Akademisches Fechten

Das studentische Fechten besitzt eine lange Tradition und ist Bestandteil burschenschaftlichen Brauchtums. Es wird heute hauptsächlich in Form der Bestimmungsmensur - oder kurz der Mensur - gepflegt. Der Ausdruck Mensur kommt aus dem Lateinischen und bedeutet das Maß, hier den Abstand der Fechter; im übertragenen Sinne ist Mensur das Messen zweier Fechter in einem Vergleichskampf. Die Mensur ist vom Sportfechten auf der einen und besonders vom Duell auf der anderen Seite scharf zu trennen.
Unter Sportfechten versteht man den sportlichen Vergleichskampf zweier Gegner, bei dem mit dem stumpfen Florett als Stich-, oder dem stumpfen Degen als Stoß- und Hieb- oder dem stumpfen Säbel als Hiebwaffe unter Ausnutzung von Blößen in der Deckung des Gegners die zulässige Trefffläche am Kopf oder Körper des Gegners berührt werden soll; dabei ist die Beinarbeit zum raschen Annähern an und Wiederentfernen vom Gegner wesentlich. Die Bestimmungsmensur ist dagegen ein Vergleichskampf ohne Bewegung von Körper und Beinen mit dem Schläger als Hiebwaffe und scharfen Klingen, bei dem die zulässige Trefffläche der Kopf ist. Alle nicht zur Trefffläche zählenden Körperteile werden bei der Mensur durch gepolsterte Bandagen und die Augen durch die Fechtbrille vor Verletzungen bewahrt. Es kommt im Unterschied zum Sportfechten nicht darauf an, dem Gegner eine gewisse Anzahl von Treffern beizubringen, sondern beherzt nach den Regeln des Paukkomments zu fechten und gegebenenfalls gegnerische Treffer, die nur bei eigenen Fehlern in der Deckung möglich sind, und denen mit dem Körper nicht ausgewichen werden darf, ohne Verlust der eigenen Haltung hinzunehmen. Der Wert der Mensur liegt für den einzelnen somit in der charakterlichen Erziehung. Eines ist die Mensur aber nicht: sie ist keine Mutprobe.
Die Mensur unterscheidet sich in ihren Wesen auch deutlich vom Duell, dem nach einer Beleidigung stets die persönliche Forderung des einen Zweikämpfers nach Genugtuung (Satisfaktion) durch den anderen zugrunde liegen muß. Während es das Ziel des Duells auf Säbel ist, eine Ehrenangelegenheit zu bereinigen, indem zur eigenen Genugtuung dem Gegner in einer vorgegebenen Anzahl von Gängen möglichst viele blutige Treffer auf Kopf, Arme und Oberkörper beigebracht werden, oder ihn kampfunfähig zu machen, ist dies bei der Bestimmungsmensur gerade nicht der Fall; sie stellt vielmehr einen ritterlichen Zweikampf dar, der unter keinen Umständen auf Satisfaktion ausgerichtet ist und nicht auf eine Verletzung des Gegners abzielt, schon gar nicht darauf, ihn vorübergehend oder auf Dauer kampfunfähig zu machen. Aus grundsätzlichen Erwägungen heraus und auch um den Unterschied zwischen Mensur und Duell für jedermann deutlich zu machen, verbietet die Deutsche Burschenschaft ihren Mitgliedsvereinigungen mit Wirkung für jeden einzelnen Burschenschafter strikt die Austragung von Ehrenangelegenheiten mit der Waffe.

Vom Duell zur Bestimmungsmensur.

Dennoch ist der Ursprung der Bestimmungsmensur im Duell als einem verabredeten, nach bestimmten Regeln ausgefochtenen Ehrenzweikampf zu suchen. Ihre Wurzeln werden zurückgeführt auf
1.    die Fehde,
2.    den gerichtlichen Zweikampf und
3.    das ritterliche Turnier.

