XII. Bielefelder Ideenwerkstatt

Kategorie: Aus dem Burschenschaftlichen Leben


Bereits zum zwölften Mal veranstaltete die Burschenschaft Normannia-Nibelungen die Bielefelder Ideenwerkstatt. Unter dem Eindruck der weltweiten Migrationsbewegungen wurden am 5. und 6. November Staatstheorien und Souveränitätsfragen auf dem Verbindungshaus in der Schloßhofstraße 96 diskutiert. Dabei diente die bei der politischen Linken beliebte Parole "No border, no nation" als Aufhänger der Veranstaltung. Fünf Referenten gingen der Frage nach, welche Optionen und Zukunftsmodelle möglich sind.

Einleitend sprach der Philosoph Dr. Frank Lisson "Vom Wesen der Grenze und dem Verlangen sie zu überwinden". (Seinen Vortrag finden Sie auf Seite XXX in diesem Heft.)

Der niederländische Unternehmer Frank Karsten stellte das libertäre Projekt "Free Private Cities" vor. Karsten, Autor des Buches Wenn die Demokratie zusammenbricht, wolle sich nicht weiter auf den Staat verlassen, sondern lieber in einer effizienten und privat geregelten Gesellschaft leben. Seiner Vorstellung von einer "Privatisierung" der Regierung und des Zusammenlebens durch Vertragsregelungen konnte er jedoch nicht alle Zuhörer begeistern. Diesen radikal-libertären Ansatz begründete Karsten mit dem Versagen und der Überforderung der Staaten bei gleichzeitig immer weiter ausufernder Bürokratie. Seine These: "Markt statt Staat" löse sehr viele – wenn auch nicht alle – Probleme, denen sich Staaten und Gesellschaften heute stellen.

Für einen Verfassungspatriotismus warb hingegen der Schweizer Professor Dr. René Rhinow. Dabei betonte er auch die hohe Bedeutung des Staates als Solidargemeinschaft. Des Weiteren sehe er auch zukünftig keine tragfähige Alternative zu einem liberalen Nationalstaat. Rechtspopulistischen Positionen erteilte Rhinow dabei jedoch eine klare Absage. Seinem Schlußwort – einem abgewandeltem Zitat – stimmten die Zuhörer jedoch zu: "Im Nationalstaat muß beginnen, was leuchten soll in Europa und der Welt."

Die Herausforderungen und Ursachen der heutigen Massenmigration thematisierte Martin Sellner, Aktivist der Identitären Bewegung (IB) Österreichs. Es sind nicht die Armen die Richtung Europa, Nordamerika oder Australien auswanderten, so Sellner, sondern die Mittelschicht – denn sie verfüge über die nötigen Ressourcen. Dies führt zu einem Abfluß der Begabten, Motivierten und Jungen, die als Fachkräfte im eigenen Land zur Entwicklung beitragen könnten. "Europa betreibt Raubbau an den afrikanischen Gesellschaften, zerstört deren Bildungsinvestitionen und erzeugt eine Transferleistungsmentalität", kritisierte der IB-Aktivist und fügte an: "Die Heuchler von der Caritas und anderen Nichtregierungsorganisationen sind skrupellose Manager des Elends: mehr Einwanderer bedeutet für sie mehr Geld." Die Identitäre Bewegung hingegen fordere mehr Hilfe vor Ort, spreche sich für einen Zuwanderungsstopp aus und befürworte die Remigration. Zusammenfassend war Sellners Position klar: "Grenzen retten leben."

Abschließend referierte der Verleger des COMPACT-Magazins und linke Renegat Jürgen Elsässer – gespickt mit einigen persönlichen Anekdoten – über "Islam – Gefahr für Europa". Dabei blicke Elsässer aber auch auf die Rolle der US-amerkanischen Außenpolitik und deren Unterstützung für radikalislamische Gruppen. "Mein Glaube an die Treue zu Deutschland der hier lebenden Moslems hat sich aufgelöst", bekannte Elsässer, denn: "Die Loyalität der Moslems gilt dem Glauben und nicht dem Aufenthaltsland." Für einen "Brückenbau" zum Islam sehe der Publizist daher derzeit wenig Potential und gab – zur Erheiterung der Zuhörer – die Devise aus: "Eine Mittelmeer-Länge Abstand!"

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden Staatsmodelle, Begriffe und mögliche Zukunftsoptionen gemeinsam mit den knapp 100 Teilnehmern vertieft. "Viele Besucher lobten die gelungene Veranstaltung: hervorragenden Referenten, anspruchsvollen Diskussionen, familiäre Atmosphäre. Die Bielefelder Ideenwerkstatt war mal wieder bis auf den allerletzten Stehplatz gefüllt", freut sich die Burschenschaft. Zu den Protest – am Samstagmorgen demonstrierte ein "Bündnis gegen rechts" gegen die Bielefelder Ideenwerkstatt – teilte die Burschenschaft mit: "Jeder hat das Recht auf eine eigene und auch eine andere Meinung. Die Kritik von links und die Demonstration gegen die Veranstaltung sehen wir daher als Bestätigung unserer guten Arbeit. Angriffe und Sachbeschädigungen sind jedoch keine Option für politische Diskussionen." Im Vorfeld der Veranstaltung wurde das Haus der Burschenschaft Normannia-Nibelungen wiederholt mit Farbbeuteln verunstaltet.

Dirk Taphorn (Normannia-Nibelungen Bielefeld 2003/04)

Dirk Taphorn (Normannia-Nibelungen Bielefeld 2003/04)