Historiker, Politikwissenschaftler

Die uns heute vertraute lebenslange Mitgliedschaft in einer studentischen Korporation gibt es erst seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Einige der im folgenden genannten Verstorbenen zählten nur kurzfristig zu einer Burschenschaft, andere sind früh oder erst in späteren Jahren wieder ausgetreten bzw. erst im fortgeschrittenen Alter Ehrenmitglieder geworden. Bei manchen ist eine formale Zugehörigkeit zur Burschenschaft nicht genau nachweisbar, andere können auch als Corpsstudenten angesehen werden; die Abgrenzungen waren früher fließender als heute.

Hans Freiherr von und zu Aufseß (1801-1872),

Historiker; Begründer einer umfangreichen Sammlung von Altertümern, die auf Anregung König Ludwigs I. von Bayern der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde; seit 1847/48 in Nürnberg; 1852 Gründer und bis 1862 erster Vorstand des Germanischen Museums in Nürnberg.

Theodor Eschenburg (1904-1999),

Politikwissenschaftler; bis 1930 Deutsche Volkspartei, danach Deutsche Staatspartei; enge Kontakte zu G. Stresemann; 1952-1973 Professor für Wissenschaftliche Politik in Tübingen; befaßte sich vor allem mit dem politischen System und der Verwaltung in der Bundesrepublik Deutschland.

Julius Ficker (1885 Ritter von Feldhaus) (1826-1902),

Historiker und Rechtshistoriker, Professor in Bonn und Innsbruck, Arbeiten zur historischen Urkundenkritik und zur mittelalterlichen Verfassungsgeschichte.

Otto Hintze (1861-1940),

Historiker ("Die Hohenzollern und ihr Werk", 1915), 1899-1920 Professor in Berlin, Vertreter einer die Sozialgeschichte integrierenden vergleichenden Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte; 1908/09 Mitgründer der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung.

Heinrich Friedjung (1851-1920),

österreichischer Historiker und Publizist, Vertreter einer "großdeutschen" Geschichtsschreibung ("Der Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland", 1859-1866); Mitverfasser des "Linzer Programms" der deutschnationalen Bewegung, von der er sich jedoch bald trennte.

Reinhold Koser (1852-1914),

Historiker, Archivar, 1882-1884 Geheimer Staatsarchivar, 1884 a. o. Professor in Berlin, 1891 Ordinarius in Bonn, 1896 Direktor der Staatsarchive in Preußen, Historiograph des Preußischen Staates, seit 1905 Vorsitzender der Zentraldirektion der "Monumenta Germaniae Historica", arbeitete vor allem über Friedrich den Großen; 1908/09 Mitgründer der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung.

Heinrich Leo (1799-1878),

zunächst Anhänger der politisch radikalen Gießener "Schwarzen", später antirevolutionärer konservativer Historiker und Kritiker der Burschenschaft, seit 1863 lebenslanges Mitglied des preußischen Herrenhauses.

Franz (Francis) Lieber (1798-1872),

Amerikanischer Staatswissenschaftler deutscher Herkunft, Wegbereiter der Politischen Wissenschaft in den USA; sein Militärverwaltungsrecht (1863) wurde 1870 auch von Preußen übernommen und ging in die Haager Konvention von 1899 und 1907 ein.

Friedrich Meinecke (1862-1954),

Historiker ("Weltbürgertum und Nationalstaat", 1908), 1901 Professor in Straßburg, 1906 in Freiburg i. Br., 1914-1928 in Berlin, entschiedener Gegner des Nationalsozialismus ("Die Deutsche Katastrophe", 1946), 1948 erster Rektor der unter seiner Mitwirkung gegründeten Feien Universität Berlin.

Theodor Mommsen (1817-1903),

Historiker, 1848 als Redakteur in Rendsburg an der Märzrevolution beteiligt und Professor für römisches Recht in Leipzig, 1852 in Zürich, 1854 in Breslau und 1858 Professor für alte Geschichte in Berlin; 1902 als erster Deutscher Nobelpreis für Literatur.

Wilhelm Oncken (1838-1905),

Historiker, seit 1870 Professor in Gießen, 1877/78 Rektor, Herausgeber der "Allgemeinen Geschichte in Einzeldarstellungen" (44 Bde., 1877-1893) mit eigenen Beiträgen zur Geschichte des 18. und 19. Jahrhunderts; 1873-1876 Abgeordneter der Zweiten Hessischen Kammer, 1874-1877 des Deutschen Reichstags.

Johannes Adolf Franz Overbeck (1826-1895),

Neffe des Malers Johann Friedrich O. (1755-1821), Kunsthistoriker und Archäologe, Hauptvertreter der kunstmythologischen Schule der Archäologie, seit 1853 Professor in Leipzig, 1875/76 Rektor, auch Wegbereiter des Leipziger Hochschulsports.

Heinrich Ritter von Srbik (1878-1951),

österreichischer Historiker, 1912-1922 Professor in Graz, 1922-1945 in Wien; 1929/30 Unterrichtsminister, 1938-1945 Reichstagsabgeordneter und Präsident der Akademie der Wissenschaften in Wien; Vertreter einer gesamtdeutschen Geschichtsauffassung; 1908/09 Mitgründer der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung.

Heinrich von Treitschke (1834-1896),

Historiker, politischer Publizist; 1863 Professor für Staatswissenschaft in Freiburg, 1866 in Berlin einer der wichtigsten publizistischen Mitarbeiter Bismarcks ("Herold der Reichsgründung"), 1866 Professor für Geschichte in Kiel, 1867 in Heidelberg, 1874 in Berlin; 1871-1884 Reichstagsabgeordneter, Hauptwerk: "Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert" (1879-1894).

 

 

Text und Bilder: Peter Kaupp und Helge Dvorak
Gestaltung: Markus Lenz