Bei der Fehde trug man die Regelung von Streitigkeiten und Beleidigungen ohne Richter unter sich aus. Im gerichtlichen Zweikampf, wie er im 13. Jahrhundert im Sachsenspiegel beschrieben wird, standen sich Kläger und Beklagter unter den Augen eines Richters gegenüber und fochten mit Schwertern um ihren Rechtsanspruch; siegte der Beklagte, sprach ihn der Richter frei, unterlag er, galt er als schuldig (Gottesurteil). Fortschritte im Rechtswesen und ein zunehmender Widerstand der Kirche trugen dazu bei, daß gerichtliche Zweikämpfe im späteren Mittelalter immer seltener wurden und im 16. Jahrhundert ganz verschwanden. Gleiches galt auch für das ritterliche Turnier, bei dem eine Verletzung des Gegners weder beabsichtigt noch erforderlich war; Sieger war derjenige, der die Waffen am geschicktesten führte.
Seit dem 16. Jahrhundert bürgerte sich, zunächst von Spanien, Italien und Frankreich kommend, das Duell unter Adeligen als Ehrenzweikampf mit lebensgefährdenden Waffen auch in Deutschland ein. Im 17. Jahrhundert nahm es hier so überhand, daß alle Landesherren Duelledikte erließen; es gelang aber nicht, die Zahl der Zweikämpfe einzuschränken. Trotz der Edikte wurden Duellanten von der Obrigkeit mit Samthandschuhen angefaßt und blieben fast immer von den angedrohten strengen Strafen verschont. Über den Adel fanden der Ehrenstandpunkt und damit das Duell Eingang in das Offizierscorps. Durch den seit dem 17. Jahrhundert gewachsenen Anteil von Adeligen an den Studenten der Universitäten waren es nach den Adeligen und Offizieren vor allem die Studenten, welche Konflikte im Duell auszutragen pflegten. Deshalb richteten die Universitäten Fechtböden ein und stellten eigene Fechtmeister an. Fechten gehörte zur Ausbildung der Studenten und hatte nahezu den gleichen Rang wie das Studium. Die Praxis, Ehrenhändel im Duell auszutragen, blieb jedoch nicht auf adelige Studenten beschränkt, sondern dehnte sich auf Studenten jeglicher sozialer Herkunft aus.
Die meisten Studenten waren sehr jung, wenn sie die Universität bezogen, und tauschten die bislang gewohnte familiäre Gebundenheit gegen die individuelle Freiheit in einer zunächst unbekannten gesellschaftlichen Umwelt ein. Geborgenheit und Hilfe boten hier die studentischen Verbindungen, die an allen Universitäten entstanden und nach landsmannschaftlichen Prinzipien geordnet waren. Sie schützten den Universitätsneuling vor Vereinsamung und Übergriffen anderer und gaben ihm mit dem Komment überschaubare Verhaltensregeln an die Hand. Mit ihnen konnte er im akademischen Umfeld Fuß fassen und sich im Kreis seiner Kommilitonen zurechtfinden. Der Komment regelte den Umgang der Studenten untereinander, ihre Zusammenkünfte, ihre Lieder und Trinksitten, ihre Sprache und Konflikte. Sehr viel früher als das Offizierscorps gab die Studentenschaft ihren Vorstellungen von Ehre und Ehrenschutz eine schriftliche Form. Die überlieferten Komments aus dem 18. und 19. Jahrhundert lesen sich wie Ehrenbreviere und Duellratgeber, sie verzeichnen jede mögliche Beleidigung, ordnen ihr die entsprechende Reaktion zu, legen Zeit, Ort und Modalitäten des Zweikampfes fest, beschreiben seinen üblichen Verlauf und die Bedingungen, zu denen Genugtuung gegeben wurde. Auch wenn diese Regeln nur für Studenten Geltung hatten, die einer Verbindung angehörten, wirkten sie doch weit über deren Kreis hinaus. Unter dem Einfluß der Korporationen, die als Hüter des Komments auftraten, entwickelte sich das studentische Duell nicht nur zu einem Markenzeichen akademischer Kultur, sondern nahm darüber hinaus zunehmend eigene, von den Duellen anderer gesellschaftlicher Gruppen abweichende Züge an.

