Der Burschenschaft allzeit zu Diensten – Die VAB Eisenach von der Gründung bis zur deutschen Teilung

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Auszug aus der Rede von Vbr. Dr. Dr. Lönnecker, gehalten bei der 125-Jahr-Feier der VAB Eisenach am 5. März 2016.

In Eisenach gab es stets Burschenschafter, vor allem Mitglieder der Jenaischen Burschenschaft. Dabei spielte eine große Rolle, daß die Eisenacher Georgenkirche für die zahlreichen Predigtamtskandidaten bzw. Vikare im Großherzogtum Sachsen(-Weimar-Eisenach) Ausbildungsstation war, ebenso Amts- und Landgericht für die juristischen Referendare, das Gymnasium bzw. Realgymnasium für die angehenden Pädagogen. Gymnasiallehrer, Ärzte, Pfarrer, Richter und Rechtsanwälte bildeten im Verlauf des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den „harten Kern“ burschenschaftlichen Lebens in Eisenach. Dazu kamen zahlreiche Pensionäre, darunter etwa der niederdeutsche Schriftsteller Fritz Reuter (1810–1874), der seit 1863 in Eisenach lebte, oder Staatsrat Karl Julius Schambach (1836–1920), Alter Herr Teutonia Jenas, Hauptverantwortlicher für den Ausbau des Eisenbahnnetzes in Thüringen. Eisenach war eine beliebte Ruhestandsstadt, wo es sich leben ließ. Zahlreiche eigens errichtete Villen geben darüber Auskunft, gerade auch bei der Anfahrt zum Burschenschaftsdenkmal sind sie rechts und links der Straße zu sehen.

Um 1820 gab es wohl einen burschenschaftlichen Stammtisch, aus den Jahren 1832, 1844, 1848/49, 1861 und 1871 sind ähnliche Zusammenschlüsse belegt, doch hatten sie kaum Kontinuität, bestanden vielfach nur, wenn Aktive in den Ferien zu Hause waren. Diese wie die ehemaligen Burschenschafter hatten aber sicherlich einen gewissen Einfluß auf Gymnasiasten aus Eisenach und Umgebung, die sie für die Burschenschaft begeisterten. Bereits der Jenaischen Urburschenschaft gehörte der Theologiestudent Georg Friedrich Hanitsch (1790–1865) aus Großensee bei Eisenach an. Er vertonte 1815 Ernst Moritz Arndts „Sind wir vereint zur guten Stunde, wir echter deutscher Männerchor“, das Bundeslied der Burschenschaft, welches eines der zentralen und meistgesungenen burschenschaftlichen Lieder wurde, schon von Zeitgenossen als „Zutreiber zur Burschenschaft“ bezeichnet. Nach Abschluß seines Studiums wirkte er seit Herbst 1815 50 Jahre in Eisenberg i. Thür. als Lehrer und Kantor an der Bürgerschule und war 1827 an der Gründung des Felderschen Gesangvereins beteiligt. Am 25. und 26. Mai 1836 richtete er in Eisenberg das 2. Osterländer Sängerfest aus. Der in der Sängerbewegung als einer der wesentlichen Säulen der deutschen Nationalbewegung engagierte Hanitsch spielte dort eine wichtige Rolle und blieb der Burschenschaft stets eng verbunden, Mitte August 1865 war er bei der 50-Jahr-Feier der Jenaischen Burschenschaft anwesend. Als Lehrer gewann – „keilte“ – er etliche seiner Schüler für die Burschenschaft, zeitlebens pflegte er enge Beziehungen nach Eisenach und konnte auch viele Familienmitglieder für die Burschenschaft gewinnen.

Das war auch der Fall bei seinem Vetter Johann Gustav Stickel (1805–1896), dessen Geburts- und Schulort Eisenach war, und den der 15 Jahre ältere Hanitsch vielleicht für die Burschenschaft begeisterte. Seit 1822 gehörte der Theologie und alte Sprachen studierende Stickel der Jenaischen Burschenschaft an, promovierte und habilitierte in Jena, 1827 wurde er Privatdozent. Auf Grund der Förderung Goethes reiste er 1828/29 nach Paris und besuchte die École speciale des langues orientales, 1830 wurde er außerordentlicher Professor der Theologie in Jena, 1836 ordentlicher Honorarprofessor. 1839 wechselte Stickel in die Philosophische Fakultät und wurde außerordentlicher Professor für orientalische Sprachen, 1840 Gründer und 1843 Direktor des orientalischen Münzkabinetts in Weimar. Auch Stickel feierte 1865 das 50. Stiftungsfest der Jenaischen Burschenschaft mit, 1892 war er es, der als ältester Professor Bismarck bei seinem Jena-Besuch im Namen der Universität begrüßte. Selbst heute ist Stickel noch von Bedeutung, an verschiedenen Universitäten gibt es Forschungsprojekte, die sich mit ihm befassen: er ist der Begründer der islamischen Numismatik, nach wie vor grundlegend für die Geschichte des Islams im Mittelalter.

