Dichter, Schriftsteller, Publizisten


Die uns heute vertraute lebenslange Mitgliedschaft in einer studentischen Korporation gibt es erst seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Einige der im folgenden genannten Verstorbenen zählten nur kurzfristig zu einer Burschenschaft, andere sind früh oder erst in späteren Jahren wieder ausgetreten bzw. erst im fortgeschrittenen Alter Ehrenmitglieder geworden. Bei manchen ist eine formale Zugehörigkeit zur Burschenschaft nicht genau nachweisbar, andere können auch als Corpsstudenten angesehen werden; die Abgrenzungen waren früher fließender als heute.

Willibald Alexis (eigentlich Wilhelm Häring) (1798-1871),

Schriftsteller und Dichter, bekannt durch seine Romane über Themen der brandenburgisch-preußischen Geschichte (u. a. "Die Hosen des Herrn von Bredow", 1846) und als Mitherausgeber von Kriminalgeschichten ("Der neue Pitaval", 1842-1862).

Berthold Auerbach (eigentlich Moses Baruch Auerbacher) (1812-1882),

Schriftsteller, mit seinen "Schwarzwälder Dorfgeschichten" (4 Bde., 1843-1854) einer der meistgelesenen Erzähler der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, Verfechter der Judenemanzipation.

Hermann Bahr (1863-1934),

Schriftsteller, Theaterkritiker in Wien, Regisseur bei Max Reinhardt, Dramaturg am Burgtheater; schrieb sieben Romane eines geplanten zwölfbändigen Österreich-Zyklus, außerdem zahlreiche Gesellschaftsstücke ("Das Konzert", 1909).

Eduard von Bauernfeld (1802-1890),

österreichischer Schriftsteller; erfolgreich durch Lustspiele, Konversations- und Salonstücke nach französischem Vorbild; Freund von Franz Schubert, Moritz von Schwind und besonders von Franz Grillparzer.

August Daniel von Binzer (1793-1868),

Dichter und Schriftsteller; schrieb aus Anlaß der Auflösung der Jenaischen Burschenschaft 1819 das bekannte Lied "Wir hatten gebauet ..."; 1834 Redakteur der "Zeitung für die elegante Welt" in Leipzig, 1835 Schriftleitung des "Allgemeinen Organs für Handel und Gewerbe" in Köln; lebte zuletzt in Wien.

Hans Friedrich Blunck (1888-1961),

Schriftsteller; behandelte insbesondere nordische Themen und solche aus der hanseatischen Geschichte, z. T. unter Betonung des Reichsgedankens und "völkischer" Ideen, 1933-1935 Präsident der Reichsschrifttumskammer.

Richard Dehmel (1863-1920),

Dr. phil., Schriftsteller und bis 1895 Sekretär bei einem Versicherungsverband; 1895 Mitbegründer der Kunstzeitschrift "Pan"; begann mit sozialer Lyrik, schrieb später Romane ("Zwei Menschen", 1903), außerdem Dramen, Prosa, Kindergedichte und Kindergeschichten; förderte Rilke, Thomas Mann und Hermann Hesse, befreundet mit Detlev von Liliencron.

Ludwig Eichrodt (Pseudonym Rudolf Rodt) (1827-1892),

Jurist und Dichter; veröffentlichte u. a. 1855-1857 mit Adolf Kussmaul in den "Fliegenden Blättern" die parodistischen Gedichte des "schwäbischen Schullehrers Gottlieb Biedermaier" und prägte damit die Bezeichnung "Biedermeier" für den Lebensstil der Zeit des Vormärz.

Walter Flex (1887-1917),

vaterländischer Dichter; mit seinem Hauptwerk "Der Wanderer zwischen beiden Welten" (1917) erheblicher Einfluß auf die national gesinnte Jugend der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.

Karl Emil Franzos (1848-1904),

österreichischer Schriftsteller, Wiederentdecker und Herausgeber der Werke Georg Büchners. Seine Erzählungen und Romane reflektieren die Welt des osteuropäischen Judentums und die Spannungen, denen er als Jude und Deutscher in Polen ausgesetzt war.

Julius Fröbel (1805-1893),

Neffe des Pädagogen Friedrich F., politischer, wissenschaftlicher und belletristischer Schriftsteller und Verleger, Politiker, 1836-1842 Professor der Mineralogie in Zürich, Paulskirchenabgeordneter, 1873-1888 deutscher Konsul in Smyrna und Algier.

