Einige Anmerkungen zum Reformationsjubiläum

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Das Jahr 2017 bietet in verschiedener Hinsicht Anlaß, über Religion und Glauben und ihren Wert in der heutigen Zeit – nicht nur, aber auch für die Deutsche Burschenschaft – nachzusinnen. In diesem Jahr werden 500 Jahre Reformation begangen, zugleich gedenkt die Burschenschaft des ersten Wartburgfests vor 200 Jahren im Oktober 1817. Beides hängt miteinander zusammen, insofern ja das Wartburgfest auch eine Feier des 300-jährigen Reformationsjubiläums darstellt.

Zudem erschienen in demselben Jahr 1817 95 Thesen des protestantischen Theologen Claus Harms, die sich in Anlehnung an Luther kritisch mit den neueren Entwicklungen des Protestantismus beschäftigten: näher hin den Folgen von Aufklärung und Rationalismus für die protestantische Theologie, des Weiteren der Annäherung von Lutheranern und Reformierten. Zwischen beiden Grundströmungen hatte es bekanntlich schon zu Luthers Lebzeiten nicht unbeträchtliche Differenzen gegeben.
Es würde zu weit führen, auf diese en détail einzugehen; indes betreffen die Unterschiede beispielsweise die Sakramenten-, die "Abendmahls"- und die Gnadenlehre. Luther und Zwingli führten seinerzeit vor allem um die Anwesenheit Christi in Brot und Wein einen erbitterten Streit, in dem Luther sich sogar eher geneigt sah, sich auf die Seite des Papstes zu stellen denn diejenige Zwinglis. Auf Zwingli in Zürich folgte Calvin in Genf, der über die Schweiz hinaus einen größeren theologischen Einfluß auf die sog. Reformierten gehabt haben dürfte.

Harms war nicht der letzte lutherische Theologe, der ein solches Jubiläum zum Anlaß nahm, eigene Thesen zu entwerfen. 100 Jahre später war es im Jahr 1917 der lutherische Pastor Heinrich Hansen, welcher wiederum 95 Thesen unter dem Titel Stimuli et clavi (Spieße und Nägel, in Anlehnung an eine Textstelle im Buch Kohelet im Alten Testament) veröffentlichte, die allerdings nicht nur zeitgeistige Erscheinungen im Protestantismus kritisierten, wie zuvor Harms, sondern den gesamten Protestantismus einer Grundsatzkritik unterzogen. So heißt es beispielsweise, der Protestantismus habe keinen Grund, Jubiläen zu feiern, aber dazu, Buße zu tun, und weiter, die Reformation habe einen Teufel ausgetrieben, aber sieben neue eingelassen. Eine Reformation sei nötig, aber die stattgefundene verfehlt gewesen. Der Individualismus und Subjektivismus sei ein Grundübel des Protestantismus.

In der Tat muß gefragt werden, ob man von einer einheitlichen "Reformation" überhaupt sprechen könne, wenn doch von Beginn an unter den einzelnen Strömungen (von Luther, Zwingli, Calvin, aber auch weiteren, von Luther dann als "Schwarmgeister" bezeichneten Impulsgebern her) eklatante Unterschiede und Unvereinbarkeiten bestanden. So gibt es "den Protestantismus" eher nur als rein negative Kategorie, die darin besteht, eben nicht "römisch-katholisch" zu sein. Gemeinsam ist all diesen Strömungen (wie auch einigen spätmittelalterlichen zuvor) die Wendung gegen die hergebrachte Auffassung einer hierarchischen Kirche mit dem römischen Bischof an der Spitze, mit geweihten Amtsträgern, der sog. Apostolischen Sukzession (also der ununterbrochenen Weihelinie über die Generationen hinweg seit der Urkirche bzw. seit den von Christus eingesetzten Aposteln) und sieben Sakramenten. Bei Luther waren es derer immerhin noch drei: Taufe, "Abendmahl" (eigentlich Eucharistie) und Beichte – diese fiel im lutherischen Kontext erst später weg und ist eigentlich nie vollumfänglich verworfen worden, anders als in den "reformierten" Strömungen. Ebenso kann Luther noch als Verehrer Mariens gelten.

