Burschenschaftlicher Verein für nationale Minderheiten- und Volksgruppenrechte in Europa, e.V.

M. R. Dr. Bruno Burchhart (Wiener akad. Burschenschaft Olympia)

Der Burschenschaftliche Verein für nationale Minderheiten- und Volkstumsrechte in Europa (abge­kürzt „Volkstumsverein“) ist ein eingetragener rechtsfähiger Verein mit Sitz in Berlin, dem von der Behörde auch die Gemeinnützigkeit zuerkannt ist.

Satzungsgemäß ist es der Zweck des Vereines,

„die nationalen und internationalen Bemühungen um die Erhaltung, Vertiefung und Erhaltung von Rechten nationaler – insbesondere deutscher - Minderheiten und Volksgruppen in Europa zu unter­stützen und der Öffentlichkeit durch Aufklärung, durch Information, Dis-kussion und sonstige Maß­nahmen mit der studie­renden Jugend näher zu bringen, um dadurch einen Beitrag zur Förderung des Völkerverständigungsge­dankens zu leisten. Gleichzeitig soll der Verein mildtätige Maßnahmen, gem. § 53 AO, durchführen, um so den Verständigungsgedanken zu unterstützen“.

Burschenschafter aus den Reihen der Deutschen Burschenschaft haben diesen Volkstumsverein, der in Nachfolge der seinerzeitigen gleichnamigen Stiftung den genannten Zweck verfolgt, gegründet. Die Verknüpfung mit der Deutschen Burschenschaft ist ergibt sich daraus, dass der „Verein eine Organi­sation der Deutschen Burschenschaft ist“. -  Der Volkstumsverein ist auch in der Verfassung der DB  verankert, da der Obmann Mitglied im obersten Leitungsgremium der DB, dem Verbandsrat, ist und somit an dessen Entschei­dungen mitwirkt.

Der Volkstumsverein steht ideell auf dem Boden der Verfassung der Deutschen Burschenschaft, indem er Artikel 9, Abs. 2: „Pflicht der Burschenschaften ist das dauernde rechts-staatliche Wirken für die freie Entfal­tung deutschen Volkstums in enger Verbundenheit aller Teile des deutschen Volkes unabhängig von staatli­chen Grenzen in einem einigen Europa in der Gemeinschaft freier Völker“ operativ in die Tat umsetzt.

Auf dieser Grundlage ist die  Tätigkeit des  Volkstumsvereins Ausdruck der burschenschaftlichen Verbunden­heit mit allen Teilen des deutschen Volkes in Europa. Der damit verbundene zeitlos aktu­elle volkstums­bezogene Vaterlandsbegriff steht im Einklang mit dem Verständnis  vieler Völker in Europa: 

Deutsche Sprachgebiete vor 1945 und heute (gelb: Niederdeutsch, blau: Mitteldeutsch, grün: Oberdeutsch. Quelle: Wikipedia: Deutsche Dialekte

Die Angehörigen des deutschen Volkes siedeln so wie andere Völker in Europa in vielen Staaten. Man denke nur an die Magyaren, die nicht nur im Staat Ungarn die Mehrheit bilden, sondern die z. B. in Rumänien, in der Slowakei oder in Slowenien als verfassungsmäßig anerkannte autochthone Minder­heit leben.  Als Ange­hörige des magyarischen Volkes haben sie sogar vom ungarischen Staat das Wahlrecht für das ungarische Parlament erhalten. Ähnliche Verhältnisse gibt es auch für andere seit Generationen in einem bestimmten Gebiet beheimatete Völker in Europa: Italiener siedeln nicht nur in ihrem Mutterstaat, sondern auch z.B. in Slowenien. Slowenen siedeln nicht nur in ihrem Staat Slowenien, sondern auch z.B. in Italien, Österreich, Ungarn, etc. Bekannt sind auch die viele Volks­gruppen beherbergenden Staaten am Balkan, wo es nicht nur z.B. in Kroatien dreizehn verschiedene anerkannte  Volksgruppen- Minderheiten gibt, sondern  ebenso in Serbien und anderen Staaten. – Der `europäische Dachverband der autochthonen nationalen Minderheiten in Europa´, die FUEV, zählt in den 45 Staaten Europas 300 europäische Minderheiten, so dass jeder siebente Europäer einer Minderheit angehört. Von den 90 verschiedenen Sprachen in Europa sind 37 anerkannte Na­tionalsprachen.