Emanuel Geibel (1815-1884),

Schriftsteller, Lyriker ("Der Mai ist gekommen", 1841), "offizieller" und gefeierter Dichter der deutschen Einigung unter Preußens Führung ("Gedichte" 1840, 100. Aufl. 1884).

Wilhelm Hauff (1802-1827),

Dichter, schrieb Erzählungen und Märchen ("Das kalte Herz", "Zwerg Nase"), im Gefolge Walter Scotts mit Willibald Alexis Begründer des historischen Romans in Deutschlands ("Der Mann im Monde", 1826).

Heinrich Heine (1797-1856),

Dichter und Lyriker ("Reisebilder", 1826-1827, "Buch der Lieder" 1827). Geißelte in seinem Epos "Deutschland, ein Wintermärchen" die Zustände in Deutschland; revolutionäre Haltung gegenüber Staat und Kirche, Bekanntschaft und Briefwechsel mit Karl Marx.

Georg Herwegh (1817-1875),

Schriftsteller, Verfasser politisch revolutionärer Gedichte ("Gedichte eines Lebendigen", 1841-1843), dichterischer Wegbereiter und aktiver Teilnehmer am badischen Aufstand von 1848.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874),

Germanist und Schriftsteller ("Unpolitische Lieder", 1840-1841), Verfasser von Kinder- u. a. Liedern ("Alle Vogel sind schon da", "Kuckuck") sowie des später zur Nationalhymne gewordenen "Liedes der Deutschen" (1841).

Robert Hohlbaum (1886-1955),

österreichischer Schriftsteller, Verfasser von politischen Romanen mit Problemen der deutsch-österreichischen Geschichte, von Romanen und Novellen über Künstlerpersönlichkeiten sowie von Gedichten, Dramen und Essays.

Karl von Holtei (1798-1880),

Schriftsteller, hervorragender Shakespeare-Rezitator; Verfasser erfolgreicher, publikumswirksamer und rührseliger Singspiele; schrieb außerdem Mundartgedichte und Romane aus dem Theatermilieu; trat, obwohl evangelisch, nach einem unsteten Künstlerleben 1876 in ein Kloster in Breslau ein.

Mirko Jelusich (1886-1969),

Schriftsteller; Studium der Philosophie, Geschichte und des Sanskrit (1912 Dr. phil. in Wien); 1923 Theaterkritiker bei der "Deutsch- österreichischen Tageszeitung", Ende der 1920er Jahre Anschluß an den Nationalsozialismus, 1938 kommissarischer Leiter des Wiener Burgtheaters, schrieb u. a. Romane über heroische Führergestalten ("Cäsar" 1929, "Oliver Cromwell" 1940).

August Julius Langbehn, genannt "der Rembrandtdeutsche" (1851-1907),

Schriftsteller und Kulturphilosoph, erregte großes Aufsehen durch sein anonym erschienenes zeitkritisches Werk "Der Rembrandtdeutsche" (1890, 85 Auflagen bis 1936).

Heinrich Laube (1806-1884),

Schriftsteller, Publizist, zeitweiliger Wortführer ("Das neue Jahrhundert", 1833, "Das junge Europa, 1833-1837) des Jungen Deutschlands, Paulskirchenabgeordneter ("Das erste deutsche Parlament", 1849), 1849-1867 Leiter des Wiener Burgtheaters.

Karl Gottfried Ritter von Leitner (1800-1890),

österreichischer Schriftsteller, Gymnasiallehrer in Cilli und Graz, 1837-1854 landständischer Sekretär, bekannt vor allem durch seine z. T. von Schubert vertonten Gedichte.

Nikolaus Lenau (1802-1850),

eigentlich Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau (seit 1820), österreichischer Dichter, "Lyriker der Melancholie" ("Lieblich war die Maiennacht ..."), 1831 Kontakte zur schwäbischen Dichterschule (u. a. Ludwig Uhland), 1832-1833 in den USA; starb in einer psychiatrischen Heilanstalt.

Wolfgang Menzel (1798-1873),

Schriftsteller, Redakteur und Literaturkritiker und -historiker, 1831 und 1848 württembergischer Landtagsabgeordneter; zunächst liberal, später zunehmend reaktionär; Gegner Goethes und des Jungen Deutschlands.