Neben den aus Eisenach stammenden und hierher Beziehungen unterhaltenden Burschenschaftern kamen diejenigen, die sich vor allem aus beruflichen Gründen dort niederließen. Einer von ihnen war der Gymnasiallehrer Prof. Dr. Rudolf Flex (1855–1918), seit 1874 der Jenaischen Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller zugehörig, heute vor allem bekannt durch seinen Sohn, den Schriftsteller und Erlanger Bubenreuther Walter Flex (1887–1917). Der Vater war ein engagierter Burschenschafter und schrieb 1898 selbst von seinem „allerste[n] Interesse für alles Dasjenige [...], was mit der Burschenschaft in Zusammenhang steht“. Rudolf Flex war in zahlreiche burschenschaftliche Institutionen eingebunden, er war Eisenacher Vertrauensmann der Burschenschaftlichen Historischen Kommission, der heutigen Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung, sowie wesentlich beteiligt und treibende Kraft beim Bau des Burschenschaftsdenkmals, welches es ohne ihn nicht geben würde. Fast 30 Jahre lang diente Rudolf Flex der VAB Eisenach in verschiedenen Funktionen, fast immer im Vorstand, davon fast zwei Jahrzehnte als Vorsitzender. Aber nicht nur das, er ist der maßgebliche Gründer der VAB Eisenach.

Flex war befreundet mit dem bereits erwähnten Theobald Fischer, jedes Jahr besuchte man sich, kam zu den Burschentagen zusammen und pflegte einen umfangreichen Schriftverkehr. Wahrscheinlich hat Fischer, 1887 Mitgründer der VAB Marburg und 1890 des Verbands der Vereinigungen Alter Burschenschafter, Flex inspiriert, der am 28. Juni 1891 nach Marburg schrieb:

"Hierdurch teile ich Ihnen als dem derzeitigen Schriftführer im geschäftsführenden Ausschuß der Vereinigung alter Burschenschafter mit, daß es mir gelungen ist am 12. Juni [1891], dem Stiftungstag der Jenenser Burschenschaft, hier in Eisenach, der alten Burschenschaftsstadt, endlich eine Ortsgruppe obengenannter Vereinigung zu begründen. Dieselbe wird sich voraussichtlich einer sehr zahlreichen Beteiligung erfreuen, denn dem ersten Rufe meinerseits waren 26 alte Herren von den verschiedensten Burschenschaften und aus den verschiedensten Jahrzehnten (1840–1890) gefolgt.

Am 12. Juni fand zunächst eine kurze Versammlung statt, in welcher die Begründung eines Ortsverbandes einstimmig beschlossen wurde und von welcher folgende Herren in den Ausschuß gewählt wurden:
Herr Professor Dr. O. Schmidt (Teutonia Jena) 1. Vorsitzender
Herr Dr. Göpfert (Germania Jena) Kassenwart
Herr Dr. Flex (Arminia Jena) Schriftwart [...]"

In den folgenden Jahrzehnten hatte die VAB meist zwischen 30 und 50 Mitgliedern, wobei stets die von Arminia, Germania und Teutonia Jena weit überwogen. Da die VAB auch Eisenachs Umgebung umfaßte, gab es auch Mitglieder in Creuzburg, Gerstungen, Farnroda, Ruhla, Dankmarshausen, Kaltennordheim, Lengsfeld, Ostheim, Grisa usw., sogar aus Obersuhl in Hessen erfolgte Zuspruch. Hinzu traten Ehrenmitglieder wie Geheimer Hofrat Prof. Dr. Herman Haupt (1854–1935) in Gießen, Landgerichtsrat Dr. Georg Heer (1860–1945) in Marburg und Prof. Dr. Paul Wentzcke (1879–1960) in Frankfurt a. M., die Begründer der burschenschaftlichen Geschichtsforschung. Daß die Ehrenmitgliedschaft nach 1933 trotz mehrfachem Antrags nicht dem DB-Führer Otto Schwab (1889–1959) verliehen wurde, wohl aber Dr. Karl Hoppmann (1888–1968), Vorsitzender der Altherrenschaft Germania-Straßburg Frankfurts bzw. Tübingen, zugleich Führer der 1933 von der Deutschen Burschenschaft abgespaltenen, vornehmlich weiße und waffenstudentisch orientierte Burschenschaften umfassenden Alten Burschenschaft, gibt einen Eindruck von der politischen Verortung der VAB. Sie war wohl vor allem nationalliberal und konservativ orientiert, einmal, 1898, mußte sogar eine Zusammenkunft ausfallen, weil etliche Mitglieder im Reichstagswahlkampf engagiert waren. Sonst lassen sich jedoch politische Präferenzen nur schwerlich erkennen, als Organisation äußerte sich die VAB in dieser Hinsicht niemals.