Die Duelle außerhalb studentischer Kreise fanden mit Säbeln oder Pistolen statt, wobei die Pistole im Verlauf des 19. Jahrhunderts immer mehr in den Vordergrund trat. Ehrenhändel entstanden meist durch das Ramschen, das heißt durch das Aufbauschen an sich belangloser Streitigkeiten, die häufig auch auf andere, gütliche Weise unschwer hätten beigelegt werden können, oder sie ergaben sich aus dem Koramieren, das heißt durch unmittelbares Befragen, ob eine beleidigende Absicht vorgelegen habe. Die Koramage selbst konnte bereits als Herausforderung zum Zweikampf aufgefaßt werden. Gab man unbedingte Satisfaktion, so mußte die Forderung auf jede kommentmäßige Waffe (Säbel oder Pistole) angenommen werden; gab man bedingte Satisfaktion, so war die Austragung des Zweikampfes von der Genehmigung durch ein Ehrengericht abhängig. Mitunter kam ein Überstürzen bei der Wahl der Waffen des Zweikampfs vor, das heißt anstatt einer zunächst als angemessen angesehenen leichten Waffe (z. B. leichten Säbel) wurde aus Trotz, Imponiergehabe oder Renomiersucht eine schwere (z. B. schwerer Säbel) und schließlich die Pistole. Mit der Bereinigung von ernsten Ehrverletzungen hatten solche Zweikämpfe häufig wenig zu tun, höchstens mit der zweifelhaften persönlichen Genugtuung, durch den Zweikampf vielleicht Ansehen gewonnen zu haben.
Bei studentischen Zweikämpfen dominierte zuerst zwar auch der Säbel, aber ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging man mehr und mehr auf den weniger gefährlichen Schläger über. Dieser konnte sich jedoch nicht bei allen Korporationen durchsetzen; beispielsweise lehnten die im (österreichischen) Waidhofener Verband zusammengeschlossenen Vereine Deutscher Studenten den Schläger bis zur Auflösung des Verbandes im Dritten Reich grundsätzlich ab, sie gaben aber stets Satisfaktion auf Säbel. Der Anlaß eines studentischen Zweikampfes unterschied sich gemeinhin nicht wesentlich von den außerhalb des universitären Milieus geltenden Duellgepflogenheiten. Wollte ein Student fechten, mußte er einen anderen formal beleidigen, worauf er von diesem zum Zweikampf aufgefordert (kontrahiert) wurde. Kontrahagen waren keine Reaktionen auf wirklich empfundene Ehrverletzungen, sondern dienten einzig und allein dazu, sich auf der Mensur zu messen. Die Urburschenschaft versuchte zwar, einer Überhandnahme von Kontrahagepartien durch Ehrengerichte gegenzusteuern - ein Teil der Burschenschaft verhielt sich später sogar geradezu duellfeindlich -, aber es gelang ihr und auch selbst der auf dem Gebiet der Mensurreform besonders radikalen Progressbewegung nicht, andauernden Wandel zu schaffen. Die Fechtwaffe (Schläger) und die Fechtmethode sowie die Schutzkleidung schlossen lebensgefährliche Verletzungen weitgehend aus. Deshalb führten die Corps um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Bestimmungsmensur auf Schläger ein. Um auf Mensur zu gehen, war es nun nicht mehr notwendig, formal zu beleidigen und gefordert zu werden, sondern die Partien wurden von den Fechtwarten der Korporationen ohne Zutun der später Fechtenden vereinbart. Damit konnte der Fechtlust der Studenten entsprochen und Auswüchsen im Duellwesen entgegengewirkt werden.

