Die Farben Schwarz-Rot-Gold

Deutschlandfahnen
Deutschlandfahnen
Lützowsches Freikorps
Lützowsches Freikorps

Unsere heutigen Nationalfarben und Farben der Deutschen Burschenschaft gehen zurück auf die Farben der alten Jenaischen Burschenschaft: Schwarz-Rot (von unten) mit goldener Einfassung. Über ihre Herkunft bestand lange Zeit Unklarheit, die durch das grundlegende Werk Paul Wentzckes (siehe Anmerkung) beseitigt wurde: Zwar heißt es in der Verfassung der Jenaischen Burschenschaft "Eingedenk, daß bey den jugendlichen Freuden auch stets der Ernst des Lebens zu bedenken sey, bestimmten sie Roth und Schwarz zu den Farben ihres Paniers", doch wissen wir aus Zeugnissen der urburschenschaftlichen Zeit, daß die 11 Stifter der Jenaischen Burschenschaft die Farben des Lützowschen Freikorps - nicht weniger als neun der Stifter hatten ihm angehört - wählten. Die Lützower hatten einen schwarzen Waffenrock mit roten Vorstößen und goldenen Knöpfen getragen. Zwar handelte es sich um ein preußisches Freikorps, doch stand es ausdrücklich auch Nichtpreußen offen und galt als Symbol der erstrebten deutschen Einheit.

Die meisten anderen Burschenschaften übernahmen bald die Farben, wobei offensichtlich die irrige Ansicht, es handle sich um die "alten deutschen Farben" - das alte Reichswappen zeigte einen schwarzen, rotbewehrten Adler auf goldenem Grunde - eine bedeutsame Rolle spielte. Der Dreifarb Schwarz-Rot-Gold (vielfach auch Schwarz-Gold-Rot) entstand wahrscheinlich unter Einfluß der damals aufkommenden dreifarbigen Nationalflaggen, insbesondere der französischen Trikolore. Gold wurde - an sich unheraldisch - zur dritten Farbe. Da die Burschenschaft in der deutschen Einheits- und Freiheitsbewegung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die führende Rolle spielte, wurden ihre Farben bald volkstümlich. Beim "Hambacher Fest" vom 27. Mai 1832 erhielten sie endgültig die Weihe als "deutsche Einheits- und Freiheitsfarben". Die Frankfurter Nationalversammlung erklärte sie 1848 zu "Reichsfarben"; sie glaubte, damit die alten Reichsfarben wiederherzustellen.

Anmerkung zur Literatur:
Paul Wentzcke: "Die deutschen Farben. Ihre Entwicklung und Deutung sowie Ihre Stellung In der deutschen Geschichte", Neue, bis zur Gegenwart fortgeführte Fassung mit 13 Abbildungen und Farbtafeln, 9. Band, Heidelberg 1955.