Zweck der bereits vor 1903 als eingetragener Verein geführten VAB war gemäß ihrer ältesten überlieferten Satzung aus dem folgenden Jahr die

"Belebung und Betätigung des burschenschaftlichen Geistes unter den alten Burschenschaftern, Pflege der Beziehung zu den jüngeren Burschenschaftern, Unterstützung derselben in ihren Bestrebungen, unsere studierende Jugend zu tüchtigen, charakterfesten Männern heranzubilden, denen die Liebe zum Vaterlande, zu Kaiser und Reich allezeit die Richtschnur des Handelns bleibt. Parteiwesen und Politik sind von der Vereinigung alter Burschenschafter streng ausgeschlossen."

Was bedeutete das konkret, was trieb die VAB Eisenach um? Auf ihren Stellenwert bei der Errichtung des Burschenschaftsdenkmals wurde 2002 bei dessen 100-Jahr-Feier ausführlich eingegangen. Kurz: ohne die VAB Eisenach würde es das Denkmal nicht geben, den Burschenschaftsdenkmal-Verein trug im wesentlichen die VAB, seine Vorstandsmitglieder kamen fast immer aus ihren Reihen, schließlich waren sie vor Ort. Das gilt auch für das Burschenhaus: Bereits 1899 erscheint die Idee, neben dem Denkmal ein „Burschenhaus“ (auch: Berghof) als Tagungsstätte für die Burschenschaften zu errichten. Im ersten Entwurf für das Denkmal war dies berücksichtigt, doch ließen die Kosten einen Bau vorerst nicht zu. Baupolizeilich wurde das Burschenhaus bereits Ende 1902 genehmigt und dem Burschentag dieses Jahres lag ein Antrag des Burschenschaftsdenkmal-Vereins vor, jede Burschenschaft möge mindestens 1.000,– Mark für das Burschenhaus zeichnen. Das war nicht durchzusetzen. Der Verein verlor den Plan jedoch niemals aus den Augen – die VAB Eisenach insistierte etwa 1906 und 1907 ausdrücklich – und ab der Jahreswende 1911/12 wurde er in Angriff genommen. Wie beim Denkmal erstellte der Architekt Wilhelm Kreis (1873–1955), ein Sängerschafter, die Pläne, 1913 wurde der Grundstein gelegt, der Bau allerdings durch den Krieg unterbrochen und erst 1921/22 die Arbeiten abgeschlossen. Kurz darauf wurde der Restaurationsbetrieb aufgenommen, 1931 der Eingangsbereich umgestaltet und 1934 der weitere Ausbau geplant. Zur Ausführung gelangte dies jedoch nicht mehr.

Neben diesen großen Projekten gab es zahlreiche kleinere. 1910 war die VAB Eisenach an der Errichtung des Ausschusses für Leibesübungen der Deutschen Burschenschaft beteiligt, seit 1919 wurden auch Mitglieder von Burschenschaften an Technischen Hochschulen aufgenommen, die vereinzelt bereits seit der Gründung 1891 zugelassen worden waren. Die 1921 erfolgte Gründung des "Wirtschaftsverbands Alter Burschenschafter" und der "Stellenvermittlung und Berufsberatung der Deutschen Burschenschaft" wurde von VAB-Mitgliedern maßgeblich beeinflußt. Ebenso Ende 1930 die Gründung der "Akademischen Fliegerabteilung Deutscher Burschenschafter e. V. (Akaflieg)", deren Flugplatz Zierenberg bei Kassel die VAB durch größere Spenden und jährliche Besuche unterstützte.

