Bericht über die CDA/CDK-Veranstaltungen 2000 in München

Der Convent Deutscher Akademikerverbände (CDA) veranstaltete am Wochenende vom 10. bis 12. November 2000 in München zusammen mit dem Convent Deutscher Korporationsverbände (CDK) den 7. Deutschen Akademikertag sowie die Herbstconvente der jeweiligen Gremien.

Dem gemütlichen und gut besuchten Begrüßungsabend, der am Freitag auf dem Haus der Burschenschaft Stauffia (DB) stattfand, folgte am Samstag Morgen in der Ludwig-Maximilians-Universität eine unter der Schirmherrschaft des Hausherrn, s. Magnifizenz Prof. Dr. A. Heldrich, stehende Podiumsdiskussion zum Thema: "Hochschule auf neuen Pfaden: Klasse statt Masse und die Ansprüche der Wirtschaft?". Teilnehmer waren neben dem CDA-Vorsitzenden Dr. Kießel als Diskussionsleiter die Münchener Hochschulprofessores Heldrich, Schick, Albrecht und Schubö; als hochrangige Vertreter der Wirtschaft Dr.-Ing. Franz (Siemens AG), Vbr. Dr. Schneidawind (Münchener Rückvers., B! Franco-Bavaria München), sowie Fbr. Thorsten Koth (Vorsitzender des CDK).

Die Vertreter der Hochschulen forderten zunächst die Politik auf, bessere Rahmenbedingungen für eine bessere Ausbildung der Studierenden zu schaffen. So könne es nicht angehen, daß erst Mitte eines Jahres die Mittelzuweisung für dieses Jahr bekannt werde und daß ein freier Lehrstuhl oft erst nach ein- und mehrjähriger Frist wieder besetzt werde. Insbesondere Frau Prof. Schick forderte die Politik auf, auch im Bildungswesen endlich Zielvereinbarungen wie in der Wirtschaft zu treffen. Die Hochschulen, so wurde gesagt, stellten sich dem internationalen Wettbewerb durch Einrichtung von Bachelor- und Master-Studiengängen in einer Vielzahl von Fakultäten. Allerdings sei auch die - insbesondere naturwissenschaftliche - Ausbildung der Schulabgänger teilweise erschreckend schlecht, so daß hier zunächst Nachholarbeit geleistet werden müsse. Das von der Bundesregierung geplante Hochschulrahmengesetz (HRG) sei kein guter Ansatz zur Lösung der Probleme, da allenfalls die Konkurrenzsituation zwischen den Hochschulen gefördert werde.

Die Vertreter der Wirtschaft forderten von den Hochschulen eine umfassendere Ausbildung, insbesondere auch im Bereich der sogenannten "soft factors". Hier sei das Ausland vielfach dem deutschen Bildungssystem deutlich überlegen. Außerdem sei zu überlegen, ob nicht eine kürzere Studiendauer anzustreben sei. Es sei dringend erforderlich, ein modulares Bildungssystem aufzubauen, in dem nach kurzer Zeit ein erster Abschluß erreicht werden könne und dann gegebenenfalls auch nach einigen Berufsjahren weitere Abschlüsse auch in mit dem ersten Abschluß nicht direkt verwandten Bereichen gemacht werden können. Es müsse angestrebt werden, mehr Akademiker auszubilden. Schließlich sei die Qualität der Lehre zu überprüfen - hier müsse auch die Frage gestellt werden, ob es sinnvoll sei, Lehrstühle "auf Lebenszeit" zu vergeben. In der anschließenden Diskussion mit Zuhörern aus dem Plenum wurde im wesentlichen festgestellt, daß es gerade die studentischen Korporationen seien, die die von der Wirtschaft geforderten "soft skills" vermitteln könnten. Auf diesen Punkt sei vermehrt hinzuweisen.

Am Nachmittag oblag dann der NeuenDB die Organisation des Verbändegesprächs. Im kleinen Hörsaal der LMU stellte Fbr. Dr. M. Ruge (B! Markomannia Kaiserslautern, NeueDB) den ca. 50 Zuhörern die Shell-Jugendstudie vor. Hierbei handelt es sich um eine im Auftrag des Ölkonzernes jährlich fortgeschriebene Studie über die Jugend in Deutschland. Betrachtet werden sämtliche Jugendliche beiderlei Geschlechts im Alter von 16 bis 24 Jahren. Dr. Ruge machte besonders darauf aufmerksam, daß die Jugend keine Beziehung mehr zu den Verbindungen ähnlichen Organisationen aufbauen wollten. Sie seinen nicht an ritualisierten Lebensformen interessiert. Die Frage sei also, ob sich die Korporationen nicht diesem Ergebnis anpassen und ihre Inhalte und traditionellen Formen überdenken und verwerfen müßten.

Es wurden Bedenken geäußert, ob die beobachtete Gruppe aller Jugendlichen (also mit Frauen, Nicht-Hochschulzugangsberechtigten, Ausländern) für Korporationen die richtige Zielgruppe sei. Allgemein aber wurde der Ansatz für positiv befunden, sich die Jugend auch einmal aus der statistisch belegten Warte heraus anzusehen und eventuell aus dieser Betrachtung Schlüsse zu ziehen. Aus der Diskussion über die Studie wurde schließlich eine sinnvolle Debatte der Frage, was denn nun CDA und CDK zur Unterstützung der Keilarbeit leisten könnten und wo der richtige Ansatzpunkt für diese Aktivitäten sei. Von verschiedener Seite wurde angeregt, die Keilkonzentration auf die Schulen - hier auf die gesamten Oberstufen - zu legen und zu versuchen, zumindest die Bekanntheit der Korporationen zu erhöhen und sie bewußter wahrzunehmen. Auch der Aufbau von Schülerverbindungen könne hier hilfreich ein. Besondere, wachsende Bedeutung komme dem Internet als Medium der Zukunft zu. Dem Vorschlag, die Anforderungen der Korporationen an ihren Nachwuchs herunterzuschrauben, wurde entgegengehalten, daß man Forderungen an die Jungend stellen müsse. Die für uns relevante Zielgruppe habe Wertvorstellungen und sei bereit, für diese auch etwas zu leisten.

Abends folgte auf dem Hause der B! Franco-Bavaria (DB) ein Verbändekommers, der von den Chargen des gastgebenden Bundes gut geleitet wurde. Die etwa 150 Teilnehmer erlebten einen würdigen Kommers, in dessen Verlauf der langjährige CDA-Vorsitzende und Träger der Fabrizius-Medaille um besondere Verdienste des CDA, Wbr. U. Donath (DC), in seiner Festrede die 50-jährige Geschichte des CDA würdigte. Der Kommers endete um etwa 23.30 Uhr mit dem Absingen der Bayern-Hymne und der 3. Strophe des Liedes der Deutschen. Aus burschenschaftlicher Sicht war erfreulich, daß nicht wenige Aktive der Münchener DB-Bünde am Kommers teilnahmen hatten.

Am Sonntag morgen tagten zeitgleich der CDA-Convent (auf dem Hause des C! Germania, WSC) und der CDK-Convent (auf dem Hause der B! Cimbria, DB). Eine Veröffentlichung der auf den Conventen besprochenen Themen obliegt dem CDA/CDK-Vorstand. Dem soll hier nicht vorgegriffen werden.


Quelle:
Sebastian Eickenbusch, Frankfurt-Leipziger Burschenschaft Arminia
CDA/CDK-Beauftragter der Deutschen Burschenschaft