Mediziner


Die uns heute vertraute lebenslange Mitgliedschaft in einer studentischen Korporation gibt es erst seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Einige der im folgenden genannten Verstorbenen zählten nur kurzfristig zu einer Burschenschaft, andere sind früh oder erst in späteren Jahren wieder ausgetreten bzw. erst im fortgeschrittenen Alter Ehrenmitglieder geworden. Bei manchen ist eine formale Zugehörigkeit zur Burschenschaft nicht genau nachweisbar, andere können auch als Corpsstudenten angesehen werden; die Abgrenzungen waren früher fließender als heute.

Ludwig Aschoff (1866-1942),
bedeutendster Pathologe neben Virchow; 1903 Professor in Marburg, 1906 in Freiburg i. Br.; erforschte u. a. das Reizleitungssystem des Herzens, entwickelte die Lehre des retikuloendothelialen Systems und entdeckte 1904 die nach ihm benannten Rheumaknötchen im Herzmuskel; 1908/09 Mitgründer der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung.

Erwin von Bälz (1849-1913),
Arzt und Anthropologe; 1876 Professor für Innere Medizin an der Universität Tokyo, dort kaiserlicher Leibarzt und großer Einfluß auf die Entwicklung der Inneren Medizin, der medizinischen Lehre und der Anthropologie in Ostasien; seit 1904 in Stuttgart, 1907 erster Vorsitzender der Tropenmedizinischen Gesellschaft.

Karl Heinrich Bauer (1890-1978),
Krebsforscher, 1926 Professor der Chirurgie in Göttingen, 1933 in Heidelberg, seit 1943 in Heidelberg; dort maßgeblicher Anteil an der Gründung des von ihm auch geleiteten Deutschen Krebszentrums der Universität Heidelberg.

Hans Berger (1873-1941),
Neurologe und Psychiater, Entdecker des Elektroenzephalogramms (EEG); Annahme des Nobelpreises von den Nationalsozialisten verwehrt.

Hans Gerhard Creutzfeld (1885-1964),
Neurologe, mit Alfons Jakob Entdecker der nach ihnen benannten chronisch-degenerativen Erkrankung des Nervensystems (Creutzfeld-Jakobsche Krankheit).

Johann Friedrich Dieffenbach (1792-1847),
Studium der Theologie, nach Teilnahme an den Freiheitskriegen (1813/14) der Medizin; 1830 Arzt an der Berliner Charité, 1840 o. Professor und Nachfolger Karl Ferdinand Graefes als Direktor des dortigen kgl. Chirurgischen Klinikums; gilt als "Vater der plastischen Chirurgie".

Friedrich von (seit 1887) Esmarch (1823-1908),
Chirurg, ab 1857 Professor in Kiel, als Generalarzt der Reserve Teilnahme am Krieg 1870/71, bedeutende Beiträge zur Unfall- und Kriegschirurgie; entwickelte die Methode, durch Abbinden mit einer Gummibinde bei Operationen oder Blutungen die Gliedmaßen blutleer zu machen ("Esmarch'sche Blutleere").

Walter Flemming (1843-1905),
Anatom, 1873 Professor in Prag, 1876-1901 in Kiel, grundlegende Arbeiten zur Zellteilung, verbesserte die histologischen Färbe- und Konservierungstechniken ("Flemmingsche Lösung").

Bernhard von (seit 1875) Gudden (1824-1886),
Psychiater, Miterstatter des Gutachtens über König Ludwig II. von Bayern (Diagnose: Paranoia), ertrank mit dem König unter ungeklärten Umständen im Starnberger See.

Richard Freiherr von Krafft-Ebing (1840-1902),
Psychiater, Professor in Straßburg, Graz und Wien, grundlegende Forschungen auf dem Gebiet der Sexualpathologie ("Psychopathia sexualis", 1886) und der Kriminalpsychologie.

Ludolf von (seit 1904) Krehl (1861-1937),
Internist, Professor in Jena, Marburg, Greifswald, Göttingen, Straßburg und Heidelberg, umfassende physiologische und pathologische Arbeiten auf den Gebiet des Blutkreislaufs und der Wärmeregulation.<//td>

Otto Loewi (1873-1961),
deutsch-amerikanischer Physiologe und Pharmakologe, seit 1909 Professor in Graz, ab 1939 am University College of Medicine in New York, arbeitete vor allem über das vegetative Nervensystem, erhielt 1936 mit Sir Henry Dale den Nobelpreis für Medizin.

Otto Lubarsch (1860-1933),
Pathologe, Schüler von Ernst Haeckel und Rudolf Virchow, a. o. Professor 1894 in Rostock und 1899 in Posen, 1913 Ordinarius in Kiel, 1917 in Berlin; Forschungen und Publikationen in nahezu allen Bereichen der allgemeinen und speziellen Pathologie; 1891 Mitgründer des Alldeutschen Verbandes.

Johannes Müller (1801-1858),
1826 Professor der Medizin in Bonn, 1833 in Berlin, universaler Forscher auf den Gebieten der Anatomie, Embryologie und Physiologie; vollzog den Wandel von der naturphilosophisch orientierten zur modernen, naturwissenschaftlich fundierten Medizin und gilt als Begründer der neuzeitlichen Physiologie.<//td>

Theodor Schwann (1810-1882),
Arzt und Naturforscher, ab 1839 Professor in Löwen, ab 1848 in Lüttich, entwickelte mit Matthias Jakob Schleiden die Zellenlehre ("Schwann-Zelle") und entdeckte 1836 das Pepsin.

Karl Vogt (1817-1895),
Mediziner, Naturforscher, 1847-1849 Professor der Zoologie in Gießen, 1852-1895 der Geologie (seit 1872 auch der Paläontologie, Zoologie und vergleichenden Anatomie); Paulskirchenabgeordneter, 1878-1881 Schweizer Nationalrat; Vorkämpfer des Materialismus und überzeugter Anhänger Darwins ("Affen-Vogt").

Oskar Vogt (1870-1959),
Neurologe, ab 1913 Professor in Berlin, 1937 Gründer und Leiter des Instituts für Hirnforschung in Neustadt/Schwarzwald, Arbeiten (meist mit seiner Frau Cécile) über Hirnforschung, Psychiatrie, Hypnose und Hirnpathologie, sezierte 1924 das Gehirn Lenins.

 

 

Text und Bilder: Peter Kaupp und Helge Dvorak
Gestaltung: Markus Lenz