Es wäre Aufgabe dieses "Jubiläumsjahres" – wie es Hansen schon 1917 sah – die Frage nach dem wirklichen Ertrag der Reformation(en) des 16. Jahrhunderts zu stellen. Dies geschieht bekanntlich so gut wie gar nicht. Stattdessen wird Luther abermals zum Wegbereiter der Moderne stilisiert, was er nun weithin nicht war. Vielmehr war er – ebenso wie Calvin – ein scharfer Gegner der "modernen" Ansätze seiner Zeit (Renaissance, Humanismus) – mit gewissem Recht.
Hingegen scheint mir ein Grundproblem allerdings tatsächlich eine gewisse Selbstüberschätzung der Reformatoren zu sein, die das Kind mit dem Bade ausschütteten. Ein Beispiel ist Luthers Haltung zu den Erkenntnissen des Kopernikus. Diesem warf er vor, die ganze Astronomie umzukehren, denn schließlich sei in der Heiligen Schrift (im Buch Josua wird ein "Sonnenstillstand" geschildert) davon die Rede, daß die Sonne still stehe, nicht die Erde – woraus Luther schloß, daß sie sich also grundsätzlich bewege, und nicht die Erde. Daß es sich hier um eine Schilderung aus einer Zeit handelt, als man in der Tat dachte, die Erde sei das astronomische Zentrum des Alls, und „perspektivische“ Darstellungen durch diejenigen, die das Erlebte aufschrieben, durchaus legitim sein können, war Luther anscheinend nicht einsichtig. Dabei sprechen wir ja noch heute, da unsere astronomischen Kenntnisse weit über die von Kopernikus, Kepler und Galilei hinausgehen, von Sonnenauf- und -untergang. Und im Sinne der Relativitätstheorie wäre die Angelegenheit hier ohnedies weniger eng zu sehen.

Ein weiterer Aspekt ist das arg pessimistische Menschenbild der Reformatoren, das in gewisser Weise einem humanistischen Optimismus entgegenstand, diesem aber, wohl, weil es sich nicht durchhalten läßt, seit der Aufklärung gewichen ist, so daß der moderne Protestantismus tatsächlich fortschrittsoptimistisch ist, wenn nicht gelegentlich, so in einem falsch verstandenen Ökologismus oder im Rahmen eines doch sehr protestantischen deutschen Schuldkults, der Pessimismus und die Selbstanklage wieder Einzug halten. Der deutsche Nachkriegsschuldprotestantismus ist in gewisser Weise eine Verkehrung des deutschen Messianismus der NS-nahen "Deutschen Christen". Hier kehrte das, was Luther als "Schwärmerei" abtat, durchaus wieder. Der Fortschrittswahn aber bleibt, wenn die EKD sich für die Gender-Ideologie oder für Multikulturalismus einsetzt.

Die Bibelübersetzung Luthers allein, welche nicht frei von seinen eigenen theologischen Auslegungen ist ("allein durch Glauben"), kann nicht hinreichend sein für das diesjährige Jubiläum, zumal es bereits zuvor deutschsprachige Übersetzungen gegeben hatte und der Erfolg der Lutherausgabe sich nicht zuletzt auch den seit Einführung des Buchdrucks bestehenden Möglichkeiten verdankte. Es ist mitnichten so, daß hier "das Volk", zuvor jahrhundertelang angeblich dumm gehalten, auf einmal selbst nachforschen konnte. Wer nicht lesen kann, dem nützt auch ein Text in der eigenen Sprache nichts, und nur, weil ich einen Text lesen kann, verstehe ich noch längst nicht seinen Inhalt. Des Weiteren war Luther ganz und gar kein Apologet des "einfachen Volkes".

