3 Fragen an …

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… Herwig Nachtmann (Brixia Innsbruck), Schriftleiter der Burschenschaftlichen Blätter von 2005 bis 2008.

BBl: Sie waren von 2005 bis 2008 als Schriftleiter der Burschenschaftlichen Blätter sehr nahe am Verband und seinen Mitgliedsbünden. Was war rückblickend für Sie das bedeutendste Ereignis in der jüngeren burschenschaftlichen Vergangenheit?

Nachtmann: Entgegen der Politik in Bonn/Berlin und Wien gab es, aus dem Volk kommend, Ereignisse, die dem burschenschaftlichen Geist entsprechen und für das deutsche Volk grundsätzliche Bedeutung hatten und haben: Ich denke an den 17. Juni 1953, dem Aufstand der Deutschen gegen Fremdherrschaft sowjetischer Prägung. Ich denke an die Rückkehr der Saar im Jahr 1955, als entgegen der Zielsetzung von Konrad Adenauer die Saarländer sich für die Rückkehr zu Deutschland aussprachen. Burschenschafter nahmen auf dieses Ereignis sehr positiven Einfluß, weit über ihre zahlenmäßige Bedeutung hinaus.

Ich denke an den Mauerbau ab 21. August 1961 in Berlin durch die kommunistischen Schergen. Bei Fluchtunternehmen aus Berlin–Ost in den Westen haben sich Burschenschafter beteiligt, was leider viel zu wenig dokumentiert ist. Ich denke an den Südtiroler Freiheitskampf der Jahre 1961 und folgende. Es galt, die italienischen Umvolkungspolitik in Deutsch–Südtirol in die Schranken zu weisen. Zahlreiche Burschenschafter aus Bünden in der Bundesrepublik und Österreichs haben sich daran beteiligt. Sie haben zum Teil herausragende Fakten gesetzt und mußten in diesem Zusammenhang viel Verfolgung ertragen.

Ich denke an den Zerfall des Kommunismus und der „DDR“, als die Herrschenden in Bonn und (Ost–)Berlin an der sogenannten „Zwei–Staaten–Politik“ festhalten wollten, die Menschen in Mitteldeutschland jedoch Widerstand leisteten. Die Losung „Wir sind d a s Volk!“ wurde zu „Wir sind e i n Volk!“ gesteigert. Damit wurde die Wiedervereinigung auch für die Politköpfe in Bonn unumgänglich.

BBl: Welches Engagement wünschen Sie sich von einem Burschenschafter?

Nachtmann: Die Forderungen der Urburschenschaft sind auch nach 200 Jahren aktuell. Es geht dabei sowohl um Demokratie und Freiheitsrechte als auch um den in den Satzungen der deutschen Burschenschaften nach wie vor verankerten volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff, welcher nicht nur im Einklang mit der europäischen Wertordnung steht, sondern eine geradezu denklogische Folge dieser Wertordnung darstellt. Wer ethnische und kulturelle Minderheiten für eine Bereicherung des Gastvolkes hält, darf sich nicht wundern, wenn auch für die Identität des Gastvolkes Rechtschutz beansprucht wird. Daß die politische Umsetzung solcher Grundwerte im 21. Jahrhundert nicht wie im 19. Jahrhundert auf Basis reiner Nationalstaaten verwirklicht und umgesetzt werden kann, sondern im Rahmen der EU und im Rahmen völkerrechtlich anerkannter Grundrechte zu geschehen hat, versteht sich von selbst. Weder der romanische noch der faschistische Nationsbegriff bieten dafür einen tauglichen Lösungsansatz. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß es sich bei der Zugehörigkeit zu einem Volk nicht nur um eine staatspolitische Größenordnung, sondern um eine sprachlich– kulturelle und somit grenzüberschreitende Zusammengehörigkeit handelt, was im Übrigen im vollen Einklang mit der deutschen Rechtsordnung steht, wo zum Beispiel im Vertriebenengesetz genau diese Kriterien als Voraussetzung für eine Rücksiedlung gefordert werden. Von einem Burschenschafter wünsche ich mir daher, daß er sich nicht nur für die Rechte seines politischen Staatsvolkes interessiert, sondern – über den staatspolitischen Tellerrand hinausblickend – sich auch für die Interessen der gesamten deutschen Kultur– und Sprachnation interessiert und einsetzt. Daß man dabei sehr oft in Gegensatz zu den Herrschenden steht und mit Gegenwind in Form von Verleumdung und Hetze zu rechnen ist, muß in Kauf genommen werden. Wer Burschenschafter sein will, darf nicht kleinmütig werden oder sein, sondern muß sich dieser Hetze stellen und Verbündete suchen.

BBl: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Deutschen Burschenschaft?

Nachtmann: Die Burschenschaft ist eine idealistische und altruistische Bewegung. Sie steht im Gegensatz zum Materialismus. Heute regiert dieser Materialismus und Egoismus wie nie zuvor. In Zeiten der „political correctness“ wird der Bürger entmündigt und zwangsweise durch Vorzensur – die ist weitergehend als unter Metternich – zum Schweigen gebracht. Wenn die turbokapitalistische Ausbeutung der Menschen durch das globale Finanzsystem mit derzeit schätzungsweise 900 Milliarden Euro „faulen“ Krediten der Banken und der aktuellen Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) in Höhe von 1,4 Billionen Euro zusammenbricht, müssen das wir Bürger zahlen. Ich wünsche mir, daß die abgefallenen Burschenschafter und Burschenschaften diese Verderbtheit erkennen und sich besinnen.

Herwig Nachtmann