Der Wahlspruch "Ehre - Freiheit - Vaterland"

Der burschenschaftliche Wahlspruch läßt sich in wechselnder Folge bereits in der vorurburschenschaftlichen Zeit nachweisen. Schon um 1745 findet er sich in einem Gedicht von Johann Peter Uz. 1798 erscheint er in Jena in einem studentischen Stammbuch. Er wird erstmals in dem 1810 im Heidelberger Allgemeinen Kommersbuch gedruckten Lied "Hier, wo in trauter Brüder Mitte" besungen. 1811 erwähnt ihn Theodor Körner in einem Brief an die Berliner Westfalen. 1815 spricht Ernst Moritz Arndt "von den wahren und unsterblichen Grundsätzen von deutscher Ehre, Freiheit und Vaterland". Zum studentischen Wahlspruch von überörtlicher Bedeutung hat ihn zuerst die Hallische Teutonia erhoben, die ihn bei ihrer Gründung am 1. November 1814 in der Fassung "Freiheit, Ehre, Vaterland" annahm. Am 18. März 1816 übernahm ihn die Jenaische Burschenschaft, die bis dahin den Wahlspruch "Dem Biedern Ehre und Achtung" geführt hatte, in der Form "Ehre - Freiheit - Vaterland", die dann von der Mehrzahl der anderen Burschenschaften angenommen wurde.

Neben dieser Fassung erlangte die von den Gießener Schwarzen gewählte Form "Gott, Freiheit, Vaterland" besonders in den "teutonischen" Kreisen der burschenschaftlichen Bewegung, aber auch in Halle, Königsberg und Marburg Geltung. Auf dem Burschentag in Jena 1818 (März/April) wurde sie sogar als Wahlspruch der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft vorgesehen. Aus der Verschmelzung beider Formen ging später der von mehreren Burschenschaften (Leipzig, Dorpat, Gießen, Erlangen, Bonn, Tübingen, Würzburg) zum Teil bis heute geführte Wahlspruch "Gott - Ehre - Freiheit - Vaterland" hervor. Für den Verband gilt heute die Fassung "Ehre - Freiheit - Vaterland".

Ehre: Jeder Burschenschafter soll seine Gedanken, sein Reden und Handeln nach den Wertbegriffen der Lauterkeit, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit ausrichten und mit seiner ganzen Person dafür eintreten, ohne daß er für sich eine besondere, ihn über andere heraushebende Ehrenhaftigkeit in Anspruch nimmt. Die Würde anderer ebenso zu schützen und zu verteidigen wie die eigene ist für den Burschenschafter Ehrenpflicht.

Freiheit: Auf dieser moralischen Grundlage der Ehre ist die Freiheit das Ziel, dem das burschenschaftliche Handeln dient. Persönliche, politische und akademische Freiheit können nicht ohne die Freiheit des Geistes und die Unabhängigkeit und Selbständigkeit des Denkens erreicht werden. Hierzu gehören ein offenes Bekenntnis und voller persönlicher Einsatz für die Freiheit. Fehlt es daran, wird Freiheit nicht erreichbar sein, und dort, wo sie besteht, wird sie untergehen. Freiheit erschöpft sich für den Burschenschafter nicht in persönlicher Freiheit, sondern erhält ihre weitere Bedeutung durch die verantwortliche Mitarbeit am Gemeinwesen.

Vaterland: Moralische Voraussetzung und grundsätzliche politische Forderung werden im Wahlspruch ergänzt durch die ausdrückliche Verpflichtung zum Einsatz für das Vaterland. Die Deutsche Burschenschaft sieht das deutsche Vaterland unabhängig von staatlichen Grenzen in einem freien und einigen Europa, welches Osteuropa einschließt. Sie setzt sich für eine enge Verbundenheit aller Teile des deutschen Volkes in Freiheit ein. Der Einsatz für das eigene Vaterland gebietet ebenso die Achtung der Freiheit und des Selbstbestimmungsrechtes anderer Völker. Deshalb setzt sich die Deutsche Burschenschaft aktiv dafür ein, daß in einem freien Europa den Angehörigen aller Völker, insbesondere auch allen deutschen Volksgruppen, die uneingeschränkte kulturelle Entfaltung und Selbstbestimmung in anderen Staaten gewährleistet wird.