Kurzportrait der Deutschen Burschenschaft

Chargen bei einer Veranstaltung der Deutschen Burschenschaft

Die Deutsche Burschenschaft ist heute ein Verband mit etwa 7.000 jungen und alten Mitgliedern in fast 70 Burschenschaften. Mitglied in einer Burschenschaft zu werden ist mehr als nur einem Verein beizutreten. Es bedeutet vor allem die freiwillige Verpflichtung, sich für ideelle Ziele einzusetzen, die im Wahlspruch der Deutschen Burschenschaft "Ehre - Freiheit - Vaterland" umrissen werden.

Darüber hinaus ist es gerade in der heutigen Zeit für jeden aufgeschlossenen Studenten bedeutsam, sich neben dem Studium an der Universität auch mit ideellen Wertvorstellungen auseinanderzusetzen und sich eine fächerübergreifende Allgemeinbildung anzueignen. Die Universitäten, die sich zu Massenausbildungsstätten entwickelt haben, bieten hierzu wenig Chancen. In einer Gemeinschaft dagegen ergeben sich vielfältige Möglichkeiten geistiger Anregungen auf allen Ebenen. Junge und alte Burschenschafter, die "Aktiven" und "Alten Herren", bleiben auch nach dem Studienabschluß als "Bundesbrüder" freundschaftlich fest verbunden. Dies führt zu einem ständigen lebendigen Gedanken- und Erfahrungsaustausch zwischen jung und alt, zwischen Fakultäten und Berufen. Der junge Burschenschafter erweitert dadurch fächerübergreifend seinen Horizont und formt seine Persönlichkeit.

Das sind Voraussetzungen für die spätere verantwortungsbewußte Teilnahme am gesellschaftlichen und politischen Leben. Ein erfolgreiches Studium und sinnvoll verbrachte Freizeit gehören in den Burschenschaften zusammen. Je nach Ausrichtung der jeweiligen Universität und Interessenlage der aktiven studierenden Mitglieder bieten die Burschenschaften ein weitgespanntes Betätigungsfeld. Gesellige Veranstaltungen verschiedenster Art, Diskussionsabende und sportliche Aktivitäten gehören ebenso dazu wie gemeinsam verbrachte Freizeit. Steriler Formalismus ist nicht nach dem Geschmack der Burschenschafter. So wenig wie Kommerse und Kneipen Saufgelage sind, sondern eine harmonische Mischung aus akademischer Feierstunde und geselligem Beisammensein, sowenig erschöpft sich das Leben von Verbindungsstudenten im sturen "Abarbeiten" strenger Regeln. Fröhliche Geselligkeit in oft spontanen Veranstaltungen steht im Wechsel mit intensiver Auseinandersetzung mit Fragen unserer Zeit. Seminare und Exkursionen runden dieses Bild ab.

Demokratie von der Basis bis zur Spitze

Die Demokratie ist das allgegenwärtige Prinzip im Umgang miteinander - im Freundeskreis, bei Vorträgen, bei Diskussionen und vielen anderen Gelegenheiten, denn der innere Aufbau der burschenschaftlichen Verbindungen, in denen sich die Prinzipien des miteinander und voneinander Lernens im Geiste gegenseitiger Achtung widerspiegeln, ist gelebte Demokratie seit dem Jahre 1815. Auf ihren regelmäßigen Zusammenkünften, den sogenannten Konventen, regeln die Mitglieder jeder Burschenschaft alle Angelegenheiten ihrer Gemeinschaft. Während des Studiums sind die Mitglieder einer Burschenschaft gehalten, semesterweise wechselnd Führungsaufgaben zu übernehmen. Dabei sind sie für ihr Handeln jederzeit dem Konvent gegenüber verantwortlich. Diese demokratische Struktur setzt sich in allen Gremien der Deutschen Burschenschaft bis hin zum obersten Organ des Verbandes, dem jährlich einmal tagenden Burschentag, fort.

Gruppenphoto vom Burschentag
Gruppenphoto vom Burschentag

Der Burschentag spiegelt das demokratische Prinzip der einzelnen Mitgliedsvereinigungen der Deutschen Burschenschaft auf der Ebene des Verbandes wider. Er ist die jährlich einmal tagende Versammlung aller Burschenschaften, bei der die Aktiven und die Alten Herren gleichberechtigt vertreten sind. Der Burschentag wählt die ehrenamtlich tätigen Amtsträger und Organe und bestimmt die Leitlinien der Verbandsarbeit. Man kann ihn als das Parlament der Burschenschaften bezeichnen. Darüber hinaus bietet der Burschentag aber auch die Gelegenheit, neue Kontakte zu anderen Burschenschaftern von Universitäten der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Österreich zu knüpfen.

Daher gilt der Burschentag auch als Treffpunkt von Freunden und Studienkollegen; hierzu bieten gerade die geselligen Veranstaltungen im Rahmen dieser Tagung eine geeignete und vielfach genutzte Gelegenheit. Schlußendlich sei gesagt, daß die politische Ausrichtung der Burschenschaften nicht vergessen lassen darf, daß es sich bei den Mitgliedsbünden der Deutschen Burschenschaft um typische Studentenverbindungen handelt mit aus Tradition gewachsenen und bewährten Lebensformen.

In Verfolgung der burschenschaftlichen Ideale gibt es für die Deutsche Burschenschaft keine Bindung an eine bestimmte politische Partei oder politische Gruppe. Hier ist jeder Burschenschafter frei, sich im Rahmen der im Wahlspruch ausgedrückten Grundsätze frei zu entscheiden. Diese Ideale der Burschenschafter sind Grundwerte, die keinem ständigen Wandel unterliegen. Sich zu ihnen zu bekennen, bedeutet oft genug, allen Anfeindungen zum Trotz nicht den bequemen Weg der Anpassung an den jeweiligen Zeitgeist zu gehen. Für jeden Burschenschafter sind die Ideale in knapper Form im Wahlspruch der Deutschen Burschenschaft ausgedrückt: Ehre - Freiheit - Vaterland.

Ehre

Jeder Burschenschafter soll seine Gedanken, sein Reden und Handeln nach den Wertbegriffen der Lauterkeit, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit ausrichten und mit seiner ganzen Person dafür eintreten, ohne daß er für sich eine besondere, ihn über andere heraushebende Ehrenhaftigkeit in Anspruch nimmt. Die Würde anderer ebenso zu schützen und zu verteidigen wie die eigene ist für den Burschenschafter Ehrenpflicht.

Freiheit

Auf dieser moralischen Grundlage der Ehre ist die Freiheit das Ziel, dem das burschenschaftliche Handeln dient. Persönliche, politische und akademische Freiheit können nicht ohne die Freiheit des Geistes und die Unabhängigkeit und Selbständigkeit des Denkens erreicht werden. Hierzu gehören ein offenes Bekenntnis und voller persönlicher Einsatz für die Freiheit. Fehlt es daran, wird Freiheit nicht erreichbar sein, und dort, wo sie besteht, wird sie untergehen. Freiheit erschöpft sich für den Burschenschafter nicht in persönlicher Freiheit, sondern erhält ihre weitere Bedeutung durch die verantwortliche Mitarbeit am Gemeinwesen.

Vaterland

Gruppenphoto vom BT Kommers
Gruppenphoto vom BT Kommers

Moralische Voraussetzung und grundsätzliche politische Forderung werden im Wahlspruch ergänzt durch die ausdrückliche Verpflichtung zum Einsatz für das Vaterland. Die Deutsche Burschenschaft sieht das deutsche Vaterland unabhängig von staatlichen Grenzen in einem freien und einigen Europa, welches Osteuropa einschließt. Sie setzt sich für eine enge Verbundenheit aller Teile des deutschen Volkes in Freiheit ein. Der Einsatz für das eigene Vaterland gebietet ebenso die Achtung der Freiheit und des Selbstbestimmungsrechtes anderer Völker. Deshalb setzt sich die Deutsche Burschenschaft aktiv dafür ein, daß in einem freien Europa den Angehörigen aller Völker, insbesondere auch allen deutschen Volksgruppen in anderen Staaten, die uneingeschränkte kulturelle Entfaltung und Selbstbestimmung gewährleistet wird.

Die Grundsätze in der Verfassung der Deutschen Burschenschaft

Präambel:
Für die Stellung, die der Student in der Gesellschaft im Hinblick auf seine Ausbildung und auf seinen späteren Wirkungsbereich einnimmt, ist neben einer gründlichen wissenschaftlichen Bildung die Entwicklung des Verantwortungsbewußtseins und der Verantwortungsbereitschaft gegenüber der Gesellschaft notwendig. Mit der Hochschule dienen diesem Ziele die studentischen Gemeinschaften. Bei der Erfüllung ihrer verantwortungsvollen Aufgabe soll an erprobte Werte alten deutschen Studententums angeknüpft werden. In der Erkenntnis, daß gemeinsames Handeln nottut, haben sich gleichgesinnte deutsche Studentenverbindungen in der Deutschen Burschenschaft zusammengeschlossen. Sie geben sich folgende Verfassung.

Artikel 1:
Die Deutsche Burschenschaft ist die Gemeinschaft deutscher Burschenschaften, die aus der in Jena gegründeten Burschenbewegung von 1815 hervorgegangen sind oder sich zu ihr bekennen.

Artikel 2:
Ihre Grundhaltung findet Ausdruck in dem historisch begründeten Wahlspruch: Ehre - Freiheit - Vaterland.

Artikel 3:
Ihre Farben sind: Schwarz - Rot - Gold

Artikel 4:
Der Grundsatz der Ehre fordert von jedem Burschenschafter eine lautere, aufrechte und wahrhaftige Haltung im Denken, Reden und Handeln. Die unantastbare Würde des Menschen zu achten und zu schützen, ist seine unbedingte Pflicht.

Artikel 5:
Der Grundsatz der Freiheit fordert von jedem Burschenschafter, daß er sich die innere Freiheit des Geistes selbst erwirbt. Der Burschenschafter soll frei von Vorurteilen, unabhängig und selbständig im Denken sowie freimütig und tatkräftig in der Vertretung der eigenen Meinung sein. Auf dieser Grundlage soll er jederzeit und überall für die persönliche Freiheit, für die politische Freiheit und für die akademische Freiheit eintreten.

Artikel 6:
Die persönliche Freiheit sieht die Burschenschaft in dem Recht des einzelnen, sich frei zu entwickeln und auszubilden sowie frei zu handeln, solange dadurch nicht Rechte anderer beeinträchtigt werden, insbesondere zur Wahrung der Glaubens- und Gewissensfreiheit.

Artikel 7:
Die politische Freiheit erblickt die Burschenschaft in der Gleichberechtigung aller Bürger sowie in dem Recht jedes einzelnen und jedes Volksteiles auf seine angestammte Heimat und auf die Selbstbestimmung über seine staatliche Zugehörigkeit.

Artikel 8:
Unter akademischer Freiheit versteht die Burschenschaft die Freiheit der Forschung, der Lehre und des Lernens sowie die Freiheit der Hochschule und die der Studentenschaft, die inneren Angelegenheiten selbst zu ordnen. Die Burschenschaft macht es ihren Mitgliedern zur Pflicht, zum Wohle der gesamten Studentenschaft an der allgemeinen studentischen Arbeit und der Selbstverwaltung nach Kräften mitzuwirken.

Artikel 9:
Die Burschenschaft bekennt sich zum deutschen Vaterland als der geistig-kulturellen Heimat des deutschen Volkes. Unter dem Volk versteht sie die Gemeinschaft, die durch gleiches geschichtliches Schicksal, gleiche Kultur, verwandtes Brauchtum und gleiche Sprache verbunden ist. Pflicht der Burschenschaften ist das dauernde rechtsstaatliche Wirken für die freie Entfaltung deutschen Volkstums in enger Verbundenheit aller Teile des deutschen Volkes, unabhängig von staatlichen Grenzen in einem einigen Europa in der Gemeinschaft freier Völker.

Artikel 10:
Von jedem Burschenschafter wird der tatkräftige Einsatz für eine demokratische und soziale Rechtsordnung gefordert.

Artikel 11:
In der Erkenntnis ihrer politischen Verantwortung versucht die Burschenschaft, ihre Mitglieder zu kritischem, objektiven politischen Denken und Handeln zu erziehen. Sie macht es ihren Mitgliedern zur Pflicht, sich mit den staatspolitischen und gesellschaftlichen Problemen ihrer Umwelt zu befassen.

Artikel 12:
Die Arbeit der Burschenschaft vollzieht sich nach demokratischen Grundsätzen.

Artikel 13:
Die Burschenschaft fordert von ihren Mitgliedern eine gründliche allgemeine und fachwissenschaftliche Ausbildung. Gleichberechtigt neben der Pflege der geistigen steht die Ausbildung der körperlichen Kräfte. Die Burschenschaft hält daher ihre Mitglieder zu allen geeigneten Leibesübungen an.

Artikel 14:
Die Burschenschaft vertritt das Lebensbundprinzip. Es wird erfüllt durch die lebenslange Zugehörigkeit zur Burschenschaft, beruhend auf Freundschaft, gegenseitiger Erziehung und Persönlichkeitsbildung. Die alten und jungen Burschenschafter bilden eine lebendige Einheit mit bleibender Bindung an die Grundsätze der Deutschen Burschenschaft und der Einzelburschenschaft.

Artikel 15:
Als Bekenntnis zu bundesbrüderlicher Gemeinschaft und zu diesen Grundsätzen tragen die Burschenschafter Farben. Die Burschenschaft pflegt das studentische Brauchtum in einem geregelten Bundesleben. Die Burschenschaften sind verpflichtet, neu eintretenden Mitgliedern das burschenschaftliche Gedankengut zu vermitteln.

Leitung des Dachverbandes

Die Deutsche Burschenschaft und damit der gesamte Dachverband wird sowohl in der Bundesrepublik Deutschland als auch in der Republik Österreich durch die Vorsitzende Burschenschaft der Deutschen Burschenschaft vertreten. Die Vorsitzende Burschenschaft wird dabei jedes Jahr neu auf dem Burschentag gewählt.