Die Mensur in der Burschenschaft

Im Jahre 1883 trat der Bonner Franke Küster mit einem Reformplan an die burschenschaftliche Öffentlichkeit, der sich neben anderen Punkten (scharfe Abgrenzung der Burschenschaften gegen Corps, Landsmannschaften und andere Verbindungen) vor allem mit dem Mensurwesen befasste. Küster forderte unter anderem:
-    „Das Duell wird grundsätzlich verworfen, aber in Anbetracht der augenblicklichen Verhältnisse unbedingte Satisfaktion gegeben“.
-    „Die Mensur ohne vorausgegangene Beleidigung wird verworfen, zwischen Burschenschaftern ist sie überhaupt nur zulässig, wenn ein Ehrengericht keine Einigung erzielt“.
-    „Rempeleien sind verboten, Pro-Patria-Suiten sind verboten“.
-    „Streitigkeiten zwischen Burschenschaften werden vor einem Ehrengericht, in zweiter Instanz vom Burschentag entschieden“.
-    „Duelle auf schweren Waffen unterliegen einem Ehrengericht“.
Küster konnte sich mit seinen Ansichten nicht durchsetzen. Der Burschentag vom 16. bis 19. Mai 1883 in Eisenach beschäftigte sich aber mit der Reform des Mensurwesens und stellte unter anderem fest, daß zwar die Schlägermensur das altherkömmliche und durch nichts besseres zu ersetzende Mittel zur Austragung von Streitigkeiten zwischen Studenten sei, die Schlägermensur jedoch auch die Aufgabe habe, ungeeignete Elemente fernzuhalten. Da es zur Erfüllung dieser Aufgabe notwendig sei, daß jedes Mitglied auf Mensur komme, dies durch Kontrahagen jedoch nicht allein erreicht werden könne, gestattete der Burschentag die Bestimmungsmensur auf Schläger.
Dies war ein wichtiger Schritt, die Mensur im heutigen Sinne vom Duell zu trennen. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Ausführungen von Hermann Haupt im Burschenschafterhandbuch von 1929, wo es unter anderem heißt: „Große Schwierigkeiten, die auch heute trotz steter Zusammenarbeit der Aktiven- und Altherrenkreise noch nicht überwunden sind, bot die Regelung des Mensurwesens, namentlich die Ermöglichung einer freieren, dem Verfall der Fechtkunst wehrenden Fechtart, ferner die Beseitigung der Missstände bei der Mensurbeurteilung und der mit ihr verquickten Mensurstreitigkeiten. Auch bei weitgehender Anerkennung des Erziehungswertes der Mensur muß sich doch die Forderung immer entschiedener durchsetzen, den Mensurbetrieb auf Kosten anderer, in der ernsten Gegenwart ungleich wichtiger burschenschaftlicher Aufgaben, nicht überwuchern oder gar zum Mittelpunkt des Verbindungslebens werden zu lassen“.
