Naturwissenschaftler

Die uns heute vertraute lebenslange Mitgliedschaft in einer studentischen Korporation gibt es erst seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Einige der im folgenden genannten Verstorbenen zählten nur kurzfristig zu einer Burschenschaft, andere sind früh oder erst in späteren Jahren wieder ausgetreten bzw. erst im fortgeschrittenen Alter Ehrenmitglieder geworden. Bei manchen ist eine formale Zugehörigkeit zur Burschenschaft nicht genau nachweisbar, andere können auch als Corpsstudenten angesehen werden; die Abgrenzungen waren früher fließender als heute.

Jean Louis Rodolphe Agassiz (1807-1873),
schweizerisch-amerikanischer Zoologe, Palöontologe, Geologe und Eiszeitforscher; seit 1846 in den USA, gründete 1860 in Cambridge das erste amerikanische Museum für vergleichende Zoologie, entschiedener Gegner des Darwinismus.

Friedrich Wilhelm Argelander (1799-1875),
Astronom in Königsberg, Abo, Helsingfors und seit 1837 in Bonn; große Verdienste um die Erforschung der Position, Helligkeit und Eigenbewegung von Fixsternen; veröffentlichte 1843 seinen Atlas der mit bloßem Auge sichtbaren Sterne ("Uranometria nova").

Carl Bosch (1874-1940),
Chemiker, Ingenieur, Industrieller; 1919 Vorstandsvorsitzender der BASF, 1925 der IG Farbenindustrie; entwickelte 1908-1913 mit Alwin Mittasch die großtechnische Herstellung von Ammoniak, erhielt 1931 mit Friedrich Bergius den Nobelpreis für Chemie.

Adolf Bückmann (1900-1993),
bedeutendster deutscher Meeresbiologe; 1923-1945 an der Biologischen Anstalt Helgoland und Direktor des Hamburger Instituts für Walforschung, 1948-1953 Leiter des Max-Planck-Instituts für Meeresbiologie in Wilhelmshaven, 1953 Vorsitzender der Deutschen wissenschaftlichen Kommission für Meeresforschung, Direktor der Biologischen Anstalt Helgoland und Professor für Hydrobiologie und der Fischereiwissenschaft an der Universität Hamburg.

Moritz Benedikt Cantor (1829-1920),
Mathematiker und Mathematikhistoriker, 1863-1913 Professor in Heidelberg, erster Professor für Geschichte der Mathematik ("Vorlesungen über Geschichte der Mathematik", 4 Bde., 1880-1908, Nachdruck 1968).

Richard Dedekind (1831-1916),
Mathematiker, 1858 Professor in Zürich, seit 1862-1894 in Braunschweig; einer der Wegbereiter der modernen Algebra, befaßte sich auch mit der Mengenlehre; berühmt durch seine Schriften "Stetigkeit und irrationale Zahlen" (1872) und "Was sind und was sollen Zahlen" (1888), in denen er die nach ihm benannte Theorie der reellen Zahlen entwickelte ("Dedekindscher Schnitt").

Emil Erlenmeyer (1825-1909),
Chemiker, 1863 Professor in Heidelberg, 1868-1883 in München; trug wesentlich zur Verbreitung der Atomtheorie und der Avogradoschen Hypothese bei, arbeitete über die Struktur der organischen Verbindungen, definierte 1862 als erster die Doppel- und Dreifachbindung und führte den nach ihm benannten Erlenmeyer-Kolben in die Labortechnik ein.

Abraham Esau (1884-1955),
Physiker und Hochfrequenztechniker, 1925 Professor in Jena, 1939-1945 in Berlin, dort gleichzeitig Präsident der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt, Pionierarbeit auf den Gebieten der Wellentechnik für die Nachrichtenübermittlung und für medizinische Zwecke.

Hans Fischer (1881-1945),
Chemiker, Professor in Innsbruck, Wien und (seit 1921) an der TH München; Forschungen über Blut- und Blattfarbstoffe, erhielt für die Synthese des Hämins (1928) sowie für seine Forschungen über das Chlorophyll 1930 den Nobelpreis für Chemie.

Hans Geiger (1882-1945),
Physiker, 1912-1925 Leiter des Laboratoriums für Radioaktivität an der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt in Berlin, 1925 Professor in Kiel, 1929 in Tübingen, ab 1936 an der TH Berlin; entwickelte 1928 mit Erwin Wilhelm Müller den Geigerzähler, eines der wichtigsten Meßgeräte der Kernphysik.