Walter Ritter von Molo (1880-1958),

Studium des Maschinenbau und der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Wien, Ingenieur, seit 1913 Schriftsteller in Wien; 1919 in Berlin Mitgründer des Deutschen PEN-Clubs; schrieb historisch-biographische Romane (u. a. den vierbändigen Schiller-Roman "Ums Menschentum", 1912), Dramen und Lyrik.

Julius Mosen (ursprünglich J. Moses) (1803-1867),

Schriftsteller, Advokat in Dresden, später Dramaturg am Hoftheater in Oldenburg, Verfasser von Geschichtsdramen, Erzählungen und eines Romans sowie z. T. sehr volkstümlicher Gedichte, Schöpfer des Andreas-Hofer-Liedes ("Zu Mantua in Banden", 1831), der heutigen Landeshymne von Tirol.

Ernst Elias Niebergall (1815-1843),

während seines Theologiestudiums mit Georg Büchner befreundet, Lehrer in Darmstadt und Dieburg, Dichter in Darmstädter Mundart ("Der Datterich", 1841).

August Graf von Platen-Hallermünde (1796-1835),

Dichter, lebte ab 1826 ständig in Italien; erfolgreich vor allem durch seine Gedichte ("Sonette aus Venedig", 1825) und die Ballade "Das Grab im Busento" (1820), weniger durch seine epischen und dramatischen Werke; mit seinen radikal-politischen Gedichten ("Polenlieder" 1831/32) großer Einfluß auf Georg Herwegh und Ferdinand Freiligrath; Vorbild für die Figur Aschenbachs in Thomas Manns Novelle "Der Tod in Venedig" (1912).

Fritz Reuter (1810-1874),

niederdeutscher Dichter, 1833-1840 inhaftiert ("Ut mine Festungstid", 1862), Verfasser zahlreicher volkstümlicher, oft humorvoller sozialkritischen Versepen ("Ut de Franzosentid", 1859, "Hanne Nüte un de lütte Pudel", 1860, "Ut mine Stromtid", 1862-1863).

August Ludwig von Rochau (1810-1873),

Publizist, 1833 Beteiligung am Frankfurter Wachensturm, Wandel vom radikalen Revolutionär zum pragmatischen Reformer, Reichstagsabgeordneter, mit seinen "Grundsätzen der Realpolitik ..." (1853-1859) wichtiger publizistischer Wegbereiter der deutschen Reichseinigung.

Hermann Rollett (1819-1904),

österreichischer Schriftsteller ("Republikanisches Liederbuch", 1848), wegen seiner politischen Einstellung in den 1840er Jahren Aufenthalt in Deutschland und der Schweiz, ab 1876 Stadtarchivar in Baden.

Otto Roquette (1824-1896),

Schriftsteller und Literaturhistoriker, 1863 Professor an der Kriegsakademie Berlin, 1867 an der Gewerbeakademie ebd., 1869 am Polytechnikum in Darmstadt; 1893 Geheimer Hofrat; schrieb Romane, Novellen, Erzählungen, Gedichte und Operlibretti. Sein Versepos "Waldmeisters Brautfahrt" (1851) und sein "Liederbuch" (1852) zählten zu den erfolgreichsten Büchern seiner Zeit.

Arnold Ruge (1802-1880),

Publizist, Politiker, 1838 Mitbegründer der "Halleschen Jahrbücher für deutsche Wissenschaft und Kunst", Organ der Linkshegelianer, 1844 mit Marx Herausgeber der "Deutsch-Französischen Jahrbücher", Paulskirchenabgeordneter (äußerste Linke).

Karl Schapper (1812-1870),

autodidaktischer sozialistischer Publizist, befreundet mit Karl Marx und Friedrich Engels, deutscher Vertreter in der ersten Arbeiter-Internationale ab 1845, Mitunterzeichner der "Forderungen der kommunistischen Partei in Deutschland" (1848).

Joseph Victor von Scheffel (1826-1886),

Dichter, 1848 Sekretär des badischen Bundesgesandten K. T. Welcker, seit 1857 Archivar und Bibliothekar in Donaueschingen; Verfasser populärer Verserzählungen ("Der Trompeter von Säckingen", 1854), Gedichte ("Gaudeamus", 1868), zahlreicher Studentenlieder (u. a. "Alt Heidelberg, du feine", "Wohlauf, die Luft geht frisch und rein", "Im schwarzen Walfisch zu Askalon"); auch Zeichner und Aquarellist.