In der Deutschen Burschenschaft hielten sich bis zu ihrer Auflösung 1936 neben der Bestimmungsmensur noch sogenannte Pro-Patria-Suiten (PP-Suiten, PPS, Hatzen), Sekundantenkontrahagen, einfache und schwere Forderungen. Während sich PP-Suiten und Sekundantenkontrahagen in der Regel an unterschiedlichen Auffassungen über den Fechtstandpunkt einzelner Bünde entzündeten, mußten der einfachen und schweren Forderung Ehrenangelegenheiten zugrunde liegen. In Anlehnung an die Ziele der Urburschenschaft gab die Deutsche Burschenschaft 1902 „Ehrengesetze und Zweikampfregeln“ heraus, die 1928 überarbeitet wurden. Man wollte die genannten Forderungen möglichst beschränken und durch andere Formen der Genugtuung ersetzen, weshalb Ehrengerichtsverhandlungen eingeführt wurden. Das Ehrengericht, das zwingend bei jeder Forderung nach Satisfaktion zusammentreten mußte, erkannte je nach Schwere des Vorfalls entweder
-    auf Entschuldigung, beziehungsweise auf Entschuldigung mit Rücknahme oder Widerruf (revozieren), gegebenenfalls mit dem Ausdruck des Bedauerns,
-    auf Abbitte durch den Beleidiger (deprezieren),
-    auf einfache Forderung (das heißt, die Mensur wurde mit dem Schläger ausgetragen), oder
-    auf schwere Forderung (der Zweikampf erfolgte auf Säbel).
Parallel dazu beschränkte man die Pistolenduelle auf ganz bestimmte Fälle schwerster Beleidigungen, zum Beispiel auf Beleidigung, welche die gesellschaftliche Ächtung des Beleidigten oder seiner Familienangehörigen zur Folge haben konnten. Wer keine (auch nicht bedingte) Satisfaktion nahm oder gab, geriet indes in Verruf, das heißt, er verfiel der Versagung aller Achtung und jeden gesellschaftlichen Verkehrs. Zur Beseitigung des Verrufswesens und anderer Missstände unter den waffenstudentischen Verbänden wurde 1914 das Marburger Abkommen abgeschlossen. Als Folge dieses Abkommens entstanden örtliche Ehrenordnungen. Dies führte 1921 zum Abschluß des Verbände- und Ehrenabkommens in Erlangen. Die Deutsche Burschenschaft trat 1922 in Rudolstadt dem Allgemeinen Deutschen Waffenring bei, nachdem gewisse politische Bedenken ausgeräumt worden waren. Dessen Ehrenordnung wurde 1928 auf dem Waffenstudententag in Hannover angenommen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde von der Deutschen Burschenschaft die Bereinigung von Ehrenangelegenheiten mit der Waffe verworfen, ohne dabei auf das Geben und Nehmen von Satisfaktion gänzlich zu verzichten; Burschenschafter haben sich bei Ehrenangelegenheiten nach der Ehrenordnung der Deutschen Burschenschaft zu richten, bei Streitigkeiten unter Mitgliedsbünden ist nach der Schiedsordnung der Deutschen Burschenschaft zu verfahren. Im Jahre 1953 haben die mensurfechtenden Verbände durch ihre Altherrenverbände dem Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Herrn Prof. Theodor Heuss, versprochen, keine Ehrenhändel mehr mit der Waffe zuzulassen. Seither ist unter studentischem Fechten nur mehr die Schlägermensur, insbesondere die Bestimmungsmensur, zu verstehen.

