit scharfen Stellungnahmen. Die Deutsche Burschenschaft, die in ihrer Mitteilung auch den Fund des inkriminierenden Flugblatts zu der linksgrünen Mobilisierungsveranstaltung aufgedeckt hatte, bezeichnete es als "besonders erschreckend", daß die Denkmalschändung durch die "feigen, haßerfüllten Chaoten" mit der Verunstaltung von Vorhof und Ehrenmal auch das Gedenken an die gefallenen und ermordeten Burschenschafter zu entweihen versuchte.

Der Vorsitzende des Denkmalerhaltungsvereins, Vbr. Thomas Mayer-Steudte (Normannia Heidelberg), bezeichnete den Farbanschlag als "barbarischen Angriff auf das nationale Kulturerbe und auf die Identität Eisenachs". Das Burschenschaftsdenkmal stehe "nicht nur für Einheit und Freiheit in Deutschland, es ist auch ein bei Bürgern und Touristen gleichermaßen beliebtes Wahrzeichen der Stadt", erklärte der DEV-Vorsitzende. Zahlreiche Eisenacher Bürger engagierten sich im Denkmalerhaltungsverein dafür, das Denkmal zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der DEV erwarte deshalb von der Politik in Stadt und Land ein klares Zeichen der Verurteilung für diesen nicht hinnehmbaren Akt des Vandalismus.

Die Deutsche Burschenschaft forderte "die thüringische Landesregierung dazu auf, das Kulturerbe des Landes vor Vandalismus zu schützen und dem gewaltbereiten politischen Extremismus entschieden entgegenzutreten. Weiterhin fordern wir das Bündnis gegen Rechtsextremismus Eisenach, das Abgeordnetenbüro Madeleine Hänfling sowie Rüdiger Bender explizit dazu auf, sich von der Schandtat der feigen Täter zu distanzieren", heißt es in der Pressemitteilung des Dachverbands vom 13. Mai.

Meinungsterror müsse auf die entschiedene Zurückweisung durch alle Demokraten treffen, bekräftigte der DEV-Vorsitzende Thomas Mayer-Steudte. Von der Denkmalschändung zur offenen Gewalt gegen Personen sei der Weg nicht weit, wie die von den Tätern hinterlassenen Parolen und Gewaltaufrufe nahelegten. Gerade wer mit einer Veranstaltungsreihe pauschal Stimmung gegen Burschenschafter mache, sei gefordert, sich ohne Wenn und Aber von den Gewalttätern zu distanzieren.

Die Angesprochenen zeigten sich erwartbar uneinsichtig und verstockt. Während des Burschentages wurde der Druck daher noch erhöht: Eine Woche nach dem Anschlag versammelten sich junge aktive Burschenschafter vor dem Büro der Linken-Abgeordneten Kati Engel und forderten sie mit einem Transparent dazu auf, sich von der Gewalt gegen das Kulturdenkmal zu distanzieren. Für demokratische Politiker wäre das eine Selbstverständlichkeit; Engel und Henfling freilich dachten nicht daran und beschwerten sich lediglich, sie würden "in verleumderischer Art und Weise" mit der Sachbeschädigung in Verbindung gebracht.

Politische Rückendeckung kam dagegen von der Thüringer Landtagsfraktion der Alternative für Deutschland (AfD). Deren Vorsitzender Björn Höcke forderte Engel ebenfalls auf, sich von der Sachbeschädigung zu distanzieren. Es sei "töricht", von "einem Zufall zwischen der Vortragsveranstaltung und dem Farbanschlag" auszugehen: "Es sind immer die gleichen Personen, die Schwierigkeiten damit haben, sich glaubhaft und konsequent von linksextremistischen Personen und Taten zu distanzieren", erklärte Höcke in einer Mitteilung.

Sollte es die Absicht der Denkmalschänder gewesen sein, die Feierlichkeiten im Verlauf des Burschentages zu beeinträchtigen, so ist diese Rechnung allerdings nicht aufgegangen. Lediglich am Tag nach der Tat war das Denkmal wegen der Ermittlungen der Kriminalbeamten mehrere Stunden lang für die Öffentlichkeit gesperrt – auch ein Fährtensuchhund kam zum Einsatz, um den Tätern auf die Spur zu kommen.

Nach Freigabe des Tatorts durch die Kriminalpolizei hatte Vbr. Dipl.-Ing. Peter Lohse (Thuringia Braunschweig), Denkmalwart des DEV, noch am Pfingstwochenende die Weichen gestellt, um die Beseitigung der Schmierereien sofort nach den Feiertagen in Angriff zu nehmen. Die auf die Sanierung denkmalgeschützter Bauten spezialisierte regionale Firma, mit der der Denkmalerhaltungsverein zusammenarbeitet, hatte rechtzeitig vor dem Burschentag die Langemarck-Gedenkstätte vollständig gereinigt, so daß das traditionelle Totengedenken im gewohnt würdigen – und unverschandelten – Rahmen stattfinden konnte.

Die Beseitigung der Farbschmierereien im Eingangsbereich des Denkmals erfordert dagegen mehr Zeit; da die Farbbeutel teilweise relativ hoch geworfen worden waren, muß mit einem Gerüst gearbeitet werden. Aufwendig sind die Reinigungsarbeiten durch die poröse Oberflächenstruktur des verwendeten Travertin- und Muschelkalk-Natursteins. Die besonderen Eigenschaften dieses Materials verbieten auch die Anbringung einer Schutzschicht gegen Farbschmierereien, da eine solche Beschichtung dem Stein durch Luftabschluß schaden könnte.

Die Sanierungskosten werden einen fünfstelligen Euro-Betrag beanspruchen. Eine erste Spendensammlung auf dem Burschentag für die Beseitigung der Schäden durch die Verschandelung des Denkmals hat dazu bereits über 1.200 Euro beigetragen. Unabhängig von dem vorbildlichen Engagement der Verbandsbrüder wird der Denkmalerhaltungsverein die Täter für den entstandenen Schaden in Regreß nehmen, sollten diese ermittelt werden. Um die Aussichten darauf zu verbessern, haben Deutsche Burschenschaft und Denkmalerhaltungsverein gemeinsam eine Belohnung in Höhe von 5.000 Euro für Hinweise ausgelobt, die zur Ergreifung der Täter führen. Den Betrag teilen sich beide je zur Hälfte.

Noch vor Abschluß des Burschentags informierten aktive Burschenschafter mit einer Flugblattaktion die Eisenacher Bevölkerung über den Anschlag und die von DEV und Deutscher Burschenschaft ausgesetzte Belohnung. Auch damit setzt die Burschenschaft ein weiteres unmißverständliches Zeichen, daß sie sich weder durch Meinungsterror noch durch extremistische Gewalt ihre Heimat in der Wartburgstadt streitig machen läßt.

Michael Paulwitz
(Normannia Heidelberg 1999)