Die vier "Soli" (allein durch Gnade, allein Christus, allein durch Glauben, allein die Schrift), welche Luther vertrat, wären sowieso einer kritischen Prüfung zu unterziehen, da sie theologisch schlichtweg defizitär sind: Gnade erfordert Antwort, zu Christus gehört auch die gesamte Dreifaltigkeit samt Vater und Heiligem Geist, zum Glauben auch die Tugenden der Hoffnung und der Liebe (und insofern auch die Werke aus dem Glauben und der Liebe), und die Bibel ist eine Schriftensammlung des Gottesvolks, d. h. Israels und der Kirche, und das Christentum lebt vom Glauben an den menschgewordenen Gottessohn, wovon die Schrift als Zeugnis der Kirche, der Gemeinde, kündet, und ist eben nicht eigentlich eine "Buchreligion". Mit einer solchen Sichtweise aber würde, und das ist im strukturell ebenso defizitären Protestantismus ja auch dann so gekommen, die Lehre dem interpretativen Gutdünken des Einzelnen unterstellt.

Ausgangspunkt der Kritik Luthers war damals gerade der mißbräuchliche Ablaßhandel gewesen – es sollte an dieser Stelle noch klargestellt werden, daß Luther allerdings den Ablaß nicht per se verwarf, wovon auch These 71 zeugt.

Als Burschenschafter gleich welcher Konfession, gleich welcher Haltung zum Glauben überhaupt sollten wir im 200. Jahr des sehr protestantisch ausgerichteten Wartburgfests indes zur Kenntnis nehmen, daß auch damals "schwarmgeistige" Ideen, angereichert durch Aspekte des Deutschen Idealismus, eine große Rolle spielten. Wir sollten uns fragen, ob es angemessen sei, kritiklos diese konfessionell einseitige, dabei aber dem Phänomen Luther/Reformation aufgrund der zeitgeistigen Verzerrung nur bedingt gerecht werdenden Form des Gedenkens zu übernehmen. Denn die Aufklärung und der Rationalismus samt ihrer Begleiterscheinungen (die zuweilen ins komplette Gegenteil umschlagen können, wie das schon die Geschichte der Aufklärung beispielsweise im Frankreich des 18. Jahrhunderts zeigt) hatten sich bereits ausgewirkt, wogegen sich ja in demselben Jahr, wie gesagt, die Thesen Harms' wandten.

Auch sollten wir uns fragen, ob es denn angemessen gewesen sei, als Ausdruck des Protests gegen einen damals verfestigten Absolutismus ausgerechnet denjenigen Mann auf den Schild zu heben, nämlich eben Luther, der seinerzeit den Fürsten einen "Freischein" erteilt und die geistlichen Belange ebenfalls der weltlichen Gewalt unterstellt hatte. Übrigens galt dieser "Freischein" auch für die Bekämpfung der in sozialer (nicht theologischer) Hinsicht wohl durchaus berechtigten Bauernaufstände. Seine Zwei-Reiche-Lehre scheint mir die hergebrachte Zwei-Schwerter-Lehre zu sprengen – ebenso wie die damaligen "schwärmerischen" Strömungen andersherum am liebsten gleich das Reich Gottes auf Erden mit Gewalt erzwungen hätten (Wiedertäufer in Münster, in gewisser Weise wohl aber auch Calvin in Genf). Diese Bewegungen hatten Vorläufer u. a. in den Albigensern des 12. Jahrhunderts.

Des Weiteren zeigt die Entwicklung seit dem frühen 19. Jahrhundert, daß die These Oswald Spenglers im zweiten Band von Der Untergang des Abendlandes (1922) ihre Berechtigung hat, wonach damalige idealistische Forderungen nach Pressefreiheit und anderen Freiheiten und Rechten, die ja auch von der frühen Burschenschaft erhoben wurden, letztlich überholt wurden durch diejenigen, welche sich diese Forderungen politisch, ökonomisch und ideologisch nutzbar machen konnten. Aber das ist eine Frage, die das hier behandelte Thema nur am Rande berührt.

Indes hat Pastor Hansen mit seinen Stimuli et clavi also die Kritik Harms' an den genannten aufklärerischen Einflüssen im Protestantismus weit hinter sich gelassen und das Übel bereits an der Wurzel, im 16. Jahrhundert, gesehen. Seine Thesen gelten als Ursprung der "hochkirchlichen" Bewegung, einer Strömung im neuesten Protestantismus, welche die sieben Sakramente, die apostolische Sukzession, die Marien- und Heiligenverehrung und ein hierarchisches Kirchenbild vertritt. Eine Anerkennung des römischen Bischofs als Oberhaupt der Weltkirche ist damit nicht zwingend impliziert. In Deutschland existieren heute unterschiedliche, meist sehr kleine Gruppierungen dieser Art. Meines Erachtens aber gehört ihnen im Bereich des Protestantismus die Zukunft.