Bedeutung des Fechtens für die Burschenschaft heute

In der Deutschen Burschenschaft wurde 1954 die nach dem Zweiten Weltkrieg umstrittene Bestimmungsmensur nach harten Auseinandersetzungen zum Verbandsprinzip und blieb es bis zum Verfassungskompromiß von 1971. Dieser Kompromiß stellt es in das Ermessen des einzelnen Bundes, ob er von seinen Mitgliedern eine gewisse Mindestanzahl von Mensuren verlangt oder nicht. Für die Bünde, die ihren Bundesbrüdern das Fechten zur Pflicht machen, ist der Wille zum Schlagen von Mensuren ein wesentlicher Prüfstein für die Auswahl neuer verläßlicher Bundesbrüder; die Mensur wird als ein bedeutsames Erziehungsmittel aufgefaßt. Schließlich gilt die Mensur, da zu ihrer Ausführung die Unterstützung des Bundes erforderlich ist, auch als Mittel zum Einstehen für den Lebensbund. Sie ist ein wichtiger Bestandteil des Bundeslebens. Die fakultativ fechtenden Bünde stellen das Schlagen einer Mensur in das Belieben jedes Mitgliedes. Diese Bünde sind aber seit dem Burschentag 1977 in Linz /Donau verpflichtet, ihre Mitglieder bis zur Mensurreife im Schlägerfechten auszubilden. Burschenschaftliche Toleranz verlangt, daß sowohl die pflichtschlagenden als auch die fakultativ fechtenden Burschenschaften die Entscheidungen der jeweils anderen Bünde respektieren.
Bei der Bestimmungsmensur werden die Paukanten von den Fechtwarten ihrer Bünde bestimmt und gegeneinander aufgestellt; die Mensurgegner werden also nicht von den Paukanten selbst sondern durch Dritte ausgewählt. Dabei wird durch Berücksichtigung von Körpergröße, Statur, Schnelligkeit und Anzahl der bisherigen Mensuren eine Gleichwertigkeit auf beide Paukanten angestrebt. Bei der selteneren Verabredungsmensur handeln die beiden Paukanten die Partie ohne Beteiligung der Fechtwarte selbst aus; sie haben dabei darauf zu achten, daß auch nicht eine Spur von Ehrenhandel der Verabredung zugrunde liegt. Bei der in der Deutschen Burschenschaft umstrittenen persönlichen Kontrahage (PC) fordert ein Fechtwilliger einen anderen ohne vorangegangene Verabredung zur Schlägermensur auf; gleiches gilt für die sogenannte Pro-Patria-Suite (PP-Suite, PPS) oder Hatz, bei der ein Bund einen anderen zu einer aus vier, sechs oder acht Einzelmensuren bestehenden Folge von Vergleichskämpfen fordert. Anders als in der Vergangenheit werden Kontrahagen und PP-Suiten heutzutage, wenn überhaupt, dann nur mehr um des Fechtens willen durchgeführt; sie dürfen unter keinen Umständen zur Austragung von Ehrenhändeln herangezogen werden. Um dies zu unterstreichen, werden zum Beispiel in Österreich Kontrahage- und PPS-Forderungen seit jeher ausschließlich nur „zur Wahrung des Schlägerfechtens“ oder „zur Wahrung des konservativen Prinzips“ (im Gegensatz zum mensurfeindlichen Progreß) ausgesprochen, womit nachdrücklich - und alles andere ausschließend - betont wird, daß der Forderung keine wie auch immer geartete Ehrenangelegenheit zugrunde liegt. Kontrahiert wird heutzutage ohnehin nur mehr in gewissen Notsituationen, beispielsweise wenn ein Linkshänder keinen geeigneten Gegner für eine Bestimmungs- oder Verabredungsmensur finden kann. Gleiches gilt bei PP-Suiten für Bünde, die nicht genügend Gegenpaukanten für Bestimmungsmensuren bekommen, und nur auf diese Weise zu den von ihren Aktiven verlangten Pflichtmensuren gelangen können. Dass sich mensurbeflissene Aktive und Bünde im Wege der persönlichen Kontrahage oder PP-Suite ihre Pflichtmensuren bei fakultativ fechtenden Burschenschaften besorgen, deren Aktive trotz der im Verfassungskompromiß von 1971 eingegangenen Verpflichtung im allgemeinen nicht ständig mensurreif sind, wäre zwar unfair, aber nicht unehrenhaft. Als unehrenhaft müßte allerdings im konkreten Einzelfall die Unterstellung wider besseres Wissen gewertet werden, der Kontrahage- oder PPS-Forderung, die man nicht annehmen möchte, liege ein Ehrenhandel zugrunde, und der Forderer möge das Gegenteil beweisen.
1951 wurde von den mensurschlagenden Korporationsverbänden Coburger Convent (CC), Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) und Weinheimer Senioren-Convent (WSC) die Arbeitsgemeinschaft Andernach mensurfechtender Verbände (AGA) gegründet. 1952 traten die Deutsche Burschenschaft (DB) und die Deutsche Sängerschaft (DS) zur AGA in ein Freundschaftsverhältnis, seit 1956 ist die DB Vollmitglied der AGA. Die Aufgaben der AGA sind neben der rechtlichen Unterstützung der Angehörigen von Mitgliedsverbänden (beispielsweise bei den grundsätzlichen Verfahren vor dem Bundesgerichtshof 1953 und vor dem Bundesverwaltungsgericht 1958) heute vor allem die Förderung des Fechtlehrernachwuchses und die Schaffung eines Rahmenpaukkomments für die Bestimmungsmensur.

