Das Langemarck-Denkmal und der Weihestein der Deutschen Burschenschaft

Langemarck - Außenansicht
Langemarck - Außenansicht

Zahlreiche Studenten kämpften im Ersten Weltkrieg, viele fielen. Seit 1919 gedachte die deutsche Studentenschaft in jedem November ihrer Gefallenen, für die das Wort "Langemarck" steht. Der Mythos von Langemarck beruht vor allem auf dem Heeresbericht vom 10./11. November 1914: "Während der Feind unmittelbar an der Küste gegen Lombartzijde etwas Gelände gewinnt und den Ort besetzt, muß er mittags auf der Linie von Dixmuijden dem deutschen Druck weichen. Die Unsrigen stürmen die in einen Trümmerhaufen verwandelte Stadt [...] Weiter westlich dringen sie auf das westliche Ufer des Yser-Kanals vor. Westlich von Langhemarq stürmen unsere jungen Regimenter gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen unter dem Gesange: 'Deutschland, Deutschland über alles' und nehmen sie...".

Das Vorwärtsstürmen der national begeisterten Studenten ohne Rücksicht auf die eigenen Verluste machte sie zu Heroen ihrer Zeit, obwohl es auch kritische Stimmen wie die des Alten Herrn Prof. Dr. Dr. Otto Tornau gab. Er sprach von jenen Regimentern junger Studenten "unter der Führung von Reserveoffizieren, die bisher keine Verwendung gefunden hatten und denen jede Erfahrung in der Truppenführung fehlte [...] unter dem Kommando eines Generals, der im Infanterieangriff das entscheidende Mittel der Kriegsführung sah. Bis auf wenige liegen sie alle in Flanderns Erde." Tornau schließt: "Aber mit dem Wort 'Langemarck' haben sie der Nachwelt eine Mahnung hinterlassen, von der man nur hoffen kann, daß sie nie verblaßt." "Langemarck" stand seither ebenso für patriotische Pflichterfüllung der Studenten wie für die Sinnlosigkeit des Krieges.

Langemarck - Hofeingang
Langemarck - Hofeingang

Ungeachtet der Kontroverse, die bald um den genauen Ablauf der Ereignisse von Langemarck entbrannte, führten die Heroisierung des Kriegstodes und das Bedürfnis, die Toten zu betrauern und zu ehren, unmittelbar nach dem Krieg zur Errichtung von Denkmälern, sowohl der Universitäten und Hochschulen wie der Korporationen und ihrer Verbände. 1927 entstand die Idee, die elf Gräberstätten in und um Langemarck zusammenzufassen und ein Denkmal zu errichten, das vom Münchner Architekten Robert Tischler und Prof. Hacker geplant, durch die studentische "Langemarck-Spende" finanziert, zwischen 1930 und 1932 gebaut und am 10. Juli 1932 eingeweiht wurde. Es wurde durch den deutschen Gesandten in Belgien der Obhut der Vertretung der deutschen Hochschüler, der Deutschen Studentenschaft, übergeben und vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge unter seinem Vorsitzenden Siegfried Emmo Eulen (Mitglied der Burschenschaft Teutonia Freiburg) gepflegt.

Langemarck - Hain des Schweigens
Langemarck - Hain des Schweigens

Die Anlage umfaßt eine mit Rasen abgedeckte Trockenmauer. Am Eingang befindet sich eine Ehrenhalle. Bruchsteine aus Wesersandstein sind in unterschiedlich gegliederten Bändern gefügt, auf jede überflüssige Verzierung ist verzichtet. Schwere handgeschmiedete Tore schließen den Eingang vom Hof ab. Eulen fährt fort: "Die Ehrenhalle bewahrt in Eichenholz geschnitzt die Namen der hier bestatteten Kameraden und Kommilitonen, fast zehntausend an der Zahl. Auf einem Plattenweg zwischen Buchenhecken gelangt man zum Ehrenfeld, das von einem Wall gewaltiger Sarkophage, der alten Schützengrabenlinie folgend, durchzogen ist. Diese Sarkophage, die die Erstarrung der Front, den Stillstand des Bewegungskrieges, der nach dem deutschen Angriff auf Langemarck eintrat, sinnfällig zum Ausdruck bringen, sollen auf der Stirnseite die Namen der studentischen Verbindungen und Regimenter tragen.

In ihrer Mitte liegen drei noch aus der Kriegszeit stammende Betonunterstände. Das Feld ist auf drei Seiten von einem Wassergraben umschlossen, der symbolisch ausdrückt, daß der Angriff vor der Ueberflutung des Schlachtfeldes durch die Yser zum Stehen gebracht wurde. Rot wie Feuer steht über dem ganzen Felde, wie über Niemandsland im Kriege, blühender Mohn."

Langemarck - Weihestein der Deutschen Burschenschaft
Langemarck - Weihestein der Deutschen Burschenschaft

Unter den Gefallenen von Langemarck befinden sich neben den Mitgliedern anderer Korporationen auch viele Burschenschafter. So war es verständlich, daß die Deutsche Burschenschaft von Beginn an regen Anteil an der Gestaltung des Denkmals nahm und zu seinen Gunsten zahlreiche Stiftungen machte. Ihren eigenen Gefallenen widmete die Deutsche Burschenschaft einen der Sarkophage, einen Weihestein, an dem bis in die Gegenwart der im Ersten Weltkrieg gefallenen Burschenschafter gedacht wird.

Quellen und weiterführende Literatur:

Deutsche Studentenschaft (Hg.), Langemarck - ein Vermächtnis. Worte von Josef Magnus Wehner, am 10. Juli 1932, zur Stunde der Übernahme des Gefallenen-Friedhofs Langemarck durch die Deutsche Studentenschaft, gesprochen an allen deutschen Hochschulen verbunden mit Briefen Gefallener, München 1932.

Eulen, Siegfried Emmo, Langemarck, in: Burschenschaftliche Blätter 46/11 (1932), S. 241.

Hammes, Flandern - Langemarck, in: Landsmannschafter-Zeitung 46/10 (1932), S. 145-146.

Krödel, Richard, Studentenfriedhof Langemarck, in: Deutsche Sängerschaft 7 (1932), S. 245-246.

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Faber, Erwin, Kränze in Langemarck - kein falsches Pathos, in: Deutsche Sängerschaft 1 (1977), S. 21-22.

Donath, Ulrich, Langemarck 1982, in: Deutsche Sängerschaft 1 (1983), S. 11.

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Kromphardt, Karl, Langemarckfahrt 1982. Ehrenmal der Akademikerverbände für den Ersten Weltkrieg, in: Der Convent 34 (1983), S. 134.

Immler, Rolf, Eine Reise durch Flandern. Der SV-Gedenkstein in Langemarck, in: Der Convent 35 (1984), S. 246-248.

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