Friedrich Schulz (seit 1847 Schulz-Bodmer) (1797-1860),

politischer Publizist; Strafverfahren, Haft und Ausweisung wegen Veröffentlichung oppositioneller Schriften; Exil in Frankreich und in der Schweiz; Verfasser zahlreicher politischer, wissenschaftlicher und belletristischer Werke; 1848/49 Paulskirchenabgeordneter.

Franz Schuselka (1811-1886),

fruchtbarer belletristischer und politischer Schriftsteller, Flucht vor der Zensur und drohender Haft, wechselnde Aufenthalte in Deutschland und Österreich, Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung und 1861-1865 des Niederösterreichischen Landtags.

Friedrich Spielhagen (1829-1911),

Schriftsteller, ab 1854 Gymnasiallehrer in Leipzig, 1860-1862 Feuilletonredakteur in Hamburg, 1878-1884 Herausgeber von "Westermann's illustrirten deutschen Monatsheften", einer der erfolgreichsten Romanciers der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, schrieb auch Novellen, Lyrik und Dramen sowie theoretische Schriften zu Roman und Drama.

Theodor Storm (1817-1888),

Jurist (später Landvogt und Oberamtsrichter) und Dichter; schon früh als Lyriker und Novellist ("Immensee", 1849, "Der Schimmelreiter", 1888) erfolgreich; befreundet mit den Brüdern Theodor und Tycho Mommsen (gemeinsamer Gedichtband "Liederbuch dreier Freunde", 1843).

Moritz Graf von Strachwitz (1822-1847),

Dichter, bekannt durch seine patriotischen, phantasievollen und bildreichen Balladen ("Das Herz von Douglas") aus mittelalterlichen und nordischen Themenkreisen; großer Einfluß auf die Balladendichtungen Theodor Fontanes, Detlev von Liliencrons und Borries von Münchhausens.

Johannes Trojan (1837-1915),

Schriftsteller und Journalist, 1886-1909 Chefredakteur der Zeitschrift "Kladderadatsch", scharfer politischer Satiriker; schrieb auch Erzählungen, Lyrik, Humoresken sowie botanische Studien.

Ludwig Uhland (1787-1862),

1862 Ehrenmitglied; Dichter und Germanist, Anwalt, liberaler Abgeordneter im württembergischen Landtag, 1830 Professor für deutsche Literatur in Tübingen, Paulskirchenabgeordneter, seit 1850 Privatgelehrter; bedeutendster Vertreter der schwäbischen Romantik (Gedichte, Balladen, historische Dramen).

Friedrich Theodor von Vischer (1807-1887),

Schriftsteller, Philosoph, streitbarer und wortgewaltiger Publizist; ab 1837 Professor in Tübingen, 1855 am Züricher, 1866 am Stuttgarter Polytechnikum; liberaler Paulskirchenabgeordneter; trat auch als Literaturhistoriker und -kritiker hervor.

Ludolf Wienbarg (Pseudonyme Ludolf Vineta, Freimund) (1802-1872),

Schriftsteller, Wortführer des "Jungen Deutschlands", gab dieser literarischen Bewegung seinen Namen ("Aesthetische Feldzüge", 1834, mit der Widmung "Dir, junges Deutschland"), mit Karl Gutzkow Gründer der radikalen "Deutschen Revue", wurde nach Schreibverbot ausgewiesen.

Adolf von (seit 1884) Wilbrandt (1837-1911),

Schriftsteller, 1881-1887 Direktor des Wiener Burgtheaters, schrieb seinerzeit vielgespielte historische Dramen und Schlüsselromane aus dem Münchner Künstlermilieu ("Herman Ifinger", 1892).

Karl Hermann Wolf (1862-1941),

Redakteur und Herausgeber der "Ostdeutschen Rundschau", 1897 als Mitglied der Alldeutschen Partei Schönerers österreichischer Reichsratsabgeordneter.

Wilhelm Wolff (1809-1864),

Publizist, Politiker; in den 1840er Jahren führende Beteiligung an der demokratischen und sozialen Bewegung in Schlesien, seit 1848 im Exil (Brüssel, London, Paris) eifriger Propagandist des Kommunismus, Mitunterzeichner der "Forderungen der Kommunistischen Partei in Deutschland", Paulskirchenabgeordneter; Freund von Karl Marx ("Lupus"), der ihm den 1. Band seines Hauptwerkes "Das Kapital" widmete.

 

 

Text und Bilder: Peter Kaupp und Helge Dvorak
Gestaltung: Markus Lenz