Interview mit Parlamentsrat Mag. Norbert Nemeth

Kategorie: Sonstiges


Götschober: Sehr geehrter Herr Vbr. Nemeth, Sie sind aktuell Klubdirektor des freiheitlichen Parlamentsklubs, Jurist, Autor, Alter Herr der Wiener pennalen Burschenschaft Vandalia und Alter Herr der Wiener akademischen Burschenschaft Olympia. In Ihrer Aktivzeit hatte Ihre Burschenschaft zwei Mal den Vorsitzen der Deutschen Burschenschaft inne. Welche Erfahrungen haben Sie aus Ihren Vorsitzjahren mitgenommen?

Nemeth: Meine Burschenschaft hatte während meiner Aktivzeit gleich zweimal den Vorsitz inne, das erste Mal im Geschäftsjahr 1989/90. Ich war damals am Beginn meines Studiums und erlebte den Burschentag in Berlin, der von meinem Bundesbruder Harald Stefan geleitet wurde, mit großem Interesse mit. Ich erinnere mich noch genau, daß das Klima im Verband damals sehr schlecht war. Die Tendenzen, die später zur Abspaltung der Neuen Deutschen Burschenschaft (NDB) geführt haben, erreichten damals ihren ersten Höhepunkt. Streitigkeiten über Statutenfragen, hinter denen sich in Wahrheit handfeste politische Konflikte verbargen, bestimmten die Beratungen.
Im Vergleich dazu verlief der Burschentag in Jena 1997 harmonisch. Damals war ich mit meinem Studium gerade fertig. Ich erinnere mich noch genau wie schwer es mir gefallen ist meine Sponsion zu verschieben um am Burschentag tätig sein zu können. Letztlich war es eine Freude für den Verband und somit für unsere große allgemeine Burschenschaft tätig sein zu dürfen. Auch wenn es das eine oder andere Mal mühsam war, am Ende hat es sich doch gelohnt einen Beitrag geleistet zu haben.

Götschober: Herr Verbandsbruder, Sie haben den historischen Roman Im Schatten des Gracchus geschrieben. Was hat Sie dazu bewogen?

Nemeth: Eigentlich hatte ich nicht vor ein Buch zu schreiben, schon gar nicht einen Roman. Das änderte sich aber, als ich vor etwa drei Jahren begonnen habe mich mit der Französischen Revolution und ihren zersetzenden Auswirkungen zu beschäftigen. Bald ist mir aufgefallen, daß vieles von dem ,was wir Waffenstudenten politisch ablehnen, dort seinen Anfang findet. Als ich dann auf die "Verschwörung für die Gleichheit" des Frühkommunisten François Noël Babeuf gestoßen bin, stand mein Entschluß fest, diesen Stoff in Romanform zum Leben zu erwecken.

Götschober: Eine zentrale Rolle in dem Buch spielt der Metternich-Vertraute Friedrich von Gentz. Was konkret hat er mit der Revolution zu tun?

Nemeth: Für mich als Burschenschafter ist Gentz eine historische Persönlichkeit von besonderem Interesse. Er war maßgeblich daran beteiligt, daß Napoleon nieder gerungen wurde und war 1815 der Sekretär des Wiener Kongresses. Die von ihm erdachte Nachkriegsordnung hielt bis zum ersten Weltkrieg. Auf der anderen Seite war er derjenige, der die Karlsbader Beschlüsse handschriftlich konzipiert und die Urburschenschaft scharf kritisiert und letztlich verboten hat.

Götschober: In jedem Roman gibt es aber auch fiktive Figuren. Im Gracchus ist das "der Leutnant", der eigentliche Held des Buches. Was ist seine Rolle?

Nemeth: "Der Leutnant" erhält von Gentz im Jahre 1811 den Auftrag zu recherchieren, ob es eine Verschwörung messianischer Sozialisten mit Sitz in Paris gibt. Er muß eine Reise in die Vergangenheit antreten auf der ihm die Geschichte des Babeuf, der am 27. Mai 1797 hingerichtet wurde, begegnet. "Der Leutnant" ist gewissermaßen der Katalysator auf dem sich die Gedankenwelt der Revolution und die der Restauration begegnen. Er trägt autobiographische Züge.

Götschober: Herr Verbandsbruder, planen Sie ein weiteres Buch?

Nemeth: Ja, einen Roman der im historischen Umfeld der Urburschenschaft in Jena spielt – aber mehr möchte ich noch nicht verraten.

Götschober: Zum Schluß verraten Sie uns bitte noch ein Geheimnis. Als Autor des Buches firmiert S. Coell. Warum dieses Pseudonym?

Nemeth: Es ist ein literarisches alter ego. Der Couleurname auf meiner Pennalie ist Sköll. Die Anlehnung daran ist eine kleine Liebeserklärung an meine pennale Burschenschaft Vandalia.

Götschober: Vielen Dank für das Gespräch.