Allerdings werden sie in der öffentlichen Diskussion in diesem Jahr und über das Erbe der Reformation oder ihre Aktualität so gut wie nicht thematisiert. Man hält sich mit Oberflächendebatten – wie der schon genannten über die vermeintliche Modernität Luthers, aber auch einer solchen über seinen Antijudaismus, der den damals "üblichen" durchaus übertraf – auf. Es bleibt angesichts des allfälligen Diktats einer diffusen "politischen Korrektheit", die auch stark unser Geschichtsbild beeinflußt, somit nur die Möglichkeit, Luthers vermeintlich oder tatsächlich problematische Aspekte zu ignorieren, zu beschönigen oder aber zu verwerfen bzw. "darüber hinaus" zu denken. Aber eine Fortentwicklung seiner Lehre hat Luther nicht impliziert und wir wären dann weniger bei ihm denn bei Hegel – einer erstaunlicherweise so genannten "Luther-Renaissance" der 1920er Jahre (für die u. a. Paul Althaus und Werner Elert stehen dürften) zum Trotz. Friedrich Gogarten konnte sich daneben zeitgleich noch ernsthaft bemühen, das Luthertum zu aktualisieren, aber konnte auch dies später nicht mehr konsequent durchhalten – ebensowenig wie wohl heute sogenannte "altlutherische" Verbände wie die Selbständig Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK), in welcher in den vergangenen Jahren sogar über die Frauenordination diskutiert wurde, die Luther nun vehement ablehnte.

Also bleibt für den offiziellen Protestantismus und eine eher oberflächlich interessierte Öffentlichkeit nur ein schwaches Abziehbild eines Mannes, dessen innere Widersprüche ebenso die heutige Zeit überfordern dürften wie diejenigen seiner damaligen Zeit, auch in der damaligen theologischen Debatte, überhaupt.

Ein Wort zum Thema Frauenordination: Meines Erachtens hat die Reformation – im Ganzen bzw. in ihren Langzeitwirkungen – zu einer Maskulinisierung des Glaubens bzw. des Glaubenslebens und der kirchlichen Strukturen geführt. Wieso? Marien- und Heiligenverehrung und damit natürlich auch die der vielen weiblichen Heiligen wurden sukzessive zurückgedrängt, ebenso wurde das Bild von der Kirche als der makellosen Braut Christi (mit Maria als Urbild) geschwächt oder schlicht ausgemerzt. Damit verlor das Weibliche seine Bedeutung, das Männliche, in verbürgerlichter Weise, gewann die Oberhand. Das Gleichgewicht der Geschlechter ist möglicherweise auch und gerade aus diesen Gründen in der Neuzeit so sehr ins Wanken geraten. Der Feminismus ist laut Erik von Kuehnelt-Leddihn (1909-1999) eine Erscheinung vornehmlich in protestantischem Kontext.
Zwar gibt es auch in der katholischen Kirche hier und da (aus theologisch-metaphorischen Gründen, auf die näher einzugehen hier allerdings den Rahmen sprengen würde) solche Strömungen und auch die Forderung nach der Weihe von Frauen, aber bei weitem nicht in derselben Bedeutung. Da die theologische und historische Bildung aber auch gerade in der hiesigen katholischen Kirche seit mehreren Jahrzehnten, auch unter manchen akademischen Theologen und zuweilen auch Amtsträgern, rapide schwindet, dürfte die Tendenz hier steigend sein.

Wir haben es in beiden großen Konfessionen in den deutschsprachigen Ländern mit einer nahezu unerhörten Staats- und Zeitgeistnähe zu tun. Davon zeugen nicht nur die erwähnten Eskapaden der EKD (Gender, Multikulturalismus usf.), sondern auch, daß der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, mittlerweile mehr als Sprecher der Merkel-Regierung und deren Migrationspolitik auftritt denn als Hirte. Ähnliches gilt für den Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Um so trauriger stimmen solche Befunde, wenn man bedenkt, daß beide als Kardinäle zum engeren Umkreis des Papstes in bezug auf das Bistum Rom selbst gehören. Und auch Rom selbst ist, wie aktuelle Streitigkeiten um das Schreiben des Papstes zur Lehre über die Ehe zeigen, in Aufregung geraten, wozu wiederum der genannte Kardinal Marx, aber auch der emeritierte deutsche Kurienkardinal Walter Kasper beitragen.