 Durch die Auswirkungen der europäischen Geschichte, durch Grenzziehungen und andere histori­sche Ereig­nisse siedeln auch die Angehörigen des deutschen Volkes in vielen Staaten. Mit etwa 100 Millionen Angehö­rigen ist es das größte autochthone Volk in Europa und siedelt in fast allen europäi­schen Staaten. Außer den Binnendeutschen (wozu die  Mehrheitsbevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland, der Republik Öster­reich, Liechtenstein Luxemburg und größere Teile der Schweiz zählen) gibt es Deutsche als Volksgruppe in den europäischen Staaten Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Frankreich, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowe­nien, Tschechien, Ungarn sowie in Rußland und der Ukraine und anderen.

 Für alle diese Angehörigen des deutschen Volkes gelten die im Bundesvertriebenen-Gesetz der Bun­des­republik Deutschland, Artikel 6 angeführten Kriterien der Volkszugehörigkeit: deutsche Abstam­mung,  Sprache, Erziehung, Kultur.

Die aus dem ursprünglichen Reichsgebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation infolge Christia­nisierungs-Bestrebungen und/ oder dem Ruf der dortigen Zaren, Könige und Fürsten folgend in Richtung Ost- und Südost-Europa erfolgte Wanderung von Deutschen erklärt die breit gestreute Siedlung. Gab es in der Jahrtausende währenden monarchischen Ordnung eine weitgehend friedliche Durchdringung, so wurden 1918/19  durch die Friedensdiktate von St. Germain, Versailles, Trianon und Neuilly  in Europa neue Grenz­ziehungen geschaffen, die bedeutende Teile des deutschen Volkes ohne Zuerkennung des beim Waffen­stillstand versprochenen Selbstbestimmungsrechtes anderen Völkern auslieferten: das Sudetenland an die Tschechoslowakei, Westpreußen und Posen an Polen, Süd-Tirol an Italien, die Untersteiermark an Jugos­lawien, Eupen-Malmedy an Belgien, Elsaß-Lothringen an Frankreich, u.s.w.. Nur wenige Gebiete erhielten die Möglichkeit, über ihre Staatszugehörigkeit abzustimmen: Ostpreußens Allenstein und Marienwerder blieben ebenso wie auch Oberschlesien zunächst bei Deutschland, fielen  nach dem 2. Weltkrieg aber unter fremde Herrschaft, Nordschles­wig fiel an Dänemark. Nur Kärnten konnte nach heldenhaftem Abwehrkampf durch die Volksabstim­mung vom 10.10.1920 dem deutschen Kulturraum auf Dauer erhalten werden.

Infolge der Ereignisse des zweiten Weltkrieges fielen alle Gebiete östlich des Eisernen Vorhanges (Elbe bis Triest) unter kommunistische Diktaturen. Für alle dort trotz  Vertreibung, Flucht,  Enteig­nung und Genozid (Völkermord) verbliebenen Deutschen bedeutete das, dass sie ihr Volkstum nicht leben konnten: Strengstes Verbot, die Muttersprache zu verwenden, kein Deutsch-Unterricht, keine Organisationsmöglichkeit! Erst nach dem Fall der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhanges und damit dem Fall der kommunistischen Diktaturen konnten sich nach 60 Jahren (!)  Minderheiten dort und so auch die Deutschen nach und nach wieder sammeln und organisieren und somit auch ihre Sprache, Kultur, Sitten und Gebräuche leben. Die Kopenhagener Erklärungen von 1993, in denen eine Verpflichtung zur Minderheiten-Anerkennung enthalten war und die für die ehemaligen Ostblock­staaten zur Voraussetzung für einen EU-Beitritt gemacht wurden, legten dafür den Grundstein.