Die Mensur in juristischer Sicht

Die von den deutschen Landesherren im 17. Jahrhundert erlassenen Antiduelledikte wurden bereits erwähnt. Da die Studenten bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts meist den akademischen Strafbehörden unterstanden, wurden bekannt gewordene Duelle auch von diesen mit Karzer, dem Consilium Abeundi (das ist der förmlich erteilte Rat zum Abgang von der Universität) oder der Relegation (Ausschluß) geahndet. Die Strafgesetzbücher des Deutschen Reiches von 1871 und der k. k. Österreich-Ungarischen Monarchie hatten das Duell generell verboten. Nicht nur das eigentliche Duell, sondern auch die Abgabe und Annahme einer Forderung waren strafbar, ebenso die Übernahme eines Auftrages zur Überbringung einer Forderung. In Österreich tat man sich aber mit der Durchsetzung des Duellverbots außerhalb des k. k. Offizierscorps recht schwer. Ursache war einerseits die oft übertriebene Streitsucht nicht nur der deutschen, sondern auch der nichtdeutschen Studenten und Akademiker in der gesamten Monarchie, die manchmal besonders auf Rempeleien mit Angehörigen jeweils anderer Völker ausgerichtet war, und andererseits ein bisweilen recht starrer Ehrenstandpunkt in den einzelnen Völkern, beispielsweise der galizischen Polen oder der Ungarn. Die Duellanten waren zwar mit Strafe bedroht, Sekundanten und zum Zweikampf zugezogene Ärzte, die nach eigenen Angaben um eine Verhinderung des Duells bemüht waren, blieben aber straflos.
In Deutschland setzte das Reichsgericht in Leipzig mit einer Entscheidung von 1883 die Schlägermensur dem Duell gleich und bedrohte sie mit gleichen Strafen. Dennoch wurden weiterhin Schlägermensuren geschlagen, so als gäbe es diese Strafandrohung nicht. In der polizeilichen und gerichtlichen Praxis Österreichs vor und nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Schlägermensuren hingegen meist als Raufhändel gewertet, die nur dann verfolgt wurden, wenn die öffentliche Ruhe und Ordnung gestört worden war, oder wenn einer der beteiligten Paukanten eine Ahndung beantragt hätte. Bei der Mensur auftretende Schmisse wurden, da sie im allgemeinen nicht als lebensbedrohend anzusehen waren, auch nicht als strafbare Körperverletzungen betrachtet, zumal beide Paukanten bereits vor Beginn der Mensur mit möglichen Schmissen einverstanden gewesen waren. Damit entfielen auch zivilrechtliche Ansprüche der Paukanten gegeneinander. In Deutschland hielten die waffenstudentischen Verbände auch trotz der 1925/26 einsetzenden intensiven Verfolgung an der Bestimmungsmensur fest. 1933 wurde die Schlägermensur nach § 210 a StGB in der Fassung vom 25. Mai 1933 für straffrei erklärt. Nach dem Zweiten Weltkrieg hob der Alliierte Kontrollrat durch Kontrollratsgesetz vom 30. Januar 1946 diese Maßnahme wieder auf. Der 5. Senat des Bundesgerichtshofs in Berlin stellte aber am 29. Januar 1953 fest, daß die Mensur nicht den Tatbestand des „Zweikampfes mit tödlichen Waffen“ erfüllt, auch ein Verstoß gegen die guten Sitten im Sinne des § 226 a StGB wurde verneint. In den Neufassungen der Strafgesetzbücher der Bundesrepublik Deutschland von 1969/1975 und der Republik Österreich von 1974 wurden sämtliche Verbote von Schlägermensuren gestrichen. Ähnliches gilt auch in der Schweiz. Nach katholischem Kirchenrecht (c. 2351 CIC) zieht die studentische Mensur genauso wie das Duell für alle irgendwie Beteiligten die Exkommunikation und für die Paukanten und Sekundanten außerdem die kirchliche Ehrlosigkeit nach sich.

