Deutsche Burschenschaft und Robert Schumann (1810-1856)

Robert Schumann als Student
Robert Schumann als Student

Robert Schumann (1810-1856)
Mitglied der Burschenschaft Markomannia Leipzig
und des Corps Saxo-Borussia Heidelberg

Anläßlich des 150. Todestages von Robert Schumann möchte die Deutsche Burschenschaft - repräsentiert durch das Archiv und die Bücherei der Deutschen Burschenschaft - zum Gedenken an einen der bedeutendsten deutschen Komponisten beitragen.

Im Jahr 2006, am 28. Juli, jährt sich der 150. Todestag des Komponisten Robert Schumann, dessen weltweit und in seiner Geburtsstadt Zwickau und an seinen hervorragendsten Wirkungsstätten Leipzig und Düsseldorf besonders gedacht wird. Schumann, einer der bedeutendsten deutschen Komponisten, erhielt bereits mit sieben Jahren Klavierunterricht. Der Tod seines Vaters verhinderte das Studium bei Carl Maria von Weber - der Vertoner der "burschenschaftlichen Ur-Lieder", etwa "Lützows wilder, verwegener Jagd" -, so daß Schumann in Leipzig und Heidelberg ohne Neigung Jura studierte.

Robert Schumann 1839
Robert Schumann 1839

Stattdessen widmete er sich fast ganz der Musik, nahm Unterricht beim Musikpädagogen Friedrich Wieck in Klavier und Theorie und bildete sich selbst anhand Johann Sebastian Bachs "Wohltemperiertem Klavier" fort.

Die Zerrung eines Fingers vereitelte die Laufbahn Schumanns als Klaviervirtuose, doch fast zeitgleich entstanden die ersten Kompositionen, die er einem Kreis von Künstlern, den im Leipziger Lokal "Zum Kaffeebaum" tagenden "Davidsbündlern", vortrug.

Diesem Kreis gehörten auch einige Burschenschafter an. Schumann widmete der Runde seine "Davidsbündlertänze".

1834 gründete Schumann die "Neue Zeitschrift für Musik", 1840 heiratete er gegen den Widerstand Wiecks dessen Tochter Clara. In diesem Jahr verlieh die Philosophische Fakultät der Universität Jena Schumann auch die Ehrendoktorwürde.

Clara und Robert Schumann 1847
Clara und Robert Schumann 1847

Den durch Romantik und Idealismus beeinflußten Schumann kennzeichneten "ein innerliches Wesen". Er war als Musiklehrer und Dirigent wenig erfolgreich und als Komponist zunächst kaum bekannt.

Felix Mendelssohn Bartholdy, selbst Mitglied der Leipziger Universitäts-Sängerschaft zu St. Pauli, brachte ihn 1843 ans Leipziger Konservatorium, im folgenden Jahr ging Schumann als Chorleiter nach Dresden. 1850 wurde er Städtischer Musikdirektor in Düsseldorf, wo er jedoch bis an sein Lebensende Demütigungen und Intrigen ausgesetzt war. Schumanns Wirkung entfaltete sich erst nach seinem Tode, vor allem seine Witwe Clara, selbst eine Klaviervirtuosin und berühmte Pianistin, machte ihn bekannt.

Kaum bekannt ist, daß Schumann sechs Tage bevor er sich am 29. März 1828 in Leipzig immatrikulierte, der dortigen Burschenschaft Markomannia anschloß. Später wechselte er nach Heidelberg, wo er Mitglied des Corps Saxo-Borussia wurde. Schließlich verlieh ihm die Leipziger Universitäts-Sängerschaft zu St. Pauli die Ehrenmitgliedschaft.

Robert Schumann 1850
Robert Schumann 1850

Schumann führte ein "wildbewegtes Studentenleben", war Schleppfuchs auf Mensur und Partei in einem Ehrenhandel.

Am 22. Februar 1830 lud er selbst "ein Dutzend Rhenanen, Westphalen, Alemannen, Preussen, Hanseaten" zu einer studentischen Kneipe auf seine Bude ein, am 12. Juni fachsimpelte er seinem Tagebuch zufolge mit Korporierten über die Mensur.

Schumann war von manchen Studenten enttäuscht: "Ach! Welche Ideale machte ich mir von einem Burschen und wie armselig fand ich sie meist ..." Er hing aber trotzdem an der Burschenschaft Markomannia. Einem Bundesbruder schrieb er: "Es ist mir lieb, daß ihr den ... Stiftungstag unseres Bruderbundes feierlich begangen habt ... halte nur darauf, daß er immer in derselben Blüthe bleibt ... und nimmer untergehe. Ich liebe ihn, wie einen jungen Fruchtbaum, den ich gepflanzt habe."

 

 

Die Literatur zu Robert Schumann ist kaum mehr zu überblicken. In unserem Zusammenhang ist hinzuweisen auf:

Funke, Oskar: Robert Schumann (1810-1856) - ein Meisterschicksal, in: [Leipziger] Pauliner-Zeitung 9 (1935), S. 176-180.

Grütter, Werner: Mein Leipzig lob' ich mir! - Robert Schumann und seine Musenstadt, in: Burschenschaftliche Blätter 111/3 (1996), S. 158-161.

Lönnecker, Harald: Lehrer und akademische Sängerschaft. Zur Entwicklung und Bildungsfunktion akademischer
Gesangvereine im 19. und frühen 20. Jahrhundert, in: Friedhelm Brusniak, Dietmar Klenke (Hg.): Volksschullehrer
und außerschulische Musikkultur. Tagungsbericht Feuchtwangen 1997, Augsburg 1998 (= Feuchtwanger Beiträge
zur Musikforschung, Bd. 2), S. 177-240.

Lönnecker, Harald: "Unzufriedenheit mit den bestehenden Regierungen unter dem Volke zu verbreiten".
Politische Lieder der Burschenschaften aus der Zeit zwischen 1820 und 1850, in: Max Matter, Nils Grosch (Hg.):
Lied und populäre Kultur. Song and Popular Culture, Münster, New York, München, Berlin 2004
(= Jahrbuch des Deutschen Volksliedarchivs Freiburg i. Br., Bd. 48/2003), S. 85-131.

Nübel, Rudolf: Robert Schumann und die Leipziger Burschenschaft 1828,
in: Burschenschaftliche Blätter 75/6 (1960), S. 134-135.

Semmel, Hans: Robert Schumann als Student, zugleich zum Gedenken an seinen 150. Geburtstag am 8. 6. 1960,
in: Einst und Jetzt. Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung 6 (1961), S. 52-58.

Sommerlad, Bernhard: Der Corpsstudent Robert Schumann,
in: Einst und Jetzt. Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung 22 (1977), S. 75-86.

Weber, Paul-Günther: Robert Schumann. Leipziger Burschenschafter und Heidelberger Corpsstudent,
in: Einst und Jetzt. Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung 35 (1990), S. 93-123.

Weiterführende Informationen im Internet

Robert-Schumann-Stadt Zwickau mit Robert-Schumann-Haus

Robert-Schumann-Forschungsstelle Düsseldorf

Robert-Schumann-Gesellschaft Düsseldorf

Robert-Schumann-Musikhochschule Düsseldorf

Robert-und-Clara-Schumann-Verein Leipzig

Robert-Schumann-Haus Bonn-Endenich

Robert-Schumann-Gesellschaft Zwickau

Robert-Schumann-Gesellschaft Frankfurt am Main