Völlig unverständlicherweise ist einzig die deutsche Volksgruppe in Slowenien nicht verfassungsmä­ßig anerkannt – im Gegensatz zu allen ehem. Ostblockstaaten.

Eindeutig völkerrechtswidrig ist auch die Aufrechterhaltung der sog. Benesch-Dekrete durch Tsche­chien und die Slowakei sowie der gleichbedeutenden AVNOJ-Dekrete durch Slowenien und Serbien (Kroatien hat sie für “obsolet” erklärt) sowie der bedeutungsgleichen Bierut-Dekrete durch Polen: Dadurch werden der Völkermord, die Enteignung und Vertreibung der Deutschen aus ihren ange­stammten Siedlungsgebieten  gerechtfertigt und die Verbrechen während und nach der Vertreibung jeder rechtlichen Ahndung entzogen.

Schon aufgrund ihrer vaterländisch-patriotischen Einstellung und Tradition war es für die Deutsche Burschenschaft schon immer nach dem 2. Weltkrieg ein Ziel gewesen, eine Wiedervereinigung der durch die alliierten Siegermächte  in vier Besatzungszonen geteilten Gebiete zu erreichen.  Sie war die einzige politische Studenten- und Akademiker-Gruppierung, die nach der sog. „kleinen“ Wieder­vereinigung der west- und mitteldeutschen Gebiete mit Stolz auf diese Standhaftigkeit hinweisen kann.   Schon bei der Gründung der Burschenschaft vor 200 Jahren, am 12.6.1815 war ihr Wirken (bei den damals existierenden zahlreichen Königreichen und Fürstentümern)  staatenübergreifend ausge­richtet mit der Forderung nach einer Einigkeit des ganzen deutschen Volkes. Dieser Tradition folgend, war es im Zuge der Freiheitserringung Europas eine Selbstverständlichkeit, auch die deutschen Volksgruppen in Europa zu fördern und zu unterstützen.

Die historisch erst- und einmalige Situation, dass praktisch alle Deutschen freiwillig unter einem gemeinsa­men Dach, nämlich der EU (Europäische Union) leben, ist ein in die Zukunft gerichteter Erfolgsfaktor für eine umfassende Völkerverständigung; ein Brückenbau zwischen Deutschen aus ihren Heimat- und Herbergsstaa­ten ist möglich und erschließt ungeahnte Möglichkeiten der Zusam­menarbeit in Wirtschaft, Forschung, Wissenschaft, u.a.m.

Um deutsche Volksgruppen durch den burschenschaftlichen Volkstumsverein konkret fördern und unterstüt­zen zu können, wurde vom Vorsitzenden Dr. Burchhart ein Konzept für die burschenschaft­liche Volkstums­arbeit erarbeitet und vom Burschentag verabschiedet. Es steht unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ und setzt eine umfassende Information von Burschenschaften und Burschen­schaftern voraus sowie eine Intensi­vierung der  medialen Zusammenarbeit.  Darüber hinaus gilt es, Kontakt-Möglichkeiten zu eruieren und interessenorientierte Netzwerke zu initialisieren.  Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit Gruppierungen, Institutionen und Organisationen, die sich mit Minderheiten- und Volkstumsfragen beschäftigen. Als Kern­element aber auch die Kontakt-Aufnahme und die Zusammenarbeit mit Vertretungen und Vertretern der deutschen Volksgruppen in den vielen Staaten Europas.

Diese in die Zukunft gerichtete Aufgabe stellt  eine echte Herausforderung für den Volkstumsverein dar, der damit nicht nur eine „innenpolitische“ Informations- und Bildungs-Aufgabe zu bewältigen hat. In seinen Händen liegt die „außenpolitische“ Arbeit der Deutschen Burschenschaft.