Neben monatlichen offiziellen und wöchentlichen inoffiziellen, dienstags 20.00 Uhr stattfindenden Zusammenkünften – "Farben-Abenden" – im Hotel Zimmermann, vormals Gröller, am Karlsplatz 2 tagte man auch außerhalb, im Juni, Juli und August zuweilen in den Gärten der Mitglieder, dann auch am Burschenschaftsdenkmal, wofür vor dem Bau des Burschenhauses eigens Tische, Stühle und „Atzung“ auf die Göpelskuppe geschafft wurden. Aber auch schon 1896 findet sich die bis heute in wohl jeder VAB immer wieder gehörte Klage, „das Interesse könnte im Ganzen bei so manchem alten Herrn etwas größer sein“. Meist kamen zu den VAB-Abenden zwischen einem Dutzend und 25 Alte Herren. Auf der Kneipe wurde aus den Burschenschaftlichen Blättern vorgelesen und über burschenschaftliche Themen debattiert, aber auch "über Gott und die Welt" gesprochen. Als Grundlage und zum Nachschlagen gab es seit 1902 sogar eine kleine Bibliothek mit burschenschaftlicher Literatur, die bei Zimmermann in einem eigenen Bücherschrank aufbewahrt wurde.

Zu Kommersen und studentischen Kneipen traten früh Gedenktage und Veranstaltungen mit Damen, meist Ehefrauen und Töchter, die Anfang der 1920er Jahre – wahrscheinlich nach Marburger Muster – die "Damen-Vereinigung der V.A.B. Eisenach" bildeten. Bereits seit den 1890er Jahren etablierten sich zwei Festtage, zu denen der Besuch besonders stark ausfiel, der Reichsgründungstag am 18. Januar und der Stiftungstag am 12. Juni, meist mit Kommers und Sommerfest begangen, zu denen auch Aktive vor allem aus Jena anreisten. Diese, oft aus Eisenach stammenden Burschenschafter nahmen in den Semesterferien vielfach an VAB-Veranstaltungen teil, waren dort "wohl gelitten und gern gesehen", vor allem von den Töchtern der Alten Herren. In der Rückschau erschien es einem alten Burschenschafter 1953 so, als seien vornehmlich die Sommerfeste in vielen Fällen auch eine Art "Heiratsmarkt" gewesen, jedenfalls gab es "da häufig Gelegenheit zum Verlieben und Verloben". Andererseits besuchten die Aktiven die VAB gern, waren die Söhne der Alten Herren doch allesamt potentielle künftige Burschenschafter.

Das Festprogramm der Burschentage mit Kommers, Festzug, Bummel und Ausflug wurde zwischen 1892 und 1935 stets von der VAB geplant und durchgeführt, zeitweise bestand dafür ein eigener "Vergnügungs-Ausschuß", der dem entsprechenden der Deutschen Burschenschaft offiziell beigeordnet, zumeist aber federführend war. Den Höhepunkt bildete die große Feier aus Anlaß des 110. Jahrestags des Wartburgfests 1927, zu der 5.000 Burschenschafter nach Eisenach kamen. Die 100-Jahr-Feier 1917 war auf Grund des Krieges hingegen nur im kleinen Rahmen begangen worden.

Nach 1933 ist kaum mehr etwas über das Leben der VAB bekannt, nach 1935 und selbst nach Kriegsbeginn gab es wöchentliche oder vierzehntägliche Treffen. Sie wurden selbst nach 1945 fortgesetzt, doch nahm die Zahl der VAB-Mitglieder kontinuierlich ab, immer mehr gingen in den Westen. Begründet lag der Schwund nicht nur in politischer Differenz und an mangelnden Aussichten der Juristen, Lehrer und Ingenieure, sondern vor allem in der Zukunft der Kinder, deren Chancen auf Abitur und Zulassung zum Studium in der die bürgerlichen Schichten diskriminierenden SBZ und "DDR" zunehmend geringer wurden. Im Grunde blieben nur die Pfarrer, Ärzte und Ruheständler, die VAB kam auf den "Aussterbeetat", traf sich aber mindestens noch bis um 1960.

