Das Pfingstfest in Friedberg (Hessen)

Die Friedberger Alma Mater ist über 100 Jahre alt. Sie wurde am 29. Oktober 1901 als private Lehranstalt mit der Bezeichnung "Gewerbeakademie" gegründet. Im Herbst 2001 veranstalteten die Corporationen eine Feier "100 Jahre Ingenieursausbildung", "100 Jahre Corporationen" in Friedberg.

Bereits sechs Tage nach dem vorgenannten Gründungsdatum entstand der akademische Verein Rhenania mit den Farben gold-weiß-grün. Am 12.12.1901 wurde die Burschenschaft Teutonia mit den Farben gold-weiß-rot gegründet. Es folgten u.a. die Burschenschaft Ascania am 15.11.1901 und die Landsmannschaft Cimbria am 18.08.1903. Die beiden letztgenannten Bünde sind heute noch aktiv. Allerdings hat sich die Cimbria mit der Landsmannschaft Rhenania aus Hilburghausen (21.05.1889) zusammengeschlossen. Zu den ältesten noch existierenden Friedberger Bünden gehören die Katholisch-Deutsche Studentenverbindung Arminia (03.05.1902), die Studentische Verbindung Hasso-Borussia (15.11.1902) und die freie Burschenschaft Normannia (11.06.1903). Ferner bestehen noch die freie Landsmannschaft Bayern und Tiroler (08.02.1908 in Ilmenau), die Akademisch Technische Verbindung Hassia (06.07.1925), die Technische Verbindung Nordmark-Cheruscia (05.05.1880 in Mittweida), die Sängerschaft Polyhymnia (11.10.1894 in Ilmenau) und die Landsmannschaft Teutonia (06.06.1921).

Nach dem ersten Weltkrieg gab es in Friedberg ca. 20 Corporationen. Heute gibt es noch zwölf Corporationen, wovon vier noch eine Aktivitas haben. Diese vier aktiven Corporationen sind alle schlagende Verbindungen. Außer den oben genannten zwei Bünden haben die Burschenschaften Alemannia (01.05.1919) und die Burschenschaft Thuringia (27.06.1899 in Arnstadt) noch eine Aktivitas. Alle noch bestehenden zwölf Corporationen sind im AFCC (Allgemeiner Friedberger Corporations Convent) zusammengeschlossen und feiern ihr Stiftungsfest in Friedberg. In den fünfziger Jahren fuhren alle Bünde einschließlich Gastcorporationen mit ihren Chargen in Vollwichs mit der Kutsche auf der Hauptstraße, der Kaiserstraße, die hierfür gesperrt wurde, ca. eine Stunde auf und ab. Danach ging es zum Frühschoppen in die Burg zum Sankt Georgs Brunnen. Diese Tradition besteht auch heute noch. Allerdings marschieren dann die Chargen der Bünde vom Zentrum der Stadt in den Burghof. Dieser Umzug startet pünktlich um zehn Uhr und wird von einer Musikkapelle angeführt, die auch später beim Frühschoppen aufspielt. Zu diesem farbenfrohen Ereignis sind die gesamte Bürgerschaft und die Professoren der Hochschule eingeladen. In der ganzen Stadt und im Burghof sieht man überall die "Buntbemützten".

Am Pfingstsamstag ist vor dem Burgtor um 9 Uhr st Flaggenhissung von allen Corporationen, die auch am Sonntag und Pfingstmontag wiederholt wird. Der gemeinsame Frühschoppen findet am Pfingstsonntag statt. Rechtzeitig vor Pfingsten wird in vielen Geschäften auf der Kaiserstraße mit nostalgischen Plakaten auf den Frühschoppen aufmerksam gemacht. Die übrigen Veranstaltungen aller Bünde wie Convente, Festkommers und Couleurball finden je nach Bund zu unterschiedlichen Zeiten statt. Gefeiert wird von fast allen Bünden vom Freitag vor Pfingsten bis zum Pfingstmontag. Früher hatten nicht alle Bünde ein eigenes Haus. Es wohnten deshalb auch viele Studenten zur Untermiete. Die damaligen Zimmerwirtinnen erscheinen dann auch zum Frühschoppen, um zu sehen, was aus ihren Studenten geworden ist. Dies gilt auch sinngemäß für manche Filia hospitalis. Viele Ehemalige, auch nicht Corporierte, kommen zu diesem Ereignis und feiern dann ein fröhliches Wiedersehen, manchmal auch nach zehn Jahren und länger. Dort werden dann Erinnerungen ausgetauscht und oft heißt es dann "?weißt Du noch??". Dieser Frühschoppen erfreut sich seit vielen Jahrzehnten großer Beliebtheit und findet entsprechend Zuspruch. Die Organisationen dieser Veranstaltung einschließlich Aufstellen der Tische und Bänke erfolgt über den AFCC durch die noch aktiven Bünde. Bis heute ist noch kein Frühschoppen wegen schlechten Wetters ausgefallen.


Quelle:
Karl Prinzhorn und Thomas Grünsfelder,
Friedberger Burschenschaft Alemannia