Die Arbeit des Vereins wurde anhand von zahlreichen Vorträgen sowie in Beiträgen in der Verbands­zeit­schrift, den Burschenschaftlichen Blättern und in anderen Medien der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auch in vielen Printmedien der volksdeutschen Organisationen ist der Volkstumsverein in Form von  Infor­mations-Interviews, Darlegungen und Stellungnahmen präsent. In manchen Regionen konnte er auch die Gelegenheit zu Radio-Interviews wahrnehmen sowie Vorträge in Schulen (Te­meschwar-Banat/ und Reschitza/ Rumänien) und Gemeinschaften (Hopgarten (Chmelnica)/ Slowakei,  Wudersch (Budaörs)/ Un-garn, u.a.) halten.

Besonders markant waren die bisher durchgeführten Volkstums-Seminare: Erstmals in ihrer Geschichte trat die Deutsche Burschenschaft mit einer offiziellen Veranstaltung in Süd-Tirol auf:  Dabei wurden den jungen Burschenschaftern von Süd-Tirolern die Problematik des Lebens als Deut­scher im italienischen Staat einpräg­sam dargestellt, ebenso griffen Politikern aus Österreich und aus dem EU-Parlament das Thema in ihren Beiträgen auf. Eine weitere Veranstaltung wurde in Belgien, in der EU-Zentrale Brüssel sowie in der alten Universitätsstadt Löwen durchgeführt, bei der Europa, die Ostbelgiendeutschen von Eupen-Malmedy und das Deutschtum in Europa im Mittelpunkt standen.

Die Teilnahme an zahlreichen Kongressen und Seminaren der o.a. FUEV sowie der ÖLM (Österr. Landsmann-schaft), VLÖ (Verband der Volksdeutschen Landsmannschaften) in praktisch allen Gebie­ten der Volksdeut-schen, die bereits während und auch nach der kommunistischen Herrschaft von Mitgliedern des Vereins bereist wurden, konnten nicht nur viele Freundschaften entwickelt werden. Durch das Eintauchen in die konkrete Lebenssituation der Volksdeutschen entwickelten sich oftmals Handlungsansätze wie:

  •  Mithilfe beim Aufbau von Bibliotheken in Cilli (Celje)/ Slowenien und Mariatheresiopel (Sub­otica) in der Wojwodina/Serbien.
  • Bereitstellung von Materialien für den Deutsch-Unterricht für Schulen in der Slowakei
  • Projektierung einer Vereinszeitung für die volksdeutschen Organisationen in Slowenien
  • Organisation der  Weiterbildung von Kindergärtnerinnen aus volksdeutschen Gebieten in Kärnten
  • Kleider-, u.a. Spenden für Kinder in Ostpreußen
  • Unterstützung für Kultur-initiativen in der Gottschee (Kocevje) in Slowenien
  • Unterstützung für die Teilnahme von volksdeutschen Kindern verschiedener Länder in Jugendlagern in Österreich
  • Ermöglichung von Noten-Käufen und Organisation der Musikproben für den studenti­schen „Hugo-Wolf-Kammerchor“ in Marburg (Maribor)/ Slowenien
  • Ermöglichung einer Konzertreise nach Kärnten für den „Donau-Brevis-Chor“ aus Esseg (Osijek)/ Kroatien
  • Spendensammlungen für Volkstums-Seminare in Süd-Tirol und Ostbelgien.

Begleitet wird diese praktische Arbeit durch Anträge, Petitionen und konkrete Forderungen an die politisch Verantwortlichen und die Entscheidungsträger für Minderheitenrechte. So z.B.

  • Eine Süd-Tirol-Resolution bezüglich Durchführung des Selbstbestimmungsrechtes dort, die allen Abgeordne­ten der EU, der BRD und Österreichs zugeleitet wurde.
  • Forderung nach deutschem Muttersprachen-Unterricht  in allen ehemaligen Ostblockstaa­ten, was zur  Iden­titätswahrung unabdingbar ist.
  • Forderung nach Durchsetzung der deutschen Amtssprache in der EU: Das ergab sogar eine ausführliche Stellungnahme vom Bundeskanzler Österreichs.

Jeder ist aufgerufen,  durch seine Mitgliedschaft zum Wohle aller Deutschen in Europa, zur Verbesse­rung des Zusammengehörigkeitsgefühls und des deutschen Selbstwertgefühles beizutragen (Jahres­beitrag € 25.-, steuerlich absetzbar).