In der Nachkriegszeit ist es vor allem ein VAB-Mitglied, an das die Erinnerung ungebrochen ist und bis heute gepflegt wird: Otto Costabell (1879–1973). Geboren in Gerstungen in der Nähe Eisenachs, besuchte er dort das Realgymnasium und studierte ab 1898 in Jena Staatswissenschaften. Zugleich schloß er sich der Burschenschaft Arminia an. 1906 zum Dr. phil. promoviert, wurde Costabell sachsen-weimarischer Finanzbeamter und im Großherzogtum vielfach versetzt, 1909 kandidierte er erfolglos für die Konservative Partei zum Landtag. Nach dem Ersten Weltkrieg wechselte er in die Industrie und wurde Geschäftsführer des neugegründeten Arbeitsgeberverbands Eisenach, Ruhla und Meiningen. Außerdem engagierte er sich für die rechtsliberale Deutsche Volkspartei bis zu deren Auflösung 1933, saß zwischen 1919 und 1934 im Eisenacher Stadtrat. Vorsitzender der VAB war Costabell 1917 bis 1942, seit 1923 war er auch Vorsitzender des Burschenschaftsdenkmal-Vereins. Die Erweiterung und der Ausbau des Geländes, Um- und Anbau des Burschenhauses und der Terrasse gehen auf ihn zurück, ebenso war er führend an der Errichtung des 1932 eingeweihten Denkmals für die gefallenen Burschenschafter des Ersten Weltkriegs beteiligt. Maßgeblich organisierte er 1927 die 110-Jahr-Feier des Wartburgfests, und Costabell war es, der nach der Auflösung der Deutschen Burschenschaft am 17. Oktober 1935 die Fahne der Jenaischen Urburschenschaft sicherte, verwahrte und für ihre Rückführung nach Jena sorgte. Nach der Auflösung des Arbeitgeberverbands 1941 Leiter eines Zeiss-Werks in Gera, kehrte Costabell nach dem Krieg nach Eisenach zurück. Als er von den neuen Herren aufgefordert wurde, den Burschenschaftsdenkmal-Verein zu liquidieren und das Denkmal dem SED-Staat zu übergeben, gab er zu Protokoll, dies würde niemals geschehen. Ganz ähnlich – und drastischer – äußerte sich ein anderes VAB-Mitglied, der Arzt Dr. Hans Schaefer (1892–1989), Alter Herr Dresdensia Leipzigs und letzter Vorsitzender des Burschenschaftsdenkmal-Vereins. Folglich konnten sich weder SBZ noch "DDR" das Vermögen des Vereins aneignen, ein wesentlicher Umstand, der den Burschenschaften nach 1990 die Rückerstattung von Denkmal und Burschenhaus ermöglichte. Im Grunde verdanken wir es der Standhaftigkeit und Unbeirrbarkeit der VAB- und Denkmalvereins-Vorsitzenden Costabell und Schaefer, daß wir heute hier tagen können.

PD Dr. Dr. Harald Lönnecker

Unser Autor Verbandsbruder PD Dr. Dr. Harald Lönnecker, geboren 1963, Alter Herr Normannia-Leipzig zu Marburg, Normannia Leipzig, Germania Kassel, Ghibellinia zu Prag in Saarbrücken (EM) sowie S! Normannia-Danzig Braunschweig (EM), studierte Geschichte, Rechtswissenschaft, Evangelische Theologie, Geographie, Volkskunde, Lateinische Philologie und Germanistik in Marburg, Gießen, Heidelberg, Freiburg i. Br. und Frankfurt a. M. Er promovierte 1989 zum Dr. phil. mit einer Arbeit über das spätmittelalterliche Notariat, dann zum Dr. iur. mit einem vereinsrechtlichen Thema. An das Referendariat schlossen sich Tätigkeiten beim Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr in Freiburg i. Br. und bei der Konrad-Adenauer-Stiftung an. Seit 1995 ist er im Bundesarchiv tätig, erst in Frankfurt a. M., dann in Koblenz, wo er das Archiv und die Bücherei der Deutschen Burschenschaft leitet. Er ist Vorstands- und Beiratsmitglied der Stiftung Dokumentations- und Forschungszentrum des deutschen Chorwesens – Sängermuseum Feuchtwangen und der Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte e. V. (GDS), Mitherausgeber des „GDS-Archivs für Hochschul- und Studentengeschichte“ und der „Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im 19. und 20. Jahrhundert“, Kurator der Stiftung deutsche Studentengeschichte (SDS) sowie des Instituts für deutsche Studentengeschichte(IDS) an der Universität Paderborn. Nach der Habilitation wurde er 2015 zum Privatdozenten am Institut für Europäische Geschichte der Technischen Universität Chemnitz ernannt. Er trat mit zahlreichen Veröffentlichungen zur Geschichte von Universität und Studenten hervor.