Paukkomment

Die Regeln, nach denen Mensuren geschlagen werden, sind im jeweiligen örtlichen Paukkomment zusammengefaßt, die sich von einer Universitätsstadt zur anderen etwas unterscheiden können. Allen Komments gemeinsam ist als Mensurwaffe der Schläger, im überkommenen Sprachgebrauch auch Speer, Hieber oder Haurapier genannt, und zwar als Hiebwaffe. Bei dem häufig vorkommenden Korbschläger bildet den Handschutz ein Korb von sieben Bügeln, der seltener gebrauchte Glockenschläger hat statt des Korbes eine halbkugelförmige Metallglocke und einen Bügel als Fingerschutz. Die Klingen sind in allen Fällen scharf, über die Schliffart der Klingen herrschen Unterschiede von Region zu Region, manchmal auch innerhalb einer Region von einer Hochschulstadt zur nächsten. Gegen Verletzungen außerhalb der zulässigen Trefffläche am Kopf, also an Augen und Hals, in einigen Komments auch an Nase und Ohr, sind die Paukanten durch die Fechtwichs, und zwar von den Knien bis zur Halskrause mit gepolsterten Lederjacken, Plastron genannt, oder durch Kettenhemden, durch Fechthandschuhe und Armstulpen und durch Fechtbrillen, diese gegebenenfalls mit Nasenabdeckung, geschützt.
Die Mensur wird von einem Unparteiischen geleitet. Jedem Paukanten steht ein Sekundant und ein Testant zur Seite. Der Sekundant steht seinem Paukanten bei und leistet ihn tatkräftig Beistand. Darüber hinaus hat er gegenüber der Gegenseite und dem Unparteiischen für seinen Paukanten Erklärungen abzugeben oder entgegenzunehmen. Der Testant, dem ein SchleppFuchs zur Seite stehen kann, hat zwischen den einzelnen Gängen die Klinge hygienisch zu halten. Jedem Paukanten steht ferner ein Paukarzt (Bader) zur Verfügung, der allfällige Verletzungen gleich am Paukboden behandelt. Der Abstand der Fechter zueinander, die eigentliche Mensur, wird bei jeder Partie neu bestimmt; sie ist in jedem Falle so eng, daß der ganze Kopf des Gegners aus dem eigenen Stand ohne Schrittbewegung mit der Spitze der Schlägerklinge getroffen werden kann. Die Lage des Schlägers in Kopfhöhe der Paukanten bestimmt das Gefecht. Die Hiebe und ihre Zulässigkeit werden im allgemeinen im Paukkomment geregelt. Man unterscheidet hohe, horizontale und tiefe Hiebe, wobei nicht überall alle Hiebe gefochten werden. Sie können entweder von beiden Paukanten im Wechsel mit ziemlich gleichbleibender Geschwindigkeit oder ohne Vorgabe ihrer Reihenfolge mit wechselnden Geschwindigkeiten gefochten werden. Erstmensurige fechten meist nur hohe Hiebe in wenig wechselndem Tempo. Man kann aber mit dem Schläger auch durch Öffnung der Deckung den Gegner zum Angriff einladen, um dann diesen Angriff durch eine Parade abzuwehren und danach schnell selbst anzugreifen. Der Sekundant achtet darauf, daß der Gegenpaukant keine inkommentmäßigen Hiebe ausführt, gegebenenfalls kann er durch sein Einfallen, wobei er sich schützend vor seinen Paukanten stellt, einen Gang der Partie abbrechen. Mit seinem Einfallen am Ende jedes Ganges soll der Sekundant seinen Paukanten auch vor noch nicht beendeten Hieben des Gegenpaukanten schützen. Dies erfordert, daß der Sekundant am ganzen Körper durch eine Sekundantenwichs geschützt ist und keine Trefffläche besitzt. Übermäßiges Lauern auf einen Fehler des Gegners führt meistens zur Ermahnung durch den Unparteiischen. Die Mensur ist beendet (ausgepaukt), sobald die verabredeten (25 bis 60) Gänge zu je vier bzw. fünf Hieben gefochten worden sind, oder durch Abfuhr, vor allem dann, wenn nach der Erklärung des Paukarztes ein schwerer Schmiß das Weiterfechten verbietet. Viele Bünde führen auch bei inkommentmäßiger Haltung ihres Paukanten ab, sie warten dabei eine eventuelle Ermahnung durch den Unparteiischen nicht ab; dies ist vor allem in Österreich weit verbreitete Praxis. Die bei den Paukanten gezählten Treffer (Blutige) haben nur statistischen Wert und dienen nicht einer Siegerermittlung. Der Bund entscheidet über die Anerkennung und Gültigkeit der Mensur seines Paukanten, wobei besonders die Beherztheit und Haltung während des Gefechts und dessen fechttechnische Ausführung beurteilt werden. Eine ungültige Mensur zieht in der Regel eine Reinigungspartie - gelegentlich auch unter erschwerten Bedingungen - nach sich.

Weiterführende Literatur:

-    Frevert, Ute: Ehrenmänner - Das Duell in der bürgerlichen Gesellschaft. München: Verlag C. H. Beck, 1991
-    Heer, Georg: Geschichte der Deutschen Burschenschaft, 4. Band - Die Burschenschaft in der Zeit der Vorbereitung des zweiten Reiches, im zweiten Reich und im Weltkrieg von 1859-1919. Heidelberg: Carl Winters Universitätsbuchhandlung, 1939
-    Haupt, Hermann (Hrsg.): Handbuch der Deutschen Burschenschaft. 5. Auflage. Frankfurt, 1929
-    Lackner, Werner: Die Mensur - Der rituelle Zweikampf deutscher Studenten. Wien, 1979