Die Staatsnähe in strukturellen, theologischen wie politischen Belangen läßt sich recht einfach, zumindest partiell, mit dem staatlichen Kirchensteuersystem erklären. Schon im 19. Jahrhundert hatte der preußische Staat, nicht erst mit Bismarck, versucht, auch die katholische Kirche an die kurze Leine zu legen. Der Widerstand war seinerzeit noch nennenswert gewesen. Heute, da indes immer noch die landesbezogenen Konkordate, aber auch das Reichskonkordat von 1933 gelten, ist er es kaum noch.
Es gibt wenige Bischöfe und sonstige Amtsträger, die sich in aller Öffentlichkeit deutlich gegen die heutigen Verquickungen und gegen die Unterstützung beispielsweise der unverantwortlichen Migrationspolitik der Bundesregierung durch die „offiziellen Kirchen“ wenden – so der Direktor des Wallfahrtsorts Maria Vesperbild im Bistum Augsburg, Prälat Wilhelm Imkamp, welcher im vergangenen Februar davon sprach, die Kirchen seien Teil einer "Basta-Republik" geworden. Leider drängt sich hier insgesamt der von Oswald Spengler in Jahre der Entscheidung (mit Blick auf das Einknicken eines Teils des französischen Klerus vor dem Druck der Revolution) gebrauchte Begriff des "Priesterpöbels" auf.

Oasen und Inseln finden sich indes in den zahlreichen geistlichen Gemeinschaften hier und da, unterschiedlichen Typus', die vor allem auch junge Menschen anziehen.

Kommen wir abschließend zu einem weiteren Jubiläum in diesem Jahr, das ich auch wirklich als solches betrachte: im Jahre 1917 erschien, so sagt man, portugiesischen Kindern im Orte Fatima Maria, die Mutter Christi. Als katholischer Christ bin ich geneigt, eher diese Ereignisse zu feiern und über die damals, noch mitten in der Zeit des verheerendsten Krieges, welchen die Menschheit bis dahin gesehen hatte, allerdings ganz am Rande des Geschehens, ausgesagten "Prophezeiungen" nachzusinnen, als das quasi öffentlich verordnete "Reformationsjubiläum" zu begehen.
Dies allerdings setzt voraus, das Diktat des modernen Weltbildes, das sich für naturwissenschaftlich hält und dabei doch meist nur einer fragwürdigen, "rationalistischen" Philosophie (mittlerweile auch in der katholischen Kirche) folgt, hinter sich zu lassen und sich auf den Anruf eines liebenden Gottes einzulassen, der sein eigenes Wort in die Welt gesandt hat als seinen Sohn und diesen für uns hingegeben hat. Und der uns allerlei "Hilfeleistungen" zuteilwerden läßt, beispielsweise durch Ereignisse wie in Fatima.

Insofern bleibt mir abschließend nur, deutlich zu sagen: Ja, Religion hat nach wie vor ihre Bedeutung – mit Blick auf die Nöte unserer Zeit, auf die Nöte des Einzelnen, mit Blick darauf, daß wir uns einer religiös motivierten Bedrohung in Gestalt des radikalen Islams gegenüber sehen, und mit Blick darauf, daß unsere gesamte Kultur von Grundlagen zehrt, die mit religiösen Impulsen, und zwar christlichen, zu tun haben; für uns als Burschenschafter schon, weil sich die frühe Burschenschaft als christlich verstand. Über die Einzelheiten sollte nachgedacht und reflektiert werden. Wohlfeiles Jubilieren reicht dabei nicht aus. Dies zu verdeutlichen, ohne destruktiv wirken zu wollen, war auch einer der Gründe, diesen Artikel zu verfassen.

Marce Reese (Arminia a.d.B. Jena)