Heinrich Hertz (1857-1894),
Physiker ("Prinzipien der Mechanik", 1894), 1885-1889 Professor in Karlsruhe; entdeckte die Hertzschen Wellen, eine der Grundlagen der heutigen Funktechnik.

Friedrich Kohlrausch (1840-1910),
Physiker, 1895-1905 Präsident der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt in Berlin-Charlottenburg, zu deren Weltgeltung er wesentlich beitrug; arbeitete über das Leitvermögen der Elektrolyte, bestimmte 1885 die absolute Wanderungsgeschwindigkeit von Ionen (K.-Gesetz) und entwickelte elektrische und magnetische Meßinstrumente.

Leopold Kronecker (1823-1891),
Mathematiker, seit 1861 Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, seit 1863 Professor in Berlin, wichtige Beiträge zur Algebra und zur Arithmetik ("Kronecker-Symbol", "Deltasymbol").

Carl Liebermann (1842-1914),
Vetter des Malers Max L., Chemiker, seit 1873 Professor in Berlin (zunächst an der Technischen Hochschule, ab 1879 an der Universität, 1914 am Kaiser-Wilhelm-Institut), 1869 mit Carl Graebe Entdecker des künstlichen Farbstoffs Alizarin.

Alexander Mitscherlich (1836-1918),
Chemiker, 1868-1883 Professor in Hannoversch-Münden, dann Privatgelehrter; entwickelte ab 1874 ein technisch brauchbares Verfahren zur Gewinnung von Zellstoff aus Holz (Sulfit-Verfahren).

Wilhelm Pfeffer (1845-1920),
Chemiker und Botaniker, Professor in Bonn, Basel, Tübingen und Leipzig, Entdecker der Osmose, arbeitete auch über Pflanzenphysiologie.

Christian Friedrich Schönbein (1799-1868),
Chemiker, ab 1828 Professor in Basel, Entdecker des Ozons (1839) und Erfinder der Schießbaumwolle (1845), Mitbegründer der Geochemie.

Arnold Sommerfeld (1868-1951),
(Atom-)Physiker, ab 1897 Professor in Clausthal-Zellerfeld, ab 1900 in Aachen, ab 1906 in München; erweiterte das Bohrsche Atommodell 1915 zur Bohr-Sommerfeldschen Atomtheorie, Verfasser von Standardwerken der Atomphysik.

Carl August Ritter von (seit 1868) Steinheil (1801-1870),
Physiker und Astronom, seit 1832 Professor in München, hervorragender Konstrukteur optischer und elektrischer Instrumente (u. a. erster benutzbarer elektromagnetischer Schreibtelegraf 1836, erste galvanische, mit Strom betriebene Uhr 1838); gründete 1855 eine optisch-astronomische Werkstätte, die unter Leitung seines Sohnes Hugo Adolph Weltgeltung erlangte.

Emil Warburg (1846-1931),
Physiker, 1872 Professor in Straßburg, 1875 in Freiburg im Breisgau, seit 1895 in Berlin, u. a. gelang ihm 1875/76 die experimentelle Bestätigung der kinetischen Gastheorie (mit A. Kundt) und 1880 der Nachweis der Hysterese ferromagnetischer Stoffe; formulierte das nach ihm benannte "Warburg-Gesetz".

Richard Wettstein Ritter von Westersheim (1863-1931),
Österreichischer Botaniker, 1892 Professor an der Deutschen Universität Prag, 1899 Professor und Leiter des Botanischen Gartens in Wien, Forschungsreisen nach Brasilien sowie Süd- und Ostafrika, einer der bedeutendsten Vertreter der phylogenetischen Forschungsrichtung der Pflanzensystematik ("Handbuch der systematischen Botanik", 2 Bde., 1901-1908, 4. Aufl. 1934).

Otto zur Strassen (1869-1961),
1898/99 Teilnehmer der ersten deutschen Tiefsee-Expedition, 1901 Professor in Leipzig, 1904-1934 Direktor des Senckenberg-Museums in Frankfurt a. M., 1914-1937 erster Lehrstuhlinhaber für Zoologie an der dortigen Universität, Herausgeber von "Brehms Tierleben" (13 Bde., 1911-1918).

 

 

Text und Bilder: Peter Kaupp und Helge Dvorak
Gestaltung: Markus Lenz