Handschriften der Mitglieder der Abgeordneten-Versammlung zu Schwerin

Aus dem Stammbuch von Göpfert, Jenaische Burschenschaft 1824-1832, Widmung von stud.iur. Chr. Ludwig Wulke, Meiningen, Juli 1826

Die beiden Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz bleiben das ganze 19. Jahrhundert hindurch Ständestaaten, in denen sich Landesherr, Ritterschaft und Städte die Macht teilen. Beide Mecklenburg haben einen gemeinsamen Landtag. Mit der Märzrevolution 1848 entstehen Reformvereine, am 31. Oktober 1848 tritt in Schwerin eine gesamtmecklenburgische Abgeordnetenversammlung zusammen, die eine neue Verfassung berät und beschließt. Das neue, eine konstitutionelle Monarchie schaffende Staatsgrundgesetz wird am 3. August 1849 angenommen und der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin setzt es in Kraft. Dem widersprechen der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, die Ritterschaft sowie die Seestädte Rostock und Wismar. Nach Streitigkeiten stellt der Freienwalder Schiedsspruch 1850 fest, daß das Staatsgrundgesetz ungültig, die Ständeverfassung aber noch gültig sei. Der Jenaer Burschenschafter, Dichter und Schriftsteller Fritz Reuter kommentiert das: "Allens bliwwt bi'n Ollen."

Mitglied der Abgeordnetenversammlung bzw. des Landtags war 1848/49 für den 3. Wahlbezirk Alt-Strelitz auch Reuters Lehrer am Gymnasium in Friedland, der Pastor an der dortigen Marienkirche Heinrich Arminius Riemann (1793-1872). Er war 1815/16 Mitgründer, Vorstandsmitglied und Sprecher der Jenaer Urburschenschaft, 1817 Mitglied des Festausschusses und Hauptredner des Wartburgfestes sowie Mitverfasser der "Grundsätze und Beschlüsse des 18. October": "Ein Deutschland ist, und ein Deutschland soll sein und bleiben ..." 1818 war Riemann Mitgründer der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft, der ersten gesamtdeutschen Organisation der deutschen Nationalbewegung.

Seit 1819 wurde Riemann mehrfach politisch verfolgt. Als Abgeordneter legte Riemann ein Album an, in das sich zahlreiche seiner Kollegen eintrugen und das einen Eindruck der damaligen politischen Stimmung vermittelt.
Eine Auswahl wird hier erstmals veröffentlicht:

Aus dem Stammbuch von Göpfert, Jenaische Burschenschaft 1824-1832, Widmung von stud.iur. Chr. Ludwig Wulke, Meiningen, Juli 1826

Widmung:
Was weiter wirdt noch harren wir,
doch wird's die Freiheit werden,
die Freiheit dort, die Freiheit hier,
die Freiheit jetzt und für und für,
die Freiheit rings auf Erden.

Schwerin, den 22. August 1849
Ihr Freund Schlüns

Aus dem Stammbuch von Göpfert, Jenaische Burschenschaft 1824-1832, Widmung von stud.iur. Chr. Ludwig Wulke, Meiningen, Juli 1826

Widmung:
Der Wahnsinn der Reaction beschleunigt den Gang unsrer Entwicklung;
ihre Verblendung ist unsre Zukunft.

Schwerin, den 22sten August 1849
Zur Erinnerung an Ihren L. Roloff
Abg(eordneter). des 4ten Strel(itzer). Wahlbez(irks).

Aus dem Stammbuch von Göpfert, Jenaische Burschenschaft 1824-1832, Widmung von stud.iur. Chr. Ludwig Wulke, Meiningen, Juli 1826

Widmung:
Democrat! - bis an den letzten Pfaffendarm
der letzte Junker hängt oder
Nachtwächter - mit der Schlafmütze. - Die
Wahl ist nicht schwer.

Schwerin, d. 22. Aug. 1849
Abgeordneter Dr. Raber

Raber war ehemaliger Burschenschafter. Siehe auch: Otto Ringel, Dr. Ernst Raber.
Ein Armenarzt und Demokrat aus Mecklenburg, in: Vorträge zur
mecklenburgischen Familienforschung, hrsg. v. Landesarbeitskreis
Familien- und Personengeschichte im Landesheimatverband
Mecklenburg-Vorpommern e. V., H. 9 (2000), S. 1-11.

Aus dem Stammbuch von Göpfert, Jenaische Burschenschaft 1824-1832, Widmung von stud.iur. Chr. Ludwig Wulke, Meiningen, Juli 1826

Widmung:
Treue dem Volke und Entschlossenheit werden die Sache der Freiheit zum Triumpfe führen.
Dächten alle Deutsche wie Sie, treuer Kämpe, wir wären schon weiter; daß wir zum Ziele
kommen, ist gewiß und haben wir gesiegt, dann soll das Volk auch glücklich werden!
Reinigen wir unsere Sache zunächst von Verräthern; der Läuterungsprozeß hat begonnen,
ist er beendet, sind die Halben vernichtet, dann wird die Sonne der Freiheit aus den
Nebeln aufgehen. Denken Sie oft an die schönen und trüben Tage, die wir durchlebt
haben zurück und behalten Sie in Erinnerung Ihren

C. L. F. Pohle
Mitglied der constituirenden Versammlung
für den 4. Schweriner Wahlbezirk

Anmerkung: Pohle ist der Verfasser von "Die Noth des
Mecklenburgischen Handwerksstandes", 1848.

Aus dem Stammbuch von Göpfert, Jenaische Burschenschaft 1824-1832, Widmung von stud.iur. Chr. Ludwig Wulke, Meiningen, Juli 1826

Widmung:
Zur Erinnerung an die in Schwerin während des
Landtags 1848/1849 erläbten freudigen sowie
trüben Stunden von deinem Freund

dem Bädermeister F. Deppen aus Dossow
derzeitiger Abgeordneter in Schwerin

Aus dem Stammbuch von Göpfert, Jenaische Burschenschaft 1824-1832, Widmung von stud.iur. Chr. Ludwig Wulke, Meiningen, Juli 1826

Widmung:
Es müßen noch viele Männer in den reiferen Jahren,
und in tüchtiger Schule des Lebens gebildet,
sich des armen deutschen Vaterlandes annehmen,
wenn seine Regeneration gelingen soll.

Schriebs zur freundlichen Erinnerung
Jördensdorf, d. 28. August 1849
Th. Reuter

Quelle:
Archiv und Bücherei
